Halveraner Bauern zahlen für Aldis Preisansage

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Für die Kühe gibt’s nun preiswertes Futter – anders können die heimischen Landwirte die starke Milchpreissenkung nicht auffangen. Einige Halveraner produzieren für die Hochwald-Molkerei, die wiederum Aldi und Rewe beliefert.

Halver - Die Milch wird billiger. Denn Aldi hat die Preise um zehn Cent je Liter gesenkt – und die Konkurrenz zieht nach. Die Molkereien geben den Preisfall direkt an die Betriebe weiter. Auch die rund 30 Halveraner Milchbauern müssen das nun auffangen und stehen vor einer großen Herausforderung.

Die Preise für Milch und Molkereiprodukte fallen und steigen ständig. Ein normaler Vorgang, das weiß auch Landwirt Ernst Berbecker. „Diesmal ist das aber eine Größenordnung, die voll durchschlägt“, sagt er. Die Discounter und Supermärkte trügen ihren Konkurrenzhandel auf den Rücken der Bauern aus. Nun sei seine Liquidität und entsprechend auch die Existenz gefährdet. Es gilt, diese Zeit zu überbrücken, „irgendwie zu überstehen“ und zu hoffen, dass der Preis nicht weiter fällt. Und gleichzeitig zu hoffen, dass die Futterpreise nicht steigen.

Auch Ortslandwirt Michael Loitz stellt sich auf schwierige Monate ein. Erst im Mai wird der nächste Trinkmilch-Kontrakt ausgehandelt – und er denkt, dass sich die Lage bis dahin eher verschlechtern wird. Der Bauer liefert seine Milch täglich an ein Werk in Erftstadt, das zur Molkerei Hochwald gehört. Dort wird sie zu H-Milch in verschiedenen Fettstufen verarbeitet. Aus den Resten werden zum Beispiel Sahneprodukte oder Kondensmilch hergestellt. Hochwald beliefert unter anderem Rewe und Aldi mit seinen Produkten.

Loitz sagt, er müsse nun versuchen, die Kühe mit preiswerteren Produkten zu ernähren. Für den Halveraner die einzige Stellschraube, an der er in seinem Betrieb drehen kann. „Die Silos sind voll, außerdem hatten wir eine gute Maisernte.“ Darauf wird er nun zurückgreifen und weniger Kraftfutter zukaufen. Diese Taktik verfolgt auch Ernst Berbecker, der ebenfalls über eine gute Grundfuttersituation für seine Tiere verfügt.

Beide Landwirte hoffen und bangen, dass sich die Krise aus dem Jahr 2009 nicht wiederholt. Damals bekamen sie für ein Kilogramm Rohmilch gerade einmal noch 20 Cent. Michael Loitz erhielt in diesem Mai 38 Cent, im vergangenen Monat dann lediglich 34 Cent. Seine Schmerzgrenze von 30 Cent pro Rohmilch-Kilo werde vermutlich um Weihnachten herum erreicht sein. „Ich finde das heftig“, sagt er.

Doch ans Aufgeben denkt der Milchbauer trotz aller Hürden nicht – denn Loitz ist Landwirt mit Leib und Seele. „Wir schmeißen nicht bei jeder Krise das Handtuch, sondern sehen es als Herauforderung, diese Situation zu meistern. - Lisa-Marie Weber

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