Angeklagter fühlt sich provoziert

Aggressiver Busfahrer vor Gericht: Mann verletzt 70-jährigen Autofahrer

Busfahrer aggressiv Halver gericht
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Ein Busfahrer wird gegenüber eines 70-Jährigen aggressiv.

Ein Busfahrer verletzt einen 70-jährgen Autofahrer in Halver. Für das aggressive Verhalten landet er vor Gericht.

Halver/Lüdenscheid – Eine Geldstrafe von 2000 Euro wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung, 1500 Euro Schmerzensgeld für den Geschädigten, 1660 Euro für den angerichteten Sachschaden an dessen Auto, gut 300 Euro für den gegnerischen Anwalt, Kosten für den eigenen Anwalt und knapp 600 Euro für ein Kraftfahrzeuggutachten, das den Schaden bezifferte: Mit Rechnungen von weit mehr als 5000 Euro verließ ein 33-jähriger Busfahrer das Amtsgericht Lüdenscheid am 8. Oktober 2020.

Wann er all diese Forderungen würde begleichen können, stand in den Sternen, da er darüber hinaus auch noch seinen Job verlor. Vor einer Berufungskammer des Landgerichts drohte ihm nun weiterer Ärger: Denn die Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt, weil Richter Andreas Lyra den Angeklagten nicht wegen gefährlicher, sondern fahrlässiger und vorsätzlicher „einfacher“ Körperverletzung verurteilt hatte. Dadurch blieb das Urteil mit 80 Tagessätzen zu je 25 Euro weit unter der Mindeststrafe von sechs Monaten für eine gefährliche Körperverletzung.

Doch eine erneute Verhandlung über diese Frage hielt die Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft für unangemessen: Sie zog die Berufung zurück, wodurch das Urteil des Amtsgerichts rechtskräftig wurde.

Busfahrer fühlt sich provoziert

Der Angeklagte saß am Abend des 7. Februar 2019 am Steuer eines Busses, als ihm in Halver-Grünenbaum die Geschwindigkeit eines vorausfahrenden Autos nicht passte. Darin saß ein 70-jähriger Mann, der sich auf dem Weg von Köln nach Halver befand. Im Amtsgericht beschrieb der Zeuge, wie sich der vom Angeklagten gesteuerte Bus immer weiter annäherte, sodass er unwillkürlich seine Geschwindigkeit verminderte. Er wollte den Bus überholen lassen, um in Ruhe weiterfahren zu können. Diese Reaktion deutete der Busfahrer offenbar als Provokation und als ein Ausbremsen.

Er überholte, bremste dann aber und zwang den nun hinter ihm fahrenden Zeugen zum Anhalten. Doch es blieb nicht bei dieser Nötigung: Eine Kamera im Auto des Zeugen und dessen Gedächtnis hielten fest, wie der Angeklagte mit einer Gummiflitsche auf die A-Säule des Autos des Zeugen schlug. Weil er mit diesem Werkzeug auch noch die Hand des 70-Jährigen traf und dadurch einen massiven Bluterguss verursachte, warf ihm die ursprüngliche Anklage eine gefährliche Körperverletzung vor.

Die Aussage des Zeugen machte allerdings deutlich, dass der Angeklagte den Treffer auf der Hand wohl nicht absichtlich gesetzt hatte. Viel sprach dafür, dass das Scheibenreinigungsgerät beim Aufprall auf die Karosserie zerbrochen war und ein Bruchstück durch die geöffnete Seitenscheibe flog. Dieses traf die Hand des 70-Jährigen. Dieses Geschehen erfüllte den Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Dazu kam aber noch eine vorsätzliche „einfache“ Körperverletzung: Denn der unbeherrschte 33-Jährige hatte bei dem anschließenden Versuch, dem 70-Jährigen mit der Faust ins Gesicht zu schlagen, auch noch dessen Kehlkopf getroffen.

Beleidigungen kommen hinzu

Garniert wurde die Attacke noch mit Beleidigungen: Übermittelt wurden Ausdrücke wie „Hurensohn“ und „Missgeburt“. Dem 70-Jährigen verschlug der plötzliche Gewaltausbruch hingegen die Sprache: „Ich habe keinen Ton gesagt“, erinnerte er sich im Amtsgericht. Die Rücknahme der Berufung ersparte es ihm, sich vor Gericht noch einmal an diesen ereignisreichen Abend erinnern zu müssen.

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