Thema der Öffentlichkeit

Organspende: Ärzte äußern sich

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Halver - Das Wort Organspende machte in der vergangenen Woche wieder vermehrt die Runde in der breiten Öffentlichkeit. Auch die Halveraner Ärzte haben eine klare Meinung.

Der Bundestag hat der von Gesundheitsminister Jens Spahn unterstützten Widerspruchslösung bei der Organspende eine Absage erteilt. Stattdessen stimmten die Parlamentarier für eine andere Art der Reform: die Entscheidungslösung, für die sich die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock stark gemacht hat. Bei dieser Lösung soll die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben, die nicht durch den Staat erzwungen werden darf.

Künftig sollen alle Bürger mindestens alle zehn Jahre direkt auf das Thema Organspende angesprochen werden. Wer ab dem Alter von 16 Jahren einen Personalausweis beantragt, ihn verlängert oder sich einen Pass besorgt, soll Info-Material dazu bekommen. Bei der Widerspruchslösung wäre jeder automatisch zum Organspender geworden. Falls jemand seine Organe nicht spenden will, muss er oder sie sich aktiv dagegen aussprechen. Kritiker der nun eingetroffenen Entscheidungslösung argumentieren, dass diese nicht weit genug gehe und der bis dato aktuellen Entscheidungsregelung viel zu ähnlich sei. 

932 Menschen haben in 2019 Organe gespendet

Im vergangenen Jahr haben in Deutschland 932 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, auf der „Warteliste“ für eine Transplantation standen im Dezember 2019 über 9500 Patienten. (Quelle:organspende-info.de). 

„Grundsätzlich finde ich es in den anderen europäischen Ländern besser geregelt. In der Praxis fragt keiner aktiv nach einem Organspendeausweis. Die Patienten darauf aktiv anzusprechen, halte ich in der Praxis auch für schwierig“, sieht Kerstin Hefendehl , die als Fachärztin für Innere Medizin in der Gemeinschaftspraxis mit Dr. Böhm, Dr. Zöpfgen und Dr. Geitz an der Frankfurter Straße tätig ist, in der Entscheidungslösung keinen Fortschritt. Unter anderem in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Norwegen und mehreren osteuropäischen Ländern gibt es eine Widerspruchslösung. Ebenjene würde nach Hefendehls Meinung dazu führen, dass „sich die Patienten mehr mit dem Thema Organspende und dem Tabuthema Tod auseinandersetzen. Natürlich muss es eine wohlüberlegte Entscheidung sein. Denn der Mensch ist kein Ersatzteillager. Aber Organspenden können dazu führen, dass man damit eventuell ein oder zwei Menschen das Leben rettet.“

Wo gibt es die Ausweise?

In Halver gibt es im Unterschied zu anderen Städten, beispielsweise Meinerzhagen, im Bürgerbüro noch keine Informationsmaterialien. Somit bleibt den interessierten Bürgern nur die Möglichkeit, sich beim Hausarzt oder der Krankenkasse zu informieren.

Auf der Internetseite www.organspende-info.de gibt es die Möglichkeit, einen Ausweis online auszufüllen und auszudrucken oder ihn sich als Plastikkarte im Scheckkartenformat zuschicken zu lassen. Es ist sinnvoll, den Organspendeausweis bei den Personalpapieren mit sich zu tragen, da in einer Unfallsituation hier als erstes nachgeschaut wird, um die Angehörigen verständigen zu können. Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.

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