Abzocke-Gefahr: Tankstelle stoppt „Ukash“-Verkauf

Böse Überraschung im E-Mail-Postfach: Hinter der Mail der vermeintlichen „Bundespolizei“ verbirgt sich ein Virus – und der Versuch, die Internetnutzer dreist zu erpressen. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Ob Zufall oder nicht: Gleich mehrere Halveraner scheinen in jüngster Zeit Ziel einer Attacke durch Internetbetrüger geworden zu sein.

Beim ersten aufgeregten Kunden dachte Margarethe Gabriel noch an einen Einzelfall. Skeptisch wurde die Mitarbeiterin der bft-Tankstelle am Bächterhof beim zweiten und dritten, der unbedingt eine so genannte Ukash-Karte im Wert von 100 Euro kaufen wollte. Der vierte Fall am gestrigen Vormittag brachte ihr dann die Gewissheit: Zahlreiche Halveraner sind aktuell Opfer einer neuen Form von Internetbetrug.

Der Schock kommt bereits beim Öffnen der Mail: „Bundespolizei“ und „Bundeskriminalamt“, so heißt es scheinbar hochoffiziell, hätten auf dem Rechner des arglosen Nutzers „illegale Aktivitäten“ ausgemacht. Von dem betroffenen Computer sollen nicht nur E-Mails mit „terroristischem Hintergrund“ versendet worden sein, auch kinderpornografisches Material sei gefunden worden. Die Absender dieses Hinweises fordern eine „Strafzahlung“ in Höhe von 100 Euro, um das vermeintliche Vergehen vergessen zu machen. Das Fatale: Selbst, wer diese offensichtliche Betrüger-Mail ignoriert, kämpft mit deren Folgen. Der Computer scheint fortan nicht mehr nutzbar. Es erscheint eine Warnmeldung, dass das Betriebssystem „gesperrt“ wurde. Vereinzelt wird sogar verlangt, die Summe binnen 24 Stunden zu begleichen – ein Umstand, der die teils aufgelösten Kunden Margarethe Gabriels erklärt.

„Die sind ganz aufgeregt“, erinnert sich die bft-Mitarbeiterin an die Betroffenen, die eben nur mit besagtem Ukash-Bezahlsystem die Summe begleichen können. Die dazugehörigen Karten können zum gewünschten Preis – in diesem Fall also 100 Euro – zumeist an Tankstellen erworben werden. „Wir haben den Verkauf aber vorerst eingestellt“, betont Gabriel, dass man keinesfalls Geschäfte mit Betrügern machen wolle. Zudem sei der Betreiber des Bezahlsystems über die Vorgänge informiert worden.

Ganz neu ist das Vorgehen dubioser Internetbetrüger jedoch nicht: Bereits im Mai warnte das – diesmal echte – Bundeskriminalamt vor entsprechender Schadsoftware, die schon am 1. April Gegenstand einer Warnmeldung war. Das Programm, das den Computer schachmatt setzt, lade sich beim Surfen im Internet selbstständig herunter und installiere sich automatisch. Bundeskriminalamt und Bundespolizei betonen, dass sie nicht Urheber dieser Mail sind. Die betroffenen Nutzer sollten das Geld auf keinen Fall zahlen, sondern stattdessen daran gehen, den Computer mit Hilfe spezieller Programme wieder „fit“ zu machen.

Mehr Infos dazu – einen funktionierenden Computer vorausgesetzt – gibt’s im Internet unter http://www.bka.de oder http://www.buerger-cert.de. ▪ Frank Zacharias

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