Leiter der Ganztagsschule verabschiedet

Alle Aufmerksamkeit galt ihm: Heribert, genannt „Paul“, Müller wurde feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Schüler und Lehrer hatten ein buntes Programm auf die Beine gestellt. ▪

HALVER ▪ Fast 27 Jahre lang war er der „Chef“ der Hauptschule, der „Oberbauleiter“ oder für viele auch einfach nur: der „Paul“. Diesen Spitznamen hat Heribert Müller nämlich schon seit Jahrzehnten inne. Mehr als 100 geladene Gäste verabschiedeten ihn am Donnerstag im Foyer der Ganztagsschule in den Ruhestand.

Damit endete eine mehr als 40-jährige Pädagogenlaufbahn, die insbesondere in Halvers Schullandschaft ihre Spuren hinterlassen hat – und zwar durchweg positive, wie Bürgermeister Dr. Bernd Eicker in seiner Laudatio betonte. Er blickte unter anderem auf das Engagement Müllers zurück, den Ganztagsbetrieb an der Hauptschule einzuführen. „Du hast den richtigen Riecher gehabt“, so Eicker, der damals den Schul- auch als „Oberbauleiter“ in Erinnerung hat. Und Heribert Müller habe zudem für eine Kontinuität gesorgt, die das gestrige Ereignis zu etwas noch Speziellerem machten als es ohnehin schon ist: Müller war in der 44-jährigen Schulgeschichte nach Karl-Rudolf Filling erst der zweite Rektor. „Das spricht für die Bodenständigkeit und Kontinuität dieser Schule“, sagte der Bürgermeister.

Schulamtsdirektor Chris Hermey bemühte indes den Vergleich des Schiffskapitäns, der den Zusammenhalt und das Gruppengefühl an der Schule gefördert und sein Schiff auch in stürmischen Zeiten auf Kurs gehalten habe. Klaus Dieter Lau, Vorsitzender der Schulpflegschaft, sah den Ausspruch „Mensch sein, Mensch bleiben“ Heribert Müller wie auf den Leib geschneidert und schätzte auch eine „große Gabe“ des künftigen Ruheständlers: Autorität und Menschlichkeit bündeln zu können. Sein Nachfolger müsse in große Fußstapfen treten, so Lau.

Am Herzen lagen Heribert Müller jedoch immer, auch das wurde nochmals klar, vor allem die Schüler. Und die hatten den Großteil des Programms auf die Beine gestellt. So sang die Klasse 5a das Lied „Good bye“, spielten Schüler das Loriot-Stück „Der Feierabend“ auf Deutsch und Französisch und trugen Schüler der Klasse 6a das Gedicht „Schlaraffenland“ vor, ehe die Klasse 8b zeigte, was sie auf der Tanzfläche kann. Agnieszka Kubic, die auch durch das Programm führte, und Bendiks Dietrich betonten in ihrem Wortbeitrag, warum „Herr Müller“ ihnen fehlen wird. Nach der Pause, in der es Zirkusdarbietungen und das Video „Zimmer frei“ zu sehen gab, traten zudem die 7a mit dem Lied „Nossa“, die 7b mit dem Theaterstück „Funny und Ernst“ und die 6b mit dem Gedicht „Ich wünsch Dir Zeit“ auf.

Welche Wertschätzung Müller im Kollegium genoss, verdeutlichte nicht nur ein ge-sungener Segen der Lehrerschaft, sondern auch Konrektorin Christina Meemann in ihrer Rede. Sie erzählte die Geschichte vom „Kreis der 99“, in der ein armer Diener erst dann etwas vermisst, als er zu plötzlichem Reichtum gelangt. Müller habe bei aller in der Schule notwendigen Suche nach dem, „was fehlt“, immer auch den Blick auf und die Wertschätzung für das Bestehende geschärft. Und: „Sie haben Schülern und Kollegen immer die Stange gehalten“, so Meemann.

Die letzten Worte der Abschiedsfeier gehörten natürlich dem Hauptdarsteller selbst. Dabei erinnerte sich Heribert Müller an seinen ersten Schulleitertag am 6. November 1985, den er aufgrund eines Unwetters zu spät antrat oder auch an die Überschwemmung in der Schule, die ihm ein Knöllchen wegen zu schnellen Fahrens einbrachte. Doch er ging auch auf persönliche Eigenschaften ein, die nicht immer auf Wohlwollen stießen – etwa beim Schulamt. Das habe ihm schon einmal vorgeworfen, das System aushebeln zu wollen. Dies wollte Müller am Donnerstag nicht so stehen lassen – wenngleich er einräumte, stets zu wissen, was in den Richtlinien ausdrücklich verboten ist. „Und manchmal bin ich bei der Lektüre eben nicht fündig geworden.“

Müller dankte schließlich Kollegen, Schülern und Eltern, die ihn bei der Arbeit unterstützt hätten. „Ich habe Schule fast nur als Mannschaftssport kennengelernt“, sagte der künftige Ruheständler, der angesichts des aufwendig gestalteten Abschiedsfestes ruhigen Gewissens den Heimweg antreten konnte: „Wenn ich das sehe, weiß ich: Alles hast du nicht falsch gemacht.“ - Frank Zacharias

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