Abiturprüfungen starten Freitag

Schulleiter kritisiert fehlende Impfung bei Lehrern: „Feuerwehrleute kann ich nicht in die Aufsicht setzen“

Bereits im vergangenen Jahr fanden die Abiturfeierlichkeiten unter Corona-Bedingungen statt.
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Bereits im vergangenen Jahr fanden die Abiturfeierlichkeiten unter Corona-Bedingungen statt.

Freitag geht es los. Die Abiturprüfungen stehen an. Das Anne-Frank-Gymnasium macht es anders als im vergangenen Jahr. Dass die Lehrer noch nicht geimpft sind, Feuerwehrleute aber schon, kann der Schulleiter nicht verstehen

Halver – Abitur ist ein lateinisches Wort. Gebildet aus „abire“, was „weggehen“ bedeutet. „Abitur“ ist die dritte Person Singular und bedeutet: Er/sie/es geht weg. Aber bevor es dazu kommt, dass die Abiturienten das Anne-Frank-Gymnasium (AFG) verlassen, werden sie zur Schule kommen und lange bleiben. Mitunter vier Stunden am Stück. Die Prüfungsphase beginnt am Freitag. Mit Englisch geht es los.

Bereits im vergangenen Jahr fanden die Prüfungen mit Hygienekonzept und Sitzplan statt. 1,50 Meter Abstand, Maske tragen bis zum Platz – dann durfte sie abgenommen werden. In einem Jahr hat sich viel verändert. Maximal zehn Schüler werden zusammen in einem Raum sitzen und die Prüfung schreiben. Im vergangenen Jahr waren es mehr Prüflinge in einem Raum oder auch alle in der Aula.

Kleine Gruppen - statt große Räume

Die Aufteilung in kleine Gruppen erfordert auch mehr Personal, sagt Paul Meurer. Der Schulleiter des Gymnasiums sieht darin mit Blick auf Freitag kein Problem. Aber er hofft, dass auch weiterhin alle gesund bleiben und eingesetzt werden können. Denn geimpft sind die Lehrer nicht. Die Lehrer testen sich regelmäßig und haben Sicherheit auch durch die Selbsttests der Schüler. Doch auch hier entscheiden sich manche dagegen. Alle Abiturienten, die sich vor der Prüfung nicht testen – am Donnerstag gibt es für jeden noch einmal die Gelegenheit in der Schule –, kommen in eine Gruppe. Die Frage, welcher Lehrer allerdings die ungetestete Gruppe beaufsichtigt, sorgt mitunter für Unmut. Denn obwohl Lehrer von weiterführenden Schulen nicht priorisiert sind, wurden bereits einige von ihren Hausärzten geimpft.

Meurer spricht von Entzweiung. „Der Solidaritätsgedanke geht völlig weg.“ Um Impfneid, betont Paul Meurer, geht es dabei nicht. Aber man kann es nicht erklären. „Wir brauchen zwingend die Impfung.“ Aber es gibt keine Flexibilität und keine Entscheidung für das Lehrpersonal. „Ich kann keine Feuerwehrleute in die Aufsicht stellen.“ Meurer spricht auch als Referent für Schulleitungsfragen beim Philologenverband NRW. Er freut sich für jeden, der geimpft ist. Aber verstehen kann er nicht, dass Lehrer, die täglich mit vielen Schülern zu tun haben, nicht priorisiert werden.

Entzweiung: Hausärzte haben Lehrer zum Teil geimpft

Dass jetzt Impfungen von Hausärzten hinzukommen, verstärkt die Ungerechtigkeit. „Rufen lohnt nicht mehr, wir müssen uns der Gefahr aussetzen“, sagt Meurer und ergänzt: „Ich spiele mit, solange die Regeln klar sind. Aber von einer Impfreihenfolge kann keiner mehr sprechen.“ Vergangene Woche wurde beim Testen ein Schüler positiv getestet. Es gibt Proteste, sagt Meurer. Dass die Maske in der Klasse zum Testen abgenommen werden muss, sei nicht zu verantworten. Auch der Schulleiter selbst war bereits mit Corona infiziert. Vor der Mutation aber, weiß er, ist er deshalb nicht geschützt.

Auf Nachfrage bei Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, wann Lehrer geimpft werden, sagt er: Lehrer gehören zur Gruppe drei und sind nicht priorisiert. „Sie sind nicht dran.“ Wenig Verständnis hat dafür Paul Meurer mit Blick auf den Hotspot Märkischer Kreis. „Ich hoffe nur, alle bleiben gesund.“ Auf die Prüfungen sieht Meurer seine Schüler gut vorbereitet. Der Digitalunterricht habe bereits im letzten Jahr gut geklappt und die Schüler hatten seit den Osterferien Zeit, sich intensiv vorzubereiten. Bei Bedarf gab es für sie auch die Möglichkeit auf Präsenzunterricht. Ob aber die Abschlüsse unabhängig von den Inzidenzen wirklich gleichwertig sind, wie es das Schulministerium sagt – „ja, die Frage wird kommen.“ „Jetzt aber haben die Abiturienten Priorität“, sagt Meurer.

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