Geldstrafe beendet „kuriosen“ Fall

Halver - Ein Haufen gehäckseltes Holz beschäftigte jüngst das Amtsgericht Lüdenscheid, wo sich ein 60-Jähriger aus Halver dem Vorwurf des versuchten Diebstahls von 1,5 Kubikmetern solcher Holzschnitzel stellen musste. Der von allen Verfahrensbeteiligten als „kurios“ eingestufte Fall verlangte den Juristen einiges ab und das lag vor allem an den besonderen Eigenschaften dieser Ware.

Wenn mehrere Lieferanten das gehäckselte Holz auf einem Haufen deponieren, ist es schwierig bis aussichtslos festzustellen, wem was gehört. Ausgangspunkt der Probleme war ein solcher Haufen auf einem Gelände an der Karlshöhe, wo aus den Holzschnitzeln offenbar Strom gemacht wird. Der Angeklagte begab sich am 11. April gegen 15.50 Uhr mit einem Anhänger zu diesem Platz und lud rund 1,75 Kubikmeter der heißen Ware im Wert von 20 bis 30, möglicherweise sogar 50 Euro auf.

„Die braucht man, um den Garten zu mulchen“, nannte er ein weiteres Einsatzfeld der Späne. Jemand, der dort zuständig sei, habe ihm das erlaubt, behauptete der Angeklagte. Nun war allerdings noch jemand vor Ort, der Späne angeliefert hatte, und ihm war es offenbar nicht recht, dass sich jemand von dem Haufen bediente, auf dem auch sein Eigentum irgendwie mit anderen Spänen vermischt war.

Der Angeklagte respektierte diesen Wunsch und lud die 1,75 Kubikmeter Holzspäne wieder ab. Dennoch rief dieser Dritte die Polizei, die eine Anzeige wegen versuchten Diebstahls schrieb. „Es handelte sich um eine schwierige Lagebeurteilung wegen der Unklarheit der Besitzverhältnisse. Es war nicht zu erkennen, ob es sich um Privatbesitz handelte“, gab eine Polizistin, die vor Ort gewesen war, als Zeugin zu Protokoll.

Der Staatsanwalt sah die Sache aus der Sicht des Angeklagten und argumentierte: „Er wusste, dass es fremde Hackschnitzel waren.“ Gleichwohl sah auch er Anlass für eine Reduzierung der Strafe, die dem Angeklagten mit einem Strafbefehl zugegangen war: Aus 600 Euro sollten 300 werden, befand der Vertreter der Anklage.

„Eine kuriose Situation - Späne, die im Wald abgeladen wurden und wo keiner genau weiß, wem was gehört“, sprach sich der Verteidiger für ein mildes Urteil aus. Ein „kurioser Sachverhalt“ befand auch Richter Thomas Kabus und verurteilte den Angeklagten zu 20 Tagessätzen zu je 15 Euro, was der Angeklagte sofort akzeptierte.

Der letzte Satz des Richters galt schließlich demjenigen, der Justitia durch seine Anzeige auf Trab gebracht hatte: „Dass der Zeuge heute schon gar nicht mehr erschienen ist, zeigt schon, dass ihn das Ganze nicht mehr interessiert. - thk

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