Geschichte in zwei Versionen

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Halver/Lüdenscheid - Ein PS-starker Alfa Romeo wurde in Halver zum Anlass eines Streits, an dessen Ende am 11. Januar 2017 zwei Schläge mit einer Wagenheberstange auf einen Hinterkopf gestanden haben sollen.

Eine Version der Geschichte stammte von einem 38-jährigen Maschinen- und Anlagenführer aus Hagen, der im Amtsgericht Lüdenscheid als Zeuge im Prozess gegen einen 60-jährigen Kfz-Mechaniker aus Halver aussagte. 

Lange vor dem Vorfall habe er „ein Auto zum Tunen in Auftrag gegeben“, erinnerte sich der Zeuge. „Da sollte ein anderer Motor rein.“ Aus den für den Umbau veranschlagten ein bis drei Monaten seien sieben bis acht Monate geworden, weshalb der Ton gewechselter Text- und Bildnachrichten immer rauer wurde.

Schließlich habe ihn der Angeklagte um Hilfe bei den Arbeiten in der Werkstatt gebeten. Kein Problem, man traf sich, doch plötzlich bemerkte der auf dem Boden sitzende Zeuge „zwei Schläge am Kopf. Der Angeklagte hatte die Stange vom Wagenheber in der Hand“. Eine zehn Zentimeter lange blutende Wunde musste ärztlich versorgt werden.

Eine ganz andere Version der Geschichte unter Einschluss dieser objektiv entstandenen Wunde erzählte der Angeklagte: Nicht er habe den Zeugen, sondern dieser habe vielmehr ihn mit der Eisenstange in der Hand angegriffen. Dabei habe der 38-Jährige geäußert: „Erst mache ich dich fertig, dann mache ich das Auto kaputt.“

Absurder Auto-Umbau

Bei der anschließenden Rangelei habe sich der Zeuge den Kopf an einer Metallfeder am Schwingtor der Garage aufgeschlagen. Um die Abwegigkeit der Wünsche des Kunden zu illustrieren, schilderte der Verteidiger des Angeklagten die angebliche Absurdität des ganzen Auto-Umbaus: „Nach dem Tuning wäre der Wagen nur noch als Rennfahrzeug zu benutzen – etwa auf dem Nürburgring. Da darf man gegen Bezahlung ohne Fahrerlaubnis fahren.“

Eine mögliche Alternative sei die Anmeldung bei einem „Schwarz-Tüv für nicht zulassungsfähige Fahrzeuge“. Der Angeklagte habe sich einem solchen Ansinnen des Angeklagten verweigert und diesem erklärt: „Du kannst das Auto mitnehmen – den Schwarz-Tüv mache ich nicht.“ 

Der Zeuge wehrte sich gegen die latente Abwertung als verrückter Autonarr und vor allem als Angreifer: „Wenn ich den Mann angegriffen hätte, hätte der auf jeden Fall etwas gehabt.“ Was ihm vor dem Betreten des Gerichtssaals vom Verteidiger an Schlechtem nachgesagt worden war, räumte er freimütig ein: „Ich habe in meinem Leben viel Mist gemacht.“ 

Sein Leben lang sei er kriminell gewesen, doch nun sitze er zum ersten Mal auf der anderen Seite. Albträume habe er von dem Geschehenen. Mittlerweile habe er sich sogar von dem Alfa-Romeo-Wrack trennen müssen. Zeuge hat Narbe am Hinterkopf Zwei Geschichten also – beide recht merkwürdig.

Narbe am Hinterkopf des Zeugen

Doch, dass irgendetwas passiert sein muss, belegt die Narbe am Hinterkopf des Zeugen, die Richterin Kristina Thies ausgiebig in Augenschein nahm. Es gibt keine weiteren direkten Zeugen des Geschehens – wohl aber einen Zeugen, dem gegenüber der Angeklagte am Telefon „ein bisschen aufgebracht“ geäußert haben soll: „Ich habe ihn geschlagen. Ich hatte die Schnauze voll.“ 

Ein weiterer Zeuge bestätigte, dass es ein solches Telefonat gegeben habe. Die stark voneinander abweichenden Darstellungen veranlassten die Richterin dazu, die Verhandlung zu vertagen und für die Fortsetzung noch weitere Zeugen zu laden: zwei Polizeibeamte, einen DHL-Fahrer und eine Frau.

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