56-Jähriger wegen räuberischen Diebstahls vor Amtsgericht

- Symbolbild

Halver - Am Mittwoch musste sich ein 56-jähriger Halveraner vor dem Amtsgericht in Lüdenscheid verantworten. Er hatte im vergangenen Jahr sein Unwesen im Aldi-Markt an der Hagener Straße in Halver getrieben.

„Das ist ja nicht so gut gelaufen mit Ihnen“, sagt Amtsrichter Jürgen Leichter gleich zum Auftakt zum Angeklagten. Sein Umgangston war schon mal freundlicher. Das liegt daran, dass der 56-Jährige bereits einen Termin geschwänzt hat – und das gestern gleich noch mal versucht hat. Nun führen ihn Polizisten in den Gerichtssaal. Sie haben ihn von zu Hause abgeholt. Der Prozess wegen räuberischen Diebstahls kann beginnen. Es geht um Waren im Wert von 12 Euro.

Die Sachen hat er am 19. August aus einem Aldi-Regal geklaut, daraus macht der Hartz-IV-Bezieher auch keinen Hehl. „Ich wusste nicht, wo ich was zu essen herkriegen sollte.“ Sei halt „einfach eine blöde Idee“ gewesen. Noch blöder ist, dass er neben Nahrung und Multivitaminsaft auch noch eine Flasche Whisky eingesackt hat. Und völlig blöd, dass er den Filialleiter, der ihm im Weg stand, zur Seite geschubst hat, „um sich im Besitz der Beute zu halten“, wie Juristen sagen. So wird aus dem einfachen Ladendiebstahl ein Verbrechenstatbestand.

Der Vertreter der Anklage sagt: „Das war kein schlimmer räuberischer Diebstahl, aber es war ein räuberischer Diebstahl.“ Der dürre Mann murmelt: „Das lasse ich nicht auf mir sitzen.“ Er habe keine Gewalt angewendet.

Sogar Strafverteidigerin Anette Grzywacz sagt aber, da gebe es „nicht viel zu streiten“. Ihr Mandant sei „aus seiner Sicht in einer ausweglosen Lage“ gewesen und „wollte einfach nur raus“ aus dem Aldi-Markt. Sie fordert in ihrem Plädoyer „deutlich weniger“ als die acht Monate, die Staatsanwalt Christoph Bussmann beantragt hat. Der erkennt sogar auf einen minderschweren Fall und regt eine Bewährungschance an.

Das Schöffengericht in Lüdenscheid verurteilt den seit zehn Jahren arbeitslosen und chronisch alkoholkranken Werkzeugmechaniker aus Halver, geschieden und Vater von drei Kindern, zu sieben Monaten mit Bewährung und 40 Stunden Sozialdienst. Leichter: „Es wird Zeit, dass Sie sich wieder an regelmäßige Arbeitszeiten gewöhnen.“

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