Mit Wodkaflasche auf den Kopf geschlagen: 49-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

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Die Haftstrafe des Halveraners wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Halver/Lüdenscheid - Was – außer Alkohol – den Streit zwischen zwei Männern ausgelöst hatte, blieb letztlich unklar im Amtsgericht Lüdenscheid. Richterin Kristina Thies hatte nach der Anhörung zahlreicher Zeugen allerdings keine Zweifel, dass ein 49-jähriger Angeklagter aus Halver seinem mittlerweile an einem Tisch schlafenden Widersacher eine Wodkaflasche mit großer Wucht auf den Hinterkopf gedonnert hatte.

Sie verurteilte den 49-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte hatte zuvor von einer Notwehrsituation gesprochen: Das spätere Opfer habe ihn in dem vorangegangenen Streit gewürgt und heruntergedrückt. Daraufhin habe er die Flasche genommen, um sich zu wehren. Dieser Darstellung widersprachen mehrere Zeugen, die an der Familienfeier in Lüdenscheid teilgenommen hatten.

Eine 29-Jährige erinnerte sich an den schlafenden Mann und den Angeklagten: „Er nahm eine Flasche und schlug drauf.“ Eine 21-Jährige, die wie die meisten Gäste des Treffens aus Halver kam, bestätigte diese Angaben.

Der Angeklagte sei hereingestürmt, habe die Flasche von dem Tisch, auf dem das Opfer schlief, genommen und sie ihm auf den Kopf geschlagen. Eine weitere Zeugin erinnerte sich noch daran, dass jemand den Angeklagten festgehalten hatte, bevor dieser sich losriss und dem Opfer die Flasche über den Kopf zog.

Vage Hinweise zur Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte gab es nur vage Hinweise: Eine weitere Zeugin hatte den Angeklagten zuvor „ziemlich aufgewühlt“ erlebt. Er sei „stinkig und sauer“ gewesen und habe gedroht: „Ich mache ihn fertig.“

Ein Gast habe sich darum bemüht, die beiden Kontrahenten auseinanderzuhalten und die Situation zu deeskalieren. Den Angeklagten schien das an jenem 21. Januar 2018 alles nicht zu interessieren. „Ich bringe ihn um“, erinnerte sich die Zeugin an eine weitere finstere Ankündigung von seiner Seite.

Das Opfer leidet bis heute an den Folgen

Richterin Kristina Thies nahm diesen Satz in ihrer Urteilsbegründung wieder auf: Angesichts der Heftigkeit des Schlages sei es nicht abwegig, diesen als ein versuchtes Tötungsdelikt einzustufen. „Das Opfer war schlafend, also wehrlos.“

Bis heute leide das Opfer unter den Folgen des Schlages – unter anderem Kopfschmerzen. Letztlich nahm die Richterin jedoch Abstand vom möglichen Vorwurf der versuchten Tötung. Sie mahnte jedoch: „Ein Jahr und sechs Monate sind am äußersten unteren Rand des Möglichen.“

Für den Angeklagten sprach, dass er in keiner Weise vorbestraft war. Gegen ihn spreche aber sein Verhalten vor Gericht, erklärte die Richterin: „Ich habe kein Geständnis und keine Einsicht und Reue.“

Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 1500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Weitere 1000 Euro gehen an eine gemeinnützige Einrichtung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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