45-jähriger Halveraner vor Amtsgericht

Symbolbild

Halver -  Sich als Einzelner auf umkämpften Märkten zu behaupten, ist ein schwieriges bis unmögliches Vorhaben. Entsprechende Chancen bieten nur sehr spezielle Produkte – wie die Trommelfilter- und Biokammern, die ein 45-jähriger Halveraner baute und vertrieb.

Mit ihrer Hilfe können die Freunde des gepflegten Gartenteichs das Wasser reinigen, in dem sich ihre teuren Kois oder andere Fische tummeln. Das Gewerbe lief erfolgreich, bis die Kündigung der Wohnung und anderes Ungemach den erfolgreichen Tüftler im Sommer 2014 in eine schwere persönliche Krise stürzten, die eine Schaffenskrise zur Folge hatte. Drei Kunden zahlten vorab den Kaufpreis, um die Bezahlung der nötigen Materialien zu ermöglichen – Beträge zwischen 2500 und gut 3000 Euro. Doch das erhoffte Gartenteich-Zubehör aus Einzelanfertigung kam nie bei ihnen an.

Die Folge waren Anzeigen und ein Strafverfahren, dem sich der 45-Jährige seit dieser Woche im Amtsgericht Lüdenscheid stellen muss. „Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf steht“, erklärte der Angeklagte die belastende Situation nach einer Räumungsklage, auf die er kurzfristig mit einem Umzug reagieren musste. „Ich konnte nicht mehr arbeiten.“ Die Krise ging so weit, dass seine Frau eines Tages die Polizei zur Hilfe rief, weil sie um das Leben ihres Mannes fürchtete – ein objektiver Hinweis darauf, dass es wirklich schlimm um den Halveraner stand.

Er habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu betrügen, versicherte er im Amtsgericht. Derzeit baue er an den ausstehenden Anlagen. Die Materialien seien ja noch da. Da die Kunden das Interesse an der Lieferung verloren hatten, waren sie von den Kaufverträgen allerdings längst zurückgetreten. Die Anlagen müssten also anderweitig verkauft werden, um ihre Ansprüche zu befriedigen.

„Ich will keinem etwas schuldig bleiben“, versicherte der 45-Jährige. „Ich habe alles in vier Wochen fertig.“ Warum sein kleines Unternehmen schon im Normalbetrieb einen ganzen Mann forderte und dabei relativ wenig abwarf, machte eine Bemerkung über 75 000 gefahrene Kilometer in einem Jahr deutlich: Neben anderen Fahrten sei er in einem Jahr dreimal nach Flensburg gefahren, um die Funktionstüchtigkeit einer gelieferten Anlage zu gewährleisten. „Sie haben eine gewisse Zeit gut gearbeitet“, würdigte Richter Andreas Lyra die Fähigkeiten des Angeklagten.

Und er gab eine erste Einschätzung des Falles ab: „Wenn die Angaben so richtig sind, haben wir keinen Betrugsvorsatz.“ Darüber, wie sich die familiäre und berufliche Situation des Angeklagten im Sommer 2014 darstellte, soll nun seine Ehefrau Auskunft geben. Um sie noch hören zu können, wurde das Verfahren vorläufig ausgesetzt. Doch zuvor klärte der Richter noch mit den drei als Zeugen angereisten Betrogenen, wie sie möglicherweise an ihr Geld kommen können.

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