600 Euro für Unglücksfahrt

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600 Euro für Unglücksfahrt. 38-jähriger Halveraner versäumt Zahlung der Geldbuße.

Halver/Lüdenscheid - 600 Euro Geldbuße trennten einen heute 38-jährigen Mann aus Halver von der Einstellung eines Strafverfahrens, das er sich durch einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr eingehandelt hatte. 

In der Nacht zum 8. August 2016 verfolgte er seine gesprächsunwillige Frau mit seinem Audi und fuhr auf der Gegenfahrbahn der Hagener Straße mit bis zu 70 km/h neben ihr her. Dabei kam es schließlich zu einer Kollision der beiden Fahrzeuge, bei der glücklicherweise niemand verletzt wurde. Nur die Autos waren schrottreif. 

Zwar sprach einiges dafür, dass der Angeklagte sein Auto absichtlich gegen das Fahrzeug seiner Ehefrau gelenkt hatte. Der Kraftfahrzeugsachverständige Lutz Bölter konnte allerdings auch nicht ausschließen, dass der wildgewordene Ehemann sein Fahrzeug bei der Parallelfahrt nicht ausreichend unter Kontrolle hatte und der Audi deshalb gegen den Polo krachte. 

Das Schöffengericht war deshalb nicht restlos davon überzeugt, dass der Angeklagte den Unfall absichtlich herbeigeführt hatte, und bot eine Einstellung des Strafverfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage von 600 Euro an. Das war ein Vorschlag zu großer Güte. Und bis sich das Leben des Angeklagten auf dramatische Weise änderte, hätte er von dieser Verhandlung am 3. November 2017 bis Ende März fast fünf Monate Zeit gehabt, diese Geldauflage zu bezahlen. 

Reihe von Katastrophen

Erst dann folgte eine Reihe von Katastrophen, die eine solche Säumnis nachvollziehbar machten: Bei einem Schlaganfall verlor der 38-Jährige die Sehkraft seines rechten Auges, Lohnzahlungen blieben aus, eine Räumungsklage des Vermieters drohte. „In seinem alten Beruf kann er nicht mehr arbeiten“, erklärte der Anwalt des 38-Jährigen. „Durch diese Sachen hat er das völlig aus den Augen verloren.“ 

Denn wegen der ausgebliebenen Zahlung von 600 Euro wurde das nur vorläufig eingestellte Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid wiederaufgenommen. Der Angeklagte wiederholte seine Version der Ereignisse: Wenige Tage vor der Unglücksfahrt sei er mit seinem Auto an einen Bordstein gefahren. Dass eine Vorschädigung der Radaufhängung und ihr plötzlicher Bruch ursächlich für das Wegdriften des Autos gewesen sein könnten, hatte der Gutachter in der ersten Verhandlung allerdings ausgeschlossen. 

Richter Thomas Kabus machte trotz der prekären Lage des Angeklagten deutlich: „Eine erneute Einstellung des Verfahrens kommt aus meiner Sicht nicht in Betracht.“ Doch die Beweisaufnahme stockte schon bei der Vernehmung der Ex-Frau des Angeklagten. Für ihr Nicht-Erscheinen als Zeugin bekam sie eine stattliche Geldbuße von 500 Euro – wahlweise zehn Tage Ordnungshaft. Zur Fortsetzung der Verhandlung soll sie außerdem von der Polizei eingefangen werden.

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