Stattliche Drogenmenge am Bahnweg

Kokain- und Heroin-Dealer aus Halver vor Gericht: So lautet das Urteil

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Halver/Lüdenscheid - 160 Gramm Heroin, 20 Gramm Kokain, Feinwaagen und 9750 Euro Bargeld stellten Polizeibeamte am 3. Juli 2017 in einer Wohnung an der Frankfurter Straße sicher. Darum ging es jetzt vor dem Amtsgericht in Lüdenscheid.

Die Schlüssel zu dem Zimmer und einem Schränkchen, in dem sich die stattliche Drogenmenge befand, hatte ein 38-Jähriger, der im Juli 2013 nach Deutschland eingereist war. 

Im Amtsgericht Lüdenscheid behauptete der Angeklagte, das Rauschgift nur aufbewahrt zu haben. Gehört habe es einem 27-Jährigen vom Bahnweg, der ihm auch mitgeteilt habe, was sich in der von ihm angelieferten Tüte befand. 

Anmietung eines weiteren Zimmers

Recht eigenwillig mutete die Auskunft des Angeklagten hinsichtlich der aufgefundenen 9750 Euro an: 5000 hätten dem angeblichen Drogenhändler gehört. „Der Rest ist mein Geld“, versicherte der 38-Jährige. „Ich habe schwarz gearbeitet.“ Die Staatsanwältin wollte es kaum glauben: „Und das haben Sie immer schön gespart?“ Er habe an der Frankfurter Straße mehr Ruhe haben wollen und deshalb sein Zimmer am Bahnweg verlassen, begründete er die Anmietung eines weiteren Zimmers. 

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen durch die Anzeige einer Flüchtlingsbetreuerin, der der vom Angeklagten bezichtigte 27-Jährige vom schwunghaften Drogenhandel in dem Haus an der Frankfurter Straße berichtet hatte. 

Polizei legt Dealer aus Halver das Handwerk

Neben dem Angeklagten, den auch das Schöffengericht letztlich als Heroin- und Kokainhändler verurteilte, habe eine weitere Person sich um den Vertrieb von Marihuana gekümmert. Der Angeklagte habe den Drogenankauf in den Niederlanden organisiert und sich zum Zwecke größerer Reisefreiheit ein gefälschtes belgisches Personaldokument verschafft. 

„Der Angeklagte fuhr in Arbeitsklamotten und öffentlichen Verkehrsmitteln, damit er nicht so auffällt“, sagte die Sozialarbeiterin und rechtfertigte ihre Anzeige: „Ich nehme meine Schweigepflicht sehr ernst.“ In diesem Fall habe sie sich aber in der Verantwortung gesehen, weitere Drogengeschäfte zu unterbinden.

Zeuge redet wie ein Wasserfall 

Der 27-Jährige, der offenbar aus einer Heroinsucht heraus zu den Kunden des Angeklagten gehört hatte, redete wie ein Wasserfall. „Ich glaube kein einziges Wort von dem, was der Zeuge bisher erzählt hat“, bemerkte die Staatsanwältin. 

Richter Thomas Kabus sah das in seiner Urteilsbegründung ähnlich: „Der Zeuge hat um den eigentlichen Kern der Sache herumgeredet und ist ausgewichen.“ In einem Punkt glaubten die Richter dem Zeugen allerdings: „Ich habe nichts mit Drogen zu tun“, versicherte er mit Blick auf die ihm vom Angeklagten untergeschobenen harten Drogen und meinte damit eine Tätigkeit als Verkäufer der Ware. 

Auch die Hälfte des aufgefundenen Geldes gehörten ihm nicht: „Ich habe 300 Euro vom Sozialamt. Woher soll ich soviel Geld haben?“ Es gab allerdings noch einen weiteren Zeugen, und der bestätigte Drogengeschäfte des Angeklagten: „Was gesagt werden muss, muss gesagt werden“, kommentierte er seine Aussage. 

Das Schöffengericht sah letztlich genug belastbare Indizien, dass der Angeklagte aus „dieser konspirativen Wohnung“ heraus mit Heroin und Kokain gehandelt hatte. Seine Behauptung, die Ware gehöre ihm nicht, sei widerlegt. „Sie hatten das Ganze im Besitz, Sie haben damit gedealt.“ 

Haftstrafe für den Angeklagten 

Was für Dimensionen dieses Ganze hatte, machte eine Rechnung deutlich: 160 Gramm Heroin entsprechen gut 3400 Konsumeinheiten, knapp 20 Gramm Kokain gut 500 Konsumeinheiten. 

Die Richter folgten weitgehend dem Antrag der Staatsanwältin und verurteilten den 38-Jährigen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten. Die in der Wohnung sichergestellten 9750 Euro wurden eingezogen, und der Angeklagte kehrte vorerst in ein deutsches Gefängnis zurück.

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