Hanfplantage im Schrank

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Halver - Schon das Wort fordert eine deutsche Zunge mit zwei verschiedenen Rs heraus: Growschrank – eine Anlage zum Kultivieren von Pflanzen, die man in verschiedenen Ausführungen ab 64,90 Euro problemlos im Internet bestellen kann.

Einen solchen Schrank fanden Polizeibeamte am 23. Juni in einer Wohnung in Halver. Theoretisch kann man darin auch anderes Grünzeug als Hanfpflanzen großziehen, doch die Ordnungshüter stellten auch noch 25,4 Gramm Marihuanablätter in einer Druckverschlusstüte sicher. Ein Geruchstest reichte dem ermittelnden Kriminalhauptkommissar um festzustellen, worum es sich dabei handelte. In der ganzen Wohnung habe es sehr stark nach Marihuana gerochen, erinnerte er sich.

Aufzuchtmaterial und das „komplette Equipment“ mitsamt dem Growschrank wurden aus einer Wohnung abtransportiert, die nicht den Eindruck erweckte, dass dort wirklich jemand wohne. Ihr Mieter (34) war zum Zeitpunkt der Durchsuchung nicht zuhause, und seine nebenan wohnende Freundin und Mutter seiner Kinder habe die Wohnung nur unwillig geöffnet, erinnerte sich der Ermittler gestern an ein „wenig kooperatives“ Verhalten.

Weil nicht nur das Rauschgift, sondern auch ein verbotener Schlagring sichergestellt wurde, musste sich der 34-Jährige im Amtsgericht Lüdenscheid am 20. September wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Dafür gab es eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro. Warum nun getrennt über den Drogenbesitz verhandelt wurde, wurde im Amtsgericht gestern nicht so recht deutlich. Der Angeklagte machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Sein Rechtsanwalt sah aufgrund der bereits abgearbeiteten Anklage einen „Strafklageverbrauch“. Oder anders: Seiner Meinung nach hätte über die Sache nicht noch einmal verhandelt werden dürfen. Rauschgiftfund und Waffenfund hätten in einem engen Zusammenhang gestanden, argumentierte er.

Reichlich vorbestraft

Der Schwerpunkt hatte sich allerdings stark verschoben, und so gab es letztlich ein Urteil, das auch die Geschichte mit dem Schlagring miteinschloss. Strafschärfend wirkten die zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten vom Betäubungsmittelbesitz bis zur gefährlichen Körperverletzung. Richter Thomas Kabus verurteilte den 34-Jährigen wegen Marihuana-Besitzes zu 90 Tagessätzen zu je 15 Euro. Unter Einbeziehung der 60 Tagessätze aus der Geschichte mit dem Schlagring wurde daraus eine Gesamtstrafe von 120 Tagessätzen – insgesamt also 1800 Euro. Sowohl der Angeklagte als auch Oberamtsanwalt Lehmann nahmen das Urteil an.

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