Ermittlungsverfahren

Tätowierer missbraucht seinen Beruf und fasst 22-Jährige an

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Halver/Lüdenscheid - Ein 33-jähriger Mann aus Halver wird wegen sexueller Nötigung angeklagt und muss sich nun vor einem Gericht verantworten. 

Richter Thomas Kabus brachte das Problem Anfang der Woche auf den Punkt: „Es gibt Berufe, wo man Menschen nahe kommt, und in diesen Berufen ist man besonders zur Zurückhaltung verpflichtet.“ An ebendieser mangelte es einem 33-jährigen Tätowierer aus Halver massiv. 

Im Amtsgericht Lüdenscheid musste er sich wegen sexueller Nötigung einer zum Tatzeitpunkt 21-jährigen Kundin verantworten. In Form einer Erklärung, die Rechtsanwalt Heiko Kölz im Namen seines Mandanten vortrug, gab der Angeklagte den Übergriff zu. Laut Anklageschrift hatte er die junge Frau, der er in seinem Studio probeweise ein Tattoo-Muster auf den entblößten Oberschenkel appliziert hatte, zu einem Intimpiercing überreden wollen. Als sie das ablehnte, wurde er handgreiflich und fasste ihr schließlich in den Genitalbereich. Im Ermittlungsverfahren hatte er die Tat noch bestritten. 

Sein Geständnis verhinderte nun, dass der Prozess vorerst platzte: Jene Polizeibeamtin, die die 21-Jährige nach dem Vorfall als erste vernommen hatte, war kurzfristig verhindert. Ohne das Geständnis des Angeklagten wäre ihre Aussage unverzichtbar gewesen. Auch der jungen Frau blieb eine erneute Schilderung des Geschehenen erspart. 

Verteidiger: Mögliches Versehen als Ursache

In seinem Studio sei die Geschädigte „ihm hilflos ausgeliefert gewesen“, warf die Staatsanwältin dem Angeklagten in ihrem Plädoyer vor: „Sie haben das ausgenutzt und Ihre Bemühungen immer mehr gesteigert, obwohl die Zeugin Ihnen immer signalisiert hat, dass sie das nicht will.“ Der Verteidiger brachte ein mögliches Versehen als Ursache der ersten Berührung ins Spiel und sprach von einer „sehr kurzen Situation“. Aber auch er musste einräumen: „Die letzte Handlung war massiv.“ 

Nichtsdestotrotz sei eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als acht Monaten für seinen nicht vorbestraften Mandanten ausreichend. Die Anwältin der jungen Frau berichtete von den Folgen der Tat für ihre Mandantin, die immer noch an Panikattacken leide: „Sie fährt nicht mehr nach Halver, um dem Angeklagten nicht zu begegnen.“ 

Verurteilung vor dem Schöffengericht

Das Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid folgte letztlich dem Strafantrag der Staatsanwältin und verurteilte den angeklagten Halveraner zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Außerdem muss er ein Schmerzensgeld an das Opfer seines Übergriffs zahlen. In seinem Letzten Wort kündigte der 33-Jährige an, dass er das Urteil des Gerichts auf jeden Fall akzeptieren werde.

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