Betrug

Familienvater verkauft gefälschtes Deutschland-Trikot

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Halver/Lüdenscheid - Unglaublich viel Ärger handelte sich ein 32-jähriger Familienvater aus Halver mit dem Verkauf eines Deutschland-Trikots ein, das sich letztlich als billige Fälschung herausstellte.

Richterin Kristina Thies sah hinreichend Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte gewusst hatte, dass es sich bei dem Fußball-T-Shirt mit vier WM-Sternen um eine billige Fälschung gehandelt hatte und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro. 

Zusammen mit den Kosten für zwei Verhandlungstermine im Amtsgericht und erheblichen Anwaltskosten sah sich der 32-Jährige nach der Verhandlung mit Forderungen in Höhe von rund 2000 Euro konfrontiert. Dass er nach der Verhandlung ausgerechnet dem Käufer des gefälschten T-Shirts, der als Zeuge aus Hamburg angereist war, die Rückzahlung von 35 Euro verweigerte und ihn auf das Zivilrecht verwies, machte fast vergessen, dass der Betrug längst nicht so eindeutig bewiesen schien, wie es das Urteil nahe legte. 

Fabrikneues Weltmeister-Shirt

Es war im Juni 2016: Deutschland hatte gerade gegen Italien zum ersten Mal in einem großen Fußballturnier gewonnen und war ins Halbfinale der Europameisterschaft gegen Frankreich eingezogen. Der Angeklagte bot über das Internet ein fabrikneues Weltmeister-Shirt von Adidas an, weil es ihm zu klein gewesen sei. Er stellte Fotos ins Netz, von denen sich später herausstellte, dass sie nicht jenes Shirt zeigten, das er kurz darauf nach Hamburg zum Käufer schickte. Der sah die Fälschung sofort: „Der Stoff war sehr dünn, man konnte fast durchgucken, und das WM-Zeichen war nicht mittig.“ 

Auf einer Polizeidienststelle in Hamburg staunten die Beamten: „Wollen Sie das wirklich anzeigen?“ Der Zeuge zog weiter zu einem Adidas-Shop und ließ sich bestätigen, dass es sich eindeutig um eine Fälschung handelte. Anschließend versuchte er, die Angelegenheit mit dem Verkäufer auf dem kleinen Dienstweg zu regeln, um sein Geld zurückzubekommen. 

Mit Geld-zurück-Garantie

Der Halveraner beantwortete diese Anfrage nicht, was er mit den Verpflichtungen seiner großen Familie gegenüber begründete. Doch es machte sich gar nicht gut, dass er noch im Gerichtssaal auf den Hinweis, dass der Käufer sein Geld noch nicht zurückbekommen habe, pampig antwortete, er habe das Shirt schließlich nicht mit einer Geld-zurück-Garantie verkauft. 

Noch komplizierter wurde die ganze Geschichte, als der Schwager des Angeklagten berichtete, dass er das Shirt eingepackt und versandt habe. Spätestens jetzt stellte sich die Frage, ob der Halveraner wirklich gewusst hatte, was er da verkaufte. Prozessual wurde die Angelegenheit für den Angeklagten deshalb immer schwieriger, weil er – möglicherweise überzeugt davon, dass er niemanden bewusst hatte betrügen wollen – alle Angebote zu einer Einstellung des Verfahrens ausschlug. Im ersten Anlauf hätte er nur seinen Anwalt bezahlen müssen. Das war ihm zu teuer, und so stritt er weiter für einen Freispruch. 

Berufungsverfahren möglich 

In der zweiten Verhandlungsrunde gab es dann das Angebot einer Einstellung gegen eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro – auch das lehnte er ab. So nahm der Prozess für den Beschuldigten zunächst die schlimmstmögliche Wendung mit einer Verurteilung wegen Betrugs. 

Bei einmaligen Verkäufen einer Fälschung geht die Rechtsprechung nicht von einer Verletzung von Markenrechten aus – dieser Vorwurf wurde deshalb fallengelassen. Gut möglich, dass angesichts der Empörung des Angeklagten und zahlreicher Ungereimtheiten die Geschichte noch ins Landgericht wandert – dann wäre über ein skurriles Berufungsverfahren zu berichten.

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