Amtsgericht

28-Jähriger mit langer Drogen-Geschichte - Gericht gibt ihm Therapiechance

Drogen-Problem bringt 28-Jährigen vor Gericht.
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Drogen-Problem bringt 28-Jährigen vor Gericht.

Umfassend geständig war ein 28-jähriger Halveraner im Amtsgericht Lüdenscheid: „So wie das angeklagt worden ist, stimmt das auch“, erklärte er nach Verlesung der Anklage.

Halver/Lüdenscheid – Die Polizei hatte am 23. April 2020 in seiner Wohnung in Halver gut 57 Gramm Amphetamin gefunden – fast das Doppelte der „nicht-geringen Menge“. Das trieb das Strafmaß für den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln auf eine Mindeststrafe von einem Jahr. Mit einigen Ergänzungen, die Staatsanwalt Nils Warmbold einforderte, erzählte der Angeklagte eine glaubwürdige und traurige Geschichte: Seit seinem 15. Lebensjahr, also seit 13 Jahren, konsumiere er Cannabis-Produkte, später Amphetamin und gelegentlich auch Kokain. Ein erster großer Therapieversuch scheiterte.

Nach einer Therapie schnell wieder konsumiert

Nach der Rückkehr nach Halver sei er sofort in sein gewohntes und schädliches Umfeld zurückgekehrt und habe erneut konsumiert, erinnerte sich der Angeklagte. Das von der Polizei in seiner Wohnung aufgefundene Amphetamin sei der Rest aus einem Ankauf am Hagener Bahnhof gewesen. Dort habe er nach telefonischer Verabredung 90 Gramm der Droge von einem Dealer gekauft. Der angebliche Preis von 160 Euro war aus Sicht des Staatsanwalts viel zu niedrig. Der 28-Jährige erklärte den günstigen Tarif mit seiner Überredungskunst: Er habe zu wenig Geld dabei gehabt und den Verkäufer überredet, ihm diese Summe zu stunden. Ein gemeinsamer Bekannter, der den Deal eingefädelt hatte, sorgte offenbar für Vertrauen.

In den zwei Wochen zwischen Ankauf und Besuch der Polizei habe er das fehlende Drittel selber konsumiert. Die Möglichkeit, seine Drogen-Schulden durch einen Teilverkauf zu begleichen, sei ihm durch den Kopf gegangen, gab er zu: „Zu dem Zeitpunkt habe ich echt viel konsumiert und überlegt, ob ich etwas weiterverkaufe, um das zu bezahlen.“ Letztlich habe er aber nichts verkauft. Ehrlicherweise gab er zu, dass er immer noch gelegentlich Cannabis konsumiere. Das sprach eigentlich gegen eine Bewährungsstrafe.

Urteil als Druckmittel

Staatsanwalt und Schöffengericht waren sich aber letztlich einig, dass ein weiterer Therapieversuch unternommen werden solle. „Ich möchte aufhören damit“, beteuerte der Angeklagte und bat um eine weitere Therapiechance. Diese soll ihm gewährt werden. Als Druckmittel, dass er die sechs Monate in einer entsprechenden Einrichtung durchhält, dient dabei das Urteil: Das Schöffengericht ging letztlich von einem minderschweren Fall des Besitzes einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel aus und verurteilte den Halveraner zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Der Drogenentzug ist eine Bewährungsauflage. Sollte er die Therapie nicht durchstehen oder abbrechen, droht doch noch eine vollstreckbare Haftstrafe. Das Urteil ist rechtskräftig.

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