21-Jähriger aus Halver muss vier Jahre ins Gefängnis

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Halver - Zwei Jahre ohne Bewährung „obendrauf“ gab es im Amtsgericht Lüdenscheid für einen 21-jährigen Angeklagten aus Halver, der sich derzeit allerdings schon in der Justizvollzugsanstalt Iserlohn befindet.

Dort verbüßt er eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten wegen versuchten Raubes, Körperverletzung, Diebstahl und Betrug.

Kurz nach diesem Urteil am 27. April 2015 beging der junge Mann am 16. Juni einen erneuten Raub in einer Wohnung in Halver. Außerdem verstieß er gegen ein Kontaktverbot gegenüber seiner Freundin und verletzte sie durch Schläge ins Gesicht. „Das Urteil hat ihn überhaupt nicht beeindruckt“, stellte der Staatsanwalt fest.

Einen Faustschlag direkt aufs Auge kassierte ein 34-Jähriger vor seiner Wohnung in Halver, der ihn zu Boden streckte. Dort bekam er weitere Schläge vom Angeklagten, der sich anschließend in der Wohnung des Niedergestreckten bediente: Ein sogenanntes „Netbook“ nahm er mit, vermutlich auch 100 Euro und dazu die Tasche eines Besuchers, den er nicht verprügelt, aber doch erheblich eingeschüchtert hatte: „Willst du auch noch einen in die Fresse?“

Weil der „keinen Bock auf Stress hatte“ übergab er direkt sein Eigentum: Eine Tasche mit 80 Euro, Schlüsseln und Papieren. Das 34-jährige Hauptopfer blieb mit einem dicken Auge, einer geschwollenen Rippe und Krankenscheinen für drei Wochen zurück.

Der Besucher hatte bessere Zeiten mit dem Angeklagten in Erinnerung und wollte den Räuber nicht einmal anzeigen: Sie seien mal „gute Kollegen“ gewesen, und der Angeklagte habe sich später entschuldigt: „Ich rufe nicht sofort bei der Polizei an. Für mich selber war es okay in dem Moment.“

Denn nüchtern habe sich der 21-Jährige nie so benommen. Kein Wunder, dass Richter Thomas Kabus später staunend feststellte: „Der Zeuge hat schon fast eine freundschaftliche Aussage zu Gunsten des Angeklagten gemacht.“

Vier Tage nach dem Raub näherte sich der Angeklagte seiner Freundin, die kurz zuvor ein gerichtliches Näherungsverbot erwirkt hatte. „Er hat mir zwei heftige Backpfeifen gegeben“, sagte die 21-Jährige. Unter Tränen sprach sie im Gerichtsaal über einstige Gefühle und darüber, wie die „nicht so einfache Geschichte“ sie krank gemacht hatte. Nun wolle sie aber endgültig keinen Kontakt mehr zu ihrem Ex-Freund haben.

Ihre Schilderung machte deutlich, wie krank dieser gewesen war: Mit entzugsbedingtem Zittern und Schweißausbrüchen habe er nachts deutliche Symptome einer schweren Alkoholabhängigkeit gezeigt. „Er hat morgens schon angefangen mit dem Trinken.“

Für jemanden in einer solchen Lebenssituation kann ein Aufenthalt in der Haftanstalt zum letzten Halt vor dem Untergang werden. „Er war im Prinzip – wenn man so will – am Ende“, stellte Rechtsanwalt Gerrit Wolf in seinem Plädoyer fest und bat um ein mildes Urteil.

Doch die Frage des Strafmaßes hatte nicht die Bedeutung, die sie sonst hat, denn gerade durch seine Inhaftierung hat der Angeklagte eine letzte Chance. Die Dauer seiner Haftstrafen reicht nach dem erfolgreichen Entzug für eine Therapie, und voraussichtlich bekommt er sogar die Chance, im Gefängnis eine Ausbildung zu machen.

Vor Gericht gab es deshalb keine großen Meinungsverschiedenheiten über das Urteil: Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre und drei Monate, und das Schöffengericht verhängte schließlich eine Einheitsstrafe von zwei Jahren.

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