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Waldbilanz ist dramatisch: Freie Flächen statt Fichten

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Von: Florian Hesse

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Vor einem Vierteljahr noch mit Wald bestanden: Flächen bei Ostendorf an der Grenze zu Lüdenscheid. 
Vor einem Vierteljahr noch mit Wald bestanden: Flächen bei Ostendorf an der Grenze zu Lüdenscheid.  © Hesse, Florian

Für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes in Halver sind in früheren Jahren 10 000 bis 12 000 Festmeter Fichtenholz pro Jahr eingeschlagen worden. Etwas mehr wäre auch möglich gewesen. 15 000 Festmeter wachsen in etwa jährlich nach.

Doch was seit zwei Jahren in den Wäldern rund um die Stadt im Grünen passiert, hätten viele Menschen immer noch nicht ganz verstanden, vermutet Astrid Becker, die Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft, in der 345 Waldbesitzer zusammengeschlossen sind.

Vier Harvester gleichzeitig

Denn den früheren Zahlen kann sie die aktuellen aus 2021 und auch 2020 entgegensetzen. Jeweils rund 130 000 Festmeter sind abgeräumt worden. Zeitweise vier Harvester waren im letzten Jahr gleichzeitig unterwegs. Ein Vollernter alleine schafft unter guten Bedingungen 1000 Festmeter am Tag. Ein Festmeter entspricht dabei in etwa einer Fichte.

Und noch ein paar Zahlen: Seit Ende 2019 ist es das Zehnfache des üblichen und nachhaltigen Holzeinschlags, der für Sägewerke in der Region oder auf Containerlänge für den Export gefällt und abtransportiert wird.

Mit schwerem Gerät wird der Wald abgeräumt.
Mit schwerem Gerät wird der Wald abgeräumt. © Florian Hesse

Zum Vergleich: Der verheerende Sturm Kyrill, der am 18. und 19. Januar 2007 tobte, hatte die Waldwirtschaft in Halver um rund 50 000 Festmeter Sturmholz gebracht und ist mit seinen verheerenden Auswirkungen heute noch den meisten in Erinnerung. Doch der Holzeinschlag aufgrund des Befalls durch den Borkenkäfer machte in den beiden vergangenen Jahres mehr als das Fünffache der Kyrill-Zerstörungen aus.

Von 480 000 Festmetern Fichte noch im Jahr 2016 dürften vielleicht noch 100 000 Festmeter übrig geblieben sein. 2600 Hektar Waldfläche dürfte Halver ungefähr haben, davon etwa 40 Prozent Laubwald. Und die Fichte ist demnächst fast komplett weg.

Warten auf den Käferflug

„Ein paar grüne Inseln mit Fichten könnten übrig bleiben“, schätzt die FBG-Geschäftsführerin. Das sind die, die im Frühjahr und Sommer nicht in der Flugbahn der Käfer liegen. Bleibt es weiter nass im Boden, bleibt auch die Hoffnung, dass die Käfer im Boden verpilzen. Doch das hatte man auch 2021 gehofft, bis man dann doch mit Vollerntern, Motorsägen und Rückegerät in den Bestand musste.

Die ökologischen Folgen des Kahlschlags werden Jahrzehnte spürbar sein.
Die ökologischen Folgen des Kahlschlags werden Jahrzehnte spürbar sein. © Florian Hesse

Was es für ökologische Konsequenzen haben wird, wenn jetzt die Bäume für die nächsten 20 bis 30 Jahre gefällt worden sind, sei nicht abzusehen, sagt Astrid Becker. Es werde ebenso lange dauern, bis sich die Natur regeneriert hat durch Naturverjüngung und Nachpflanzungen. Eigentlich müsste eine Fläche von mehr als 1000 Hektar neu bewaldet werden, doch das sei kurzfristig gar nicht zu leisten, sagt sie mit Blick auf nicht vorhandenes Saatgut. Wer im Sommer im Wald Schatten suche, werde enttäuscht sein angesichts der Karstflächen, die dann schutzlos in der Sonne liegen.

Holzpreise leicht erholt

Ein winziger Lichtblick für die Waldbesitzer ist, dass sich die Holzpreise erholt haben. Die Forstbetriebsgemeinschaft ist als Solidargemeinschaft organisiert. Die Waldbesitzer erhalten einheitliche Preise. 55 Euro pro Festmeter nennt Astrid Becker für einen Festmeter Fichtenholz besserer Qualität. Die Unternehmerkosten sind da schon herausgerechnet. Als die Preise zum Beginn der Kalamität in den Keller fielen, gab es kaum mehr als 20 Euro.

20 000 Festmeter habe ich noch auf dem Schreibtisch.“

Astrid Becker, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Halver

Organisiert wird der Einschlag in Halver von Förster Ulrich Ackfeld und der Forstbetriebsgemeinschaft, die den Eigentümern die organisatorische Arbeit abnehmen. Man stelle die Schäden fest und gehe proaktiv auf die Besitzer zu, besorge die Unternehmer und rechne ab. „20 000 Festmeter habe ich noch auf dem Schreibtisch“, sagt Astrid Becker über ihren Job, der auch darin besteht, die Gutschriften an den Mann und an die Frau zu bringen, wenn der Halveraner Wald in Container verpackt und auf dem Weg nach China ist...

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