Corona im MK

20 Stopps, 2000. Impfung: Ein Tag im Bus auf dem Wochenmarkt

Beim Pieks abgelenkt: Friedemann Enders stellt dem 16-jährigen Maurice Kegelmann eine Matheaufgabe, die er gekonnt löst, während die Mutter aufgeregt wartet.
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Beim Pieks abgelenkt: Friedemann Enders stellt dem 16-jährigen Maurice Kegelmann eine Matheaufgabe, die er gekonnt löst, während die Mutter aufgeregt wartet.

Ein weiteres Mal machte der Impfbus des Märkischen Kreises auf dem Wochenmarkt Halt. Gleich gegenüber des Kartoffelstandes von Lothar Klinke gab es Biontech oder Johnson & Johnson für jeden ab zwölf Jahren. Und genau diese Tatsache scheint das Erfolgsgeheimnis des rollenden Impfzentrums zu sein. Man kommt zum Bus, sagt: „Einmal impfen, bitte“, und los geht´s.

Halver – „Es ist ein niederschwelliges Angebot“, sagt Friedemann Enders, eigentlich Hautarzt in Werdohl, während Corona aber einer der Mediziner, die helfen, die Bevölkerung zu impfen. Es ist sein zwölftes Mal im Impfbus von insgesamt 20 Stationen, die der Bus, zur Verfügung gestellt von der MVG, bereits gemacht hat. Und ein weiteres Jubiläum durfte das Team feiern: den 2000. Impfling.

Das Angebot funktioniert. Manche kommen ganz gezielt zum Impfen nach Halver aus Radevormwald, Lüdenscheid und Kierspe. Andere waren gerade ohnehin einkaufen und nehmen sich die zweite oder die erste Dosis mit. Als praktisch und entspannt empfinden es die Impfwilligen. Lange Schlangen lösen sich schnell auf, Ansprechpartner sind vor Ort und die Organisation macht den Ablauf unkompliziert.

Das Team im Impfbus ist mit Spaß bi der Arbeit.

Gut aufgehoben fühlen sich einige Flüchtlinge, die hier viel besser zurecht kommen, wie sie erklären. Drei Männer aus Syrien sind daher sehr dankbar für das Angebot auf dem Markt sowie für die Möglichkeit, sich in Deutschland impfen zu lassen. In Syrien hätten sie keine Chance dazu gehabt, erzählen sie und schütteln mit dem Kopf. Sie sind erleichtert, nun geschützt zu sein.

Wie der Organisator Bernd Benscheidt sagt, kommen viele Flüchtlinge vorbei. Er freut sich, sie so zu erreichen. Auch Friedemann Enders erklärt, dass für viele Menschen generell das Impfzentrum als offizielle Institution ein Hemmnis sei. Der Bus hingegen sei das genaue Gegenteil. Nicht umsonst lasse man hier die Türen offen, sodass jeder reinschauen kann. Im hinteren Teil des Busses sitzt Mina Garofalo und bereitet die Impfstoffe vor, die wie am Fließband einem nach dem anderen ohne Pausen verabreicht werden. Das Team, bestehend aus sechs Personen, ist mit Spaß bei der Sache. „Die Plätze für den Bus bekomme ich immer vergeben“, sagt Benscheidt und lacht. „Jeder will in den Bus.“ Die Gründe sind ähnlich: Die lockere Stimmung und weil man so viel mitbekommt, sagt die 41-jährige Krankenschwester. „Man ist so nah dran.“ Vorhänge und Kabinen gibt es hier nicht. „Hier sieht jeder, dass wir auch nur ganz normale Menschen sind“, sagt Enders und lacht.

Auch zum Impfen auf den Markt gekommen ist Maurice Kegelmann. Der 16-Jährige ist Schülersprecher der Humboldtschule und holt sich am Freitag seine erste Impfung mit Biontech. Gründe fürs Impfen hat er einige, ganz vorne aber steht: „Ich will damit auch meine Mitmenschen schützen. Ganz explizit meine Oma.“ So manch ein Schulkollege rät ihm dazu, noch etwas zu warten. Der 16-Jährige findet, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, und schließt sich damit der Mehrheit seiner Freunde und Mitschüler an, wie er sagt. Abgesehen davon, möchte er weiter ins Fitnessstudio gehen – und bevor er sich immer testen lässt, nimmt er lieber die Impfung.

„Hier und jetzt“: Zum Motto des Impfbusses des Kreises bilden sich lange Schlangen auf dem Wochenmarkt. Insgesamt 121 Personen wurden am Freitag geimpft.

Erleichtert und überrascht, wie schnell und unkompliziert alles ging, waren auch die 75-jährige Christel Riedel und ihre 54-jährige Tochter Stephanie Menges. Ihre Mutter sitzt im Rollstuhl und hat aufgrund eines Krankenhausaufenthalts den zweiten Termin ihrer Biontech-Impfung nicht wahrnehmen können. Ein Glück für sie, dank des Busses nicht lange auf einen neuen Termin warten zu müssen. Für den Piks kam Friedemann Enders kurz raus aus dem Bus und gestaltete den Vorgang damit komplett barrierefrei.

Zu zweit, doch eigentlich zu dritt, kamen Manuel Gutwirth und Tatjana Schulte zum Impfbus. Getreu dem Motto, das auf dem Bus steht, „hier und jetzt“ lässt sich der 29-Jährige impfen. Seine Partnerin aber muss noch warten. Sie ist schwanger und erwartet im April ihr drittes Kind. Erst nach der Stillzeit wird auch sie eine Impfung bekommen, sagt sie. „So lange muss er alles machen“, sagt sie und lacht. An erster Stelle aber stand neben dem Schutz vor Corona die Teilhabe an den Terminen im Krankenhaus, die noch bevorstehen – nicht zuletzt die Geburt. Der werdende Vater will nichts verpassen und zugleich solidarisch sein. Mit dem Vakzin von Johnson & Johnson ist er am Freitag mit einer Dosis fertig.

Insgesamt wurden am Freitag 121 Personen in Halver geimpft. 60 mit Biontech, 61 mit Johnson & Johnson. Bernd Benscheidt weist darauf hin, dass das Impfzentrum noch immer montags bis freitags von 14 bis 19 Uhr ohne Anmeldung impft. Ob es einen weiteren Stop in Halver gibt, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber das Team hofft es, um noch mehr Menschen zu erreichen, denen aus verschiedenen Gründen andere Möglichkeiten schwer fallen.

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