Halveraner zieht Berufung zurück: „Kein 08/15-Widerstand“

HALVER - Der Auslöser des Streits war trivial, doch der letztlich angerichtete Schaden immens: In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2012 kehrte ein 20-Jähriger aus Halver von einer privaten Feier nach Hause zurück.

Viel Alkohol aus dem Konsum von Whiskey und Wodka beschwerte seine Füße, doch der junge Mann hatte einen Begleiter, der ihn unterstützte. 150 Meter vor seinem Ziel wollte der 20-Jährige jedoch allein weitergehen, was der Begleiter ablehnte. Es kam zum Streit und schließlich zu Hilferufen des Begleiters, den zwei Zeugen hörten. Sie verständigten die Polizei und gingen selber hinaus auf die Straße, um dem jungen Mann nach Hause zu helfen. Das wollte er nicht.

Zwei herbeigeeilte Polizeibeamte vervollständigten die Eskorte, beruhigten den 20-Jährigen und begleiteten den Zug im Auto. Als der 20-Jährige jedoch weiterhin randalierte, fixierten die Beamten ihn am Boden und es kam zu einer Rangelei. Der Angeklagte bekam dabei den Arm eines der Beamten zu fassen, hielt ihn am Boden fest und warf sich mit seinem ganzen Körpergewicht darauf. Die Folge: Der Polizist erlitt einen doppelten Unterarmbruch und war sechs Monate lang dienstunfähig. Auch danach war er zunächst nur eingeschränkt dienstfähig.

Im Amtsgericht Lüdenscheid hatte der 20-Jährige am 3. Januar Glück: Der junge Mann, der angab, sich an nichts erinnern zu können, wurde noch nach Jugendstrafrecht abgeurteilt und schuldig gesprochen. Statt einer Jugendstrafe bekam der junge Mann eine Rechnung: 1000 Euro sollte er als Wiedergutmachung an das Opfer des Übergriffs zahlen – nur ein Bruchteil der zivilrechtlichen Ansprüche des Verletzten.

Warum der Angeklagte nach diesem Ergebnis in Berufung ging, war gestern im Landgericht nicht allen Prozessbeteiligten klar: Anwalt Dominik Petereit deutete das Ziel an: Im Gegenzug für eine Einstellung des Verfahrens sei sein Mandant sogar bereit, 1500 Euro Schmerzensgeld an den verletzten Beamten zu zahlen. Dagegen stemmte sich jedoch die Staatsanwältin: „Das war kein 08/15-Widerstand. Es gab erhebliche Verletzungen, und der Beamte war sechs Monate dienstunfähig.“

Dieser Einschätzung schloss sich auch die Berufungskammer des Landgerichts an, und der 20-Jährige zog seine Berufung schließlich zurück. - thk

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