Trockenheit

17.000 Weihnachtsbäume tot: Züchter geht neue Wege 

Bio-Weihnachtsbaumerzeuger Volker Grüber aus Halver steht auf seinem Feld und hält eine vertrocknete Nordmanntanne in den Händen
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Kein Weihnachtsfest mit diesem Baum: Volker Grüber züchtet Bio-Weihnachtsbäume. 25 000 Stück hat er 2018 und 2019 gepflanzt. Zwei Drittel sehen aus wie das Exemplar, das er in seinen Händen hält. Sie sind tot – die Trockenheit haben sie nicht überstanden. Jetzt versucht er etwas Neues.

Fichten werden überall abgeholzt, aber wie geht es den Tannenbäumen, die für Weihnachten gezüchtet werden? Volker Grüber hat auf 18 Hektar Bio-Nordmanntannen & Co. in Halver. Borkenkäfer sind nicht sein Problem, aber die Trockenheit. Das dritte Jahr in Folge kämpft er ums Überleben seiner Bäume. Jetzt startet er ein Projekt mit der Landwirtschaftkammer.

Halver - „Keinen hat es so schlimm erwischt wie mich.“ Das sagt Volker Grüber, der Bio-Weihnachtsbäume in Halver anbaut. Keine Chemie, kein Stickstoff. Dafür Mähen von Hand und in den vergangenen Jahren vor allem eines: hoffen. Hoffen auf Regen. Der Borkenkäfer ist auf seinen rund 18 Hektar voller Weihnachtsbäume kein Thema. Aber die Trockenheit. 2018 und 2019 hat Grüber insgesamt 25 000 neue Bäume gesetzt. Zwei Drittel davon sind tot. Zwei bis drei Prozent Verlust hatte Grüber immer, aber schon bei drei Prozent wurde er unruhig. Jetzt sind es rund 85 Prozent. „Die Natur hat die Schnauze voll“, sagt der 65-Jährige. Hätte man ihm vor drei Jahren gesagt, das Sauerland bekommt ein Trockenheitsproblem, hätte er gelacht. „Corona wird wieder verschwinden“, sagt Grüber, „aber diese Naturerscheinung werden wir nicht wieder los.“

Die älteren Bäume halten sich hingegen gut, aber auch ihnen sieht man den Stress an der Farbe der Tannennadeln an. Immerhin sie sind noch grün, im Gegensatz zu den rund 30 Zentimeter kleinen Setzlingen. Auf einem Feld in Halverscheid macht nicht nur die Höhenlage, sondern auch der Ostwind den Bäumen zu schaffen. Höher als 30 Zentimeter sind die Bäume hier nicht, obwohl sie bereits 2017 gesetzt wurden. Aber es handelt sich auch nicht mehr um die Originale. An manch einem Standort hat Volker Grüber den vierten Baum gepflanzt, weil die Vorgänger jedes Jahr vertrockneten.

Ein neuer Versuch: Ein Feld in Halverscheid wird zum Teil mit Bio-, zum Teil mit konventionellen Nordmanntannen bepflanzt.

Anfang dieser Woche begann er ein ganz neues Projekt. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer hat er ein Feld bepflanzt. Zum Teil mit Nordmanntannen aus einer konventionellen Baumschule, zum Teil mit Bäumen aus einer Bio-Zucht. Sie wachsen jetzt nebeneinander, um zu schauen, ob es Unterschiede gibt. Das will Volker Grüber wissen, das will aber auch die Kammer wissen. Herbizide seien auch in der Kammer ein Thema und es werde nach Lösungen gesucht. Die Samen stammen alle aus der eigenen Zapfenernte. Und das ist außergewöhnlich, sagt Grüber. Vor fast genau vier Jahren erntete er die ersten Zapfen von Bäumen einer Plantage, die er 1988 gepflanzt hatte. Weil die Bäume so einen schönen Wuchs hatten, ließ er 200 der 16 000 Nordmanntannen stehen. Erst nach rund 30 Jahren trugen sie ihre ersten Zapfen – 2016. Und jetzt stehen die vier Jahre alten Nachkommen auf dem Feld.

Der Weihnachtsbaumerzeuger setzt viel Hoffnung in diesen Versuch. Sollte es nicht klappen und auch hier der Großteil vertrocknen, hört er auf. Ansonsten aber will er weitermachen, das ist der Plan. Das Geschäft sei lukrativ und es macht ihm Spaß, auch noch mit 65 Jahren. Seit 28 Jahren setzt er alles auf Weihnachtsbäume. Aber jetzt sagt er klar: „Hier geht es um meine Existenz, ums Überleben.“ Obwohl auch konventionelle Bäume nach drei Jahren als Bio-Bäume gelten, darf Grüber sie nicht pflanzen. Jetzt ist das im Rahmen des Versuchs erlaubt.

Gemeinsamer Versuch mit der Landwirtschaftskammer: Bio gegen Koventionell

2014 war das noch anders. Auf einem benachbarten Feld sieht man die Unterschiede deutlich. Die sechs Jahre alten Bäume zeigen einen rund einen Meter großen Unterschied – obwohl sie nur in den ersten vier Jahren Dünger in der Baumschule bekommen haben. Im vergangenen Jahr hat Grüber bereits alle Bäume gefällt, die man verkaufen konnte. Aus Sicherheit; für den Fall, dass die Bäume den nächsten Sommer nicht überstehen. In sechs bis acht Jahren wird es eine Lücke geben an Bäumen, die zwischen 1,50 und 2 Meter hoch sind. Seine Kollegen haben dieselben Probleme wie er, wenn auch nicht so gravierend.

Alles per Hand: Die Tannen auf dem neuen Feld werden von drei Mitarbeitern eingepflanzt.

Für den Verkauf der Weihnachtsbäume auf seinem Hof stellt er bereits jetzt die ersten Überlegungen an und hat dazu auch Kontakt zu seinem Halveraner Kollegen Heiko Tacke und dem Ordnungsamt aufgenommen. „Wir werden ein Konzept brauchen“, sagt er. Genau planen kann man aber erst, wenn es so weit ist. Er hofft nur, dass ihm der Stand vor einem Möbelhaus nicht wegfällt, falls dieses Corona-bedingt schließen muss. Eines ist aber klar: Weihnachten fällt nicht aus. Und noch gibt es genügend Bäume in jeder Größer. Aber es muss sich etwas tun.

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