Coronavirus

15 Kilometer Freiheit: Ein Wipperfürther berichtet 

Der 15 Kiilometer Radius um Halver wenn Inzidenz über 200 steigt
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Wohin dürften Halveraner fahren, wenn der MK ein „Hotspot“ wäre? Die über die Web-Adresse erreichbare Seite bewegungsradius.web.app zeigt´s an. Nachrodt-Wiblingwerde wäre erlaubt, Olpe ist aus dem Rennen.

Im Nachbarkreis, dem Oberbergischen Kreis, gilt aufgrund einer Inzidenz von mehr als 200 die Bewegungseinschränkung auf 15 Kilometer. Was bedeutet das? Wir haben mit einem Wipperfürther gesprochen, der jeden Tag in den Märkischen Kreis muss.

Halver/ Wipperfürth - Ganz rund ist der Kreis nicht, der anzeigt, in welche Städte man noch fahren darf, wenn die Inzidenz den Wert von 200 übersteigt. So wie vielen das Vorgehen auch noch nicht ganz klar ist. Im Märkischen Kreis ist man mit den Infektionen binnen sieben Tagen mit momentan 146, 5 (Stand Freitagmorgen, 15. Januar) pro 100 000 Einwohner noch entfernt von der Einschränkung des Bewegungsraumes. Der Nachbarkreis des Märkischen Kreises, der Oberbergische Kreis, an den Halver direkt grenzt, hat den Wert bereits überschritten.

Davon betroffen ist Timo Blumberg. Der 40-Jährige wohnt in Wipperfürth und war völlig überrascht von der plötzlich so hohen Inzidenz in seinem Kreis, wie er im Gespräch sagt. Vor einer Woche lag der Wert im Oberbergischen noch bei rund 140 und stieg dann in wenigen Tagen so stark, dass er am Sonntag 292,2 betrug. Am Montag sank der Wert zwar wieder und seitdem stetig, aber noch immer hat der Wert die 200-Marke nicht unterschritten. Seit Dienstag gelten im Nachbarkreis nun besondere Regeln.

Arbeit in Halver

Timo Blumberg arbeitet in Halver bei Klühspies Reisen. Wipperfürth ist zwar im Oberbergischen Kreis, Halver liegt jedoch noch im 15-Kilometer-Radius der Nachbarkommune. Und selbst wenn es nicht so wäre, dürfte er nach Halver kommen, um seinem Beruf nachzugehen. Wenn er ehrlich ist, sagt er, ändert diese neue Regel nichts für ihn. Nach Lüdenscheid darf er zwar nicht mehr, „aber was soll ich da auch – Geschäfte und Restaurants haben eh geschlossen.“ Für andere triftige Gründe, wie Arztbesuche oder ehrenamtliche Tätigkeiten, dürfte er aber den Radius um seine Heimat noch vergrößern.

Für den Wipperfürther ist diese Regelung teilweise missverständlich. Innerhalb seines Kreises darf er sich auch unabhängig der Entfernung bewegen. Gummersbach beispielsweise wäre eigentlich mehr als 20 Kilometer entfernt, weil es aber im selben Kreisgebiet liegt, darf er dort hin. Auch nahe Verwandte dürfte er besuchen, selbst wenn sie weiter weg wohnen. Sinnvoll findet Timo Blumberg die Strategie für den Tagestourismus. Dieser wird durch die Kilometerregelung unterbunden. Denn, was vielen nicht bewusst ist: In einen Kreis oder eine kreisfreie Stadt mit einer Inzidenz von mehr als 200 darf auch keiner rein – zumindest nicht ohne triftigen Grund. Rodeln beispielsweise fällt damit für viele flach. Auch der Kreis Recklinghausen hat die Inzidenzmarke überschritten. Touristen aus dem Ruhrgebiet dürfen nicht mehr bis ins Sauerland. Halveraner aber auch nicht nach Gummerbach oder Wermelskirchen ohne besonderen Anlass.

Nächtliche Ausgangssperre - na und?

Auch die nächtliche Ausgangssperre in der Zeit von 22 bis 5 Uhr ändert nichts am Leben von Blumberg. Um diese Zeit seien eh die wenigsten draußen. Viel mehr schränkt ihn die Regelung ein, dass sich zwei Personen aus einem Haushalt nur noch mit einer Person aus einem weiteren Haushalt treffen dürfen – sowohl im privaten, als auch im öffentlichen Raum. Spaziergänge mit befreundeten Paaren sind damit ausgeschlossen. Diese Regelung gilt im Märkischen Kreis nur im öffentlichen Raum. Im privaten Raum ist es eher ein Appell als eine klare Verordnung.

Timo Blumberg jedoch stellt das nicht infrage. „Ich will das alles nicht entscheiden müssen.“ Ja, die Einschränkungen summierten sich. „Aber das ist halt so.“ Wenn es nötig ist und hilft, das Virus einzudämmen, sei das in Ordnung. Blumberg war im September selbst an Covid-19 erkrankt. Neben Schmerzen in der Brust, die ihm in Erinnerung geblieben sind, hatte er grippeähnliche Symptome. Es dauerte drei Monate, bis er keine Nachwirkungen mehr der Erkrankung spürte. Blumberg ist Sportler, spielt Handball bei den SGSH Dragons. Drei Monate litt er trotzdem unter Kurzatmigkeit. Er hat Respekt vor dem Virus.

Halvers Bürgermeister Michael Brosch sieht an der 15-Kilometer-Grenze wenig Probleme. Die vielen Ausnahmen, die man trotz der Entfernung machen darf, würden bestätigen, dass das Leben nicht so stark eingeschränkt sei wie vermutet. Er erinnert jedoch daran, dass Halveraner nun auch den Oberbergischen Kreis ohne triftigen Grund nicht ansteuern sollten – auch wenn der Märkische Kreis den Inzidenzwert von 200 nicht überschritten hat. Das Ordnungsamt wiederum werde vor allem Autos aus den kreisfreien Städten kontrollieren. Alle GM-Kennzeichen werde man ohne besonderen Anlass nicht überprüfen. Immerhin dürfen sich Personen aus Wipperfürth, Radevormwald und Marienheide ja in Halver aufhalten. Dafür gebe es zu viele offensichtliche Fälle, um die sich das Ordnungsamt kümmern muss. „Wenn man den Geist der Corona-Schutzverordnung verstanden hat, dann reduziert man ohnehin Kontakte.“

Das sagt Halvers Bürgermeister

Von einer „Corona-Leine“, wie manche die Regelungen nennen, könne keine Rede sein. Brosch hofft und geht auch davon aus, dass die Inzidenz im Kreis nicht den Wert von 200 übersteigt. Die derzeit hohen Werte bringt er in Verbindung mit den Lockerungen während der Feiertage.

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