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1111. Trauung: Standesbeamter im MK macht jeden Spaß mit

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Von: Sarah Lorencic

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Lutz Eicker ist seit 30 Jahren Standesbeamter und feiert ein Jubilläum: 1111 Eheschließungen.
Lutz Eicker ist seit 30 Jahren Standesbeamter und feiert ein Jubilläum: 1111 Eheschließungen. © Salzmann, Jakob

Zwischen Liebe und Paragrafen steht Lutz Eicker. Der Ordnungsamtsmitarbeiter der Stadt Halver ist seit 30 Jahren auch Standesbeamter und erklärt Paare aus Halver und weiter Ferne ganz offiziell zu rechtmäßig angetrauten Eheleuten. Am Samstag hatte er ein besonderes Jubiläum: seine 1111. Eheschließung. Ein Grund, mit ihm über sein Amt zu sprechen.

Halver – Vier Eheschließungen hatte der 64-Jährige am vergangenen Samstag an der Heesfelder Mühle. Die dritte, die um 12 Uhr stattfand, machte das Jubiläum komplett. Und im Grunde steht die Trauung für das, was Lutz Eicker von Beginn an wichtig war: den Gang zum Standesamt einzigartig und wunderschön machen. Denn seine Jubiläums-Trauung war persönlich, besonders und erinnerungswürdig. Das Brautpaar Manuela Nowak und Volker Reinbold entschieden sich für eine Mittelalterhochzeit und zelebrierten ihren Tag mit passender Kleidung. Darauf hat sich Lutz Eicker schon in der Woche zuvor, als wir ihn trafen, gefreut und erzählte von einem Brautpaar in Schottenröcken oder – was ihm ganz besonders gefiel – eine Biker-Hochzeit, zu der auch er passend Leder-Klamotten anzog und sein Motorrad mitbrachte.

Heute heiraten nicht mehr alle „nochmal richtig“, wie es so oft heißt. Für viele Paare ist der Gang zum Standesamt der einzige – ohne dass es eine kirchliche oder freie Trauung im Anschluss gibt. Vor allem für diese Paare, aber auch für alle anderen will Lutz Eicker den bürokratischen Teil besonders machen. Und dafür ist er „für jeden Spaß zu haben“, wie er selbst sagt. Das ist auch sein Ruf. Von besonders schönen Trauungen sprechen die Paare. Von der lockeren und doch emotionalen Art von Lutz Eicker. „Ja, auf die Tränendrüse drücken kann ich“, sagt Lutz Eicker und lacht. Immer dann, wenn er nicht „Ordnungsamt“ auf der Jacke stehen hat, sondern einen feinen Anzug trägt.

Das 1111. Brautpaar von Lutz Eicker. An der Heesfelder Mühle gaben sich Manuela Nowak und Volker Reinbold das Ja-Wort.
Das 1111. Brautpaar von Lutz Eicker. An der Heesfelder Mühle gaben sich Manuela Nowak und Volker Reinbold das Ja-Wort. © Salzmann, Jakob

Emotional wird es auch für ihn selbst ab und zu. Beispielsweise als er eine Freundin der Braut per Tablet ins Trauzimmer zuschaltete, weil sie in Australien lebt, erinnert sich Eicker. Kurz nach der vermeintlichen Live-Schalte stand die Freundin dann auch im Trauzimmer. „Das sind Momente, die man nicht vergisst“, sagt Lutz Eicker. In Zeiten von Corona, als große Feiern und selbst Gäste im Trauzimmer nicht erlaubt waren, wurden die rund 20 Minuten derer, die sich trotzdem das Ja-Wort geben wollten, noch wichtiger. Was die Paare auch wollten: „Ich bin immer dabei.“

Man muss an einer Ehe, einer Liebe, arbeiten.

Lutz Eicker

Trotzdem war es keine schöne Zeit, sagt Lutz Eicker und spricht auch als Ordnungsamtsmitarbeiter. „Ich bin nicht gerne böse“, sagt er zu seiner alltäglichen Funktion in der Stadt, die er seit 1991 inne hat. Gerade während Corona fiel es ihm nicht leicht, die Maßnahmen durchzusetzen. Die Funktion als Standesbeamter war schon immer ein schöner Ausgleich und war es in dieser Zeit noch mehr.

Es ist gar ein Kontrastprogramm. Er sorgt nicht für Sicherheit und Ordnung, sondern begleitet Paare an einem ihrer wichtigsten Tage im Leben. Die Paare lernt der Halveraner auf andere Weise kennen und hört ihre Geschichten, die ihn nicht selten berühren. Eine der schönsten Eheschließungen war eine zwischen zwei Frauen. „Es kribbelt jetzt noch“, sagt er. Warum war es so besonders? „Die haben sich so geliebt.“ Ja, bei so manchen Eheversprechen muss sich Lutz Eicker Tränen wegdrücken, wie er sagt.

Liebe hat für den Halveraner keine Grenzen. In den 30 Jahren als Standesbeamter sieht er den Zuwachs an gleichgeschlechtlichen Ehen und findet das gut. „Schlimm“ fand er die Regelung, dass gleichgeschlechtliche Paare bis 2017 nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft führten, aber keine Ehe im eigentlichen Sinne. Das ist mittlerweile anders, was Lutz Eicker sehr begrüßt. Er freut sich über jedes Paar, was noch einmal zu ihm kommt, auch wenn die Lebenspartnerschaften automatisch in Ehen umgewandelt worden sind.

Liebe hat keine Altergrenze: 40 Jahre lagen zwischen zwei Liebenden

Grenzen hat Liebe für ihn auch nicht mit Blick aufs Alter. Der größte Altersunterschied eines Paares, das er traute, betrug 40 Jahre. Über sich selbst will er lieber nicht reden. Dass er drei Kinder und drei Enkel hat, ist aber kein Geheimnis, denn sie sind sein Leben. Dass Ehen zerbrechen, Beziehungen enden, das sei alles normal und ist ihm auch passiert. Trotzdem wünscht er jedem Paar, auch mit Blick auf eine mehr als 30 Prozent hohe Scheidungsrate, dass sie es schaffen. Als Rat – zum Teil auch aus Erfahrung – gibt er ihnen mit, zu reden. Immer und über alles. Über große und über kleine Themen. Jeder streitet irgendwann, sagt Lutz Eicker. Und auch die anfängliche Verliebtheit wird einmal zum Alltag. Für diese Zeit wünscht er jedem Paar, nicht immer das letzte Wort haben zu wollen, sondern vielleicht mal das erste – und zwar das, das zur Versöhnung führt.

In einer Kleinstadt wie Halver kommt es auch oft vor, dass Lutz Eicker Freunde traut. Das sind dann besondere Momente, die ihm zudem eine Ehre sind. Seine eigene Tochter durfte er zwar nicht trauen, aber zumindest die Traurede halten. Dafür hat er schon Kinder von Paaren getraut, die er einst zu Mann und Frau machte.

Standesamt muss sein

So viel zum Thema Liebe. Und die Paragrafen? Die sind nun einmal wichtig, der Gang zum Standesamt eine wichtige Pflicht, wie Lutz Eicker findet. „Es kann nicht jeder tun und lassen, was er will.“ Rechte und Pflichten bilden einen sicheren Rahmen. Gerade dann, wenn vielleicht nicht immer nur Liebe im Spiel ist.

Die kürzeste Ehe, die Lutz Eicker schloss, war nach 17 Tagen wieder vorbei. Aber dafür gab es schon häufiger Paare, die sich haben scheiden lassen und nach einigen Jahren dann doch noch mal zueinander Ja sagten. Das sind besonders schöne Ausnahmen. Etwas anders sind die, wo einer aus der geschiedenen Ehe wieder jemand neues heiratet. Auch das kommt vor. Die großen Reden spart sich Lutz Eicker in solchen Fällen aber. Und erinnert nur daran: „Man muss an einer Ehe, einer Liebe, arbeiten.“

Noch einige Male wird Eicker Paaren, die von ihm getraut werden, das raten. Im Sommer 2024 aber ist Schluss. Dann geht er in Rente und kann auf 50 Jahre bei der Stadt Halver zurückblicken. Ein Jubiläum mehr.

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