100.000 Festmeter Holz aus Halvers Wäldern abgefahren

Kaputte Wege, aber hohe Akzeptanz

Bei Nässe halten die Waldwege das Gewicht der Arbeitsgeräte nicht aus. Sie werden zunächst nur provisorisch wiederhergestellt.
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Bei Nässe halten die Waldwege das Gewicht der Arbeitsgeräte nicht aus. Sie werden zunächst nur provisorisch wiederhergestellt.

Auf dem Küchentisch von Förster Ulrich Ackfeld liegen zwei Telefone. Während des AA-Gesprächs führt er etwa zehn Telefonate. Diese Frequenz bleibt in etwa den ganzen Tag so.

Halver - Ähnlich ist das ein paar Häuser weiter. Auch Astrid Becker, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Halver, koordiniert aus ihrem kleinen Büro in Heesfeld, was gerade abgeht im Wald rund um die Stadt.

Trotz Stress: „Wir spüren große Dankbarkeit und merken eine riesige Akzeptanz“, sagt Ackfeld über die Halveraner. „Es scheint angekommen zu sein, was im Wald gerade passiert.“

Koordination und Kommunikation

Denn konkret geht es nicht erst seit Jahresanfang darum, so viel Borkenkäfer-Holz wie möglich aus dem Wald zu schaffen. Auch mit ununterbrochener Koordination und Kommunikation kommt es zu Kollateralschäden. Beispiel: Fünf Telefonate drehen sich allein um die Schotterlieferung an die Landesstraße Richtung Wipperfürth. Dort laden die Containerzüge auf Feldwegen und fahren den Schlamm auch auf die Straße. Den Schotter einfach in den Matsch zu kippen hilft nicht. Die Wege müssen vorher geschoben werden. Welches Material und welche Maschinen wann und wo benötigt werden, muss vorher abgesprochen werden.

Große Flächen Fichtenwald sind in den letzten Monaten rund um Halver verschwunden.

Nicht nur die eigenen Baustellen müssen durchgeplant sein, nennt Ackfeld ein anderes Problem. Wie bekommt man das Holz im Bereich Schmidtsiepen rechts und links der Heerstraße abgeräumt, wenn die Vollsperrung der Landesstraße Richtung Oberbrügge verlegt wird? An anderer Stelle, bei Schöneberge, musste der schwere Holzernter die Straße queren. Das habe auch gerade noch geklappt, weil man den Fertiger der dortigen Baumaßnahme kurz hatte aufhalten können. Fünf Minuten später hätte sonst die frische Asphaltdecke gelegen.

Verständnis bei Bürgern

Bei all diesen großen und kleinen Problemen stoße man aber auf Verständnis beim Bauhof und beim Ordnungsamt, bei betroffenen Grundstückseigentümern und auch bei Bürgern, die im Wald Erholung suchen und zum Teil weitgehend zerstörte Wege vorfinden.

Was im Sommer mit der anhaltenden Trockenheit noch funktionierte, wird in der Regenphase nicht mehr klappen. „Dafür sind die Wege nicht ausgelegt“, weiß der Förster um die Probleme beispielsweise unterhalb der Herpine, wo in den vergangenen Wochen mehr als 1000 Festmeter Käferholz eingeschlagen und abgefahren wurden. Bei trockener Witterung hätten die Wege vielleicht gehalten, doch aufgrund des laufenden Draisinen-Betriebes und der Brutphase eines Baumfalken-Pärchens geriet das Käferprojekt in den Herbst.

„Wir versuchen, alles wieder herzurichten, damit man dort wieder halbwegs gehen kann“, sagt Halvers Förster, doch zunächst könne es nur um eine provisorische Herstellung gehen. Wegebau im Schlamm sei kaum zielführend, erklärt er am Telefon auch einer Anruferin aus dem Außenbereich, die auf ihre Zuwegung hinweist. „Der Weg hat total nachgelassen“, so Ackfelds technische Formulierung. In der Praxis hielten die Wege einige Lkw-Fahrten aus. Doch wenn es nicht nur drei oder vier Lkw im Jahr seien, sondern 30 bis 40 Containerzüge in kurzer Folge, sehe das anders aus.

Enorme Mengen

Das Problem sind die Größenordnungen, um die es nicht erst seit Jahresbeginn geht. Rund 100 000 Festmeter Holz sind in diesem Jahr aus dem Wald geholt worden, ausschließlich Käferholz, um die weitere Verbreitung zu verhindern und den Rohstoff Holz zu retten, bevor er weiter an Qualität verliert. Die Menge ist weit entfernt von dem, was in einem normalen Jahr geschlagen wird: etwa 12 000 Festmeter.

Ein anderer Vergleich: Der Orkan Kyrill, der am 18. Januar über Deutschland tobte, legte im Bereich Halver rund 50 000 Festmeter Holz um – gerade die Hälfte dessen, was allein in diesem Jahr an Käferholz geschlagen und abgefahren worden ist.

Doch was passiert mit den Brachflächen? Die Frage stellen sich Wanderer und Sportler, die sich fast wöchentlich mit neuen Perspektiven vertraut machen müssen, weil wieder flächenhaft Fichten verschwunden sind. An diesen Anblick werde man sich zunächst gewöhnen müssen, erläutert Ackfeld den Zustand in der Praxis. Priorität habe das „fortschutzrelevante Holz“ gehabt, das heißt, die Stämme, die vom Käfer befallen seien und damit eine Bedrohung für den umliegenden Bestand darstellten. Beim übrig gebliebenen Astwerk und Kronenholz sei davon zunächst nicht auszugehen. Für eine Verwertung des verbliebenen Restholzes fehlen einerseits die Ressourcen bei der Zwischenlagerung von Hackschnitzeln und andererseits die Kontingente bei der Vermarktung von Industrie- beziehungsweise Energieholz.

Aufforstung dauert noch Jahre

Prinzipiell bleibe es aber beim Ziel, die Flächen so schnell wie möglich wieder aufzuforsten, wenn möglich unter Einbeziehung vorhandenen Naturverjüngung. „Wir hätten gerne schon angefangen“, so Ackfeld, „doch es fehlt uns definitiv die Zeit“.

Aber es gibt bei der Neubepflanzung auch noch ein ganz praktisches Problem, denn dort, wo junge Pflanzen bei der derzeitigen Wassersituation eine Chance hätten, weil es im Wesentlichen an feuchten Nordhängen eine bessere Überlebenschance gebe, hätten sich auch die Fichtenbestände noch länger halten können, bevor der Borkenkäfer auch dort zugeschlagen hat und vermutlich weiter zuschlagen wird.

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