Covid-19

Keine Testpflicht für Corona-Geimpfte und Genesene: Wie sinnvoll ist das?

Personen, die gegen Corona geimpft sind, haben einen Vorteil: Die Testpflicht fällt weg. Experten raten Geimpften, sich dennoch abzusichern.

Hamm - Nein, das Leben ist längst noch nicht so normal wie vor Corona. Doch derzeit sind die Hürden und Regeln laut Verordnung so gering wie wohl schon lange nicht mehr. Bei einigen Experten weckt diese Tatsache durchaus die Sorge, dass die Bürger in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland sorgloser werden. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
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Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Keine Testpflicht für Corona-Geimpfte und Genesene: Wie sinnvoll ist das?

Der Inzidenz-Stufen-Plan von NRW sieht aufgrund des niedrigen Wertes in fast allen Kreisen und Städten kaum noch einen negativen Corona-Test als „Eintrittskarte“ für den Besuch im Restaurant oder im Fitnessstudio vor. Personen mit einem vollständigen Impfschutz müssen ohnehin nicht mehr ins Testzentrum: Ihre Corona-Impfung gilt entsprechend als Nachweis.

Ein Muss ist der Corona-Test für sie nicht mehr. Bei einer Garten-Party im Sommer mit ausschließlich vollständig Geimpften oder Genesenen bedarf es keines offiziellen Nachweises mehr. Für diese Personen gilt das Infektionsschutzgesetz schlichtweg nicht mehr.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist niedrig, aber nicht Null“, heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI). Laut Immunologe Carsten Watzl reduziere sich das Risiko, dass ein vollständig Geimpfter mit Corona infiziert sei, je nach Vakzin deutlich - um etwa 90 Prozent bei Biontech und etwa 70 Prozent bei Astrazeneca. Diese Zahlen decken sich mit denen des RKI. Ohnehin weisen alle Corona-Impfstoffe eine hohe Wirksamkeit auf.

Risiko einer Corona-Ansteckung unter Geimpften gehe „gegen null“

Selbst wenn sich ein Geimpfter infiziere, sei seine Viruslast deutlich geringer und er dadurch deutlich weniger ansteckend, erklärt Carsten Watzl. Wenn alle Teilnehmer einer Party oder eines privaten Treffens doppelt geimpft seien und das Ganze im Sommer draußen stattfinde, gehe „das Risiko gegen null“.

Dennoch sei ein Corona-Test auch für vollständig geimpfte Personen durchaus sinnvoll. Denn es könne trotzdem „zu milden Krankheitsausbrüchen kommen, da keine Impfung zu 100 Prozent schützt“, sagte Schnelltest-Experte Dr. med. Gunther Burgard, medizinischer Direktor der Pharmact GmbH. „Wer entsprechende Symptome wie Husten, Fieber oder Schnupfen aufweist, sollte sich deshalb auch trotz Impfung testen lassen, um Gewissheit zu erlangen und Ungeimpfte vor einer Ansteckung zu schützen.“

Hinzu kommt die Delta-Variante des Coronavirus, die nach Ansicht früher oder später auch in Deutschland die beherrschende Mutation sein werde. Daher forderte etwa Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen, bei WDR5: „Es muss weiterhin getestet werden, auch hier wird deutlich weniger gemacht.“

Tests für Corona-Geimpfte? Expertin rät auf großen Partys oder Veranstaltungen zur Absicherung

Das gilt erst recht, wenn an einer Party oder anderen Veranstaltungen mit vielen Personen auch Nicht-Geimpfte teilnehmen: Dann ist Carsten Watzl zufolge die Gefahr größer, dass sie infektiös seien. Diese Menschen könnten sich auch leichter anstecken. Für diesen Fall rät der Immunologe zu Antigen-Schnelltests, auch wenn die Inzidenzen in Deutschland gerade niedrig sind.

Das sieht Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, ähnlich. So lange etwa die Hälfte der Bevölkerung noch nicht geimpft sei, „wäre es sehr sinnvoll, dem Virus keinen Raum für eine Ausbreitung zu geben“. Sie empfiehlt deshalb, im Sommer Partys oder Veranstaltungen mit Corona-Schnelltests abzusichern. (mg mit dpa)

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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