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Real kommt mit neuem Anstrich zurück: „Vieles hängt von Rewe ab“

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Von: Benjamin Stroka

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Ein Einkaufswagen mit montiertem „mein Real“-Logo und Porträt von Experte Peter Kenning (Montage).
Die verbliebenen Real-Supermärkte werden zu „mein Real“. Professor Peter Kenning erklärt, wie aussichtsreich das Vorhaben ist (IDZRW-Montage). © Hirschberger/dpa & Screenshot Real & Schmidt-Dom/HHU Düsseldorf

Real wagt unter dem neuen Namen „mein Real“ mit nur noch 63 Filialen einen Neustart. Supermarkt-Experte Peter Kenning erklärt, wie das funktionieren kann.

Düsseldorf – Die SB-Warenhauskette Real, wie man sie kennt, ist so gut wie Geschichte. Seit über eineinhalb Jahren wird Real zerschlagen. Lange sah es sogar nach dem kompletten Ende der Supermarktkette aus. Bis Anfang 2022 doch noch 63 Filialen gerettet werden konnten.

Die bekommen einen neuen Namen und ein neues Logo. Aus „Real“ wird „mein Real“. Aus dem altbekannten Slogan „Einmal hin. Alles drin“ wird der neue Slogan „Alles was ich mag“. Gleichzeitig sollen für den Neustart auch die Filialen modernisiert werden. Aber reicht das aus, damit „mein Real“ auf dem schwer umkämpften Markt in Deutschland gegen Edeka, Aldi, Kaufland und Co. überhaupt bestehen kann?

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Supermarkt-Experte Peter Kenning erklärt im Interview mit IPPEN.MEDIA, dass „mein Real“ unter bestimmten Bedingungen durchaus eine Chance haben könnte. Entscheidend dafür ist laut Kenning aber nicht die aktuell gefahrene Kampagne um „mein Real“, sondern vor allem die geplante Zusammenarbeit mit Rewe. Denn Rewe soll künftig der neue Lieferpartner von „mein Real“ werden. „Viel wird davon abhängen, wie die Kooperation mit der Rewe gelingt. Wenn die Einkaufs- und Logistikkosten für ‚mein Real‘ besser sind als vorher und gleichzeitig weitere Kosten nicht aus dem Ruder laufen, dann könnte das klappen“, erklärt der Professor für BWL der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

„Mein Real“ kooperiert mit Rewe: Doch Neustart sorgt auch für Nachteile

Ein Problem für „mein Real“: Mit nur noch 63 Standorten gehört man inzwischen zu den kleineren Playern im deutschen Einzelhandel. Wer weniger Filialen zur Verfügung hat, bietet insgesamt gleichzeitig weniger Produkte an und bestellt damit auch weniger Waren. „Der Einkaufspreis hängt auch davon ab, wie viel der jeweilige Händler von einem bestimmten Industrieunternehmen kauft. Etwas vereinfachend gilt, je größer das Einkaufsvolumen, desto geringer ist der Einkaufspreis“, erklärt Kenning. Somit habe „mein Real“ als verkleinertes Unternehmen in diesem Bereich zunächst einen Nachteil im Vergleich zur ehemaligen Real-GmbH.

Diesen Nachteil versucht die Supermarktkette durch den Rewe-Deal auszugleichen. Zu welchen Preisen „mein Real“ von Rewe beliefert werden soll, ist nicht bekannt. „Sollten es die gleichen Konditionen wie bei den Rewe-Märkten sein, könnte ich mir vorstellen, dass ‚mein Real‘ wettbewerbsfähig ist“, so Kenning.

Supermarkt-Experte Professor Peter Kenning

Peter Kenning studierte BWL an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und erlangte dort auch den Doktortitel. Nachdem er mehrere Jahre den Lehrstuhl für Marketing an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen am Bodensee innehatte, wechselte Kenning 2013 zur Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, wo er als Professor für BWL lehrt. In den letzten Jahren war er in mehreren Gremien verschiedener Bundesministerien tätig. Aktuell ist er Mitglied des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

„Mein Real“: Filialen sollen umgebaut und modernisiert werden

Die Senkung der Kosten ist aber nicht die einzige Baustelle für „mein Real“. Gleichzeitig sollen auch die übrigen Filialen selbst eine Frischzellenkur erhalten. Denn viele Real-Märkte haben einen etwas angestaubten Ruf und sind insgesamt etwas in die Jahre gekommen. „Mein Real“ will die Filialen umbauen und damit moderner gestalten. Es soll ein größerer Fokus auf Frische-Abteilungen gelegt werden.

„Mein Real“-Kette will moderner werden – aber reicht das aus?

Für den zukünftigen Erfolg von „mein Real“ spielen die geplanten Umbauten aber nur eine untergeordnete Rolle, vermutet Kenning. „Regelmäßige Modernisierungen sind im Handel wichtig, da die Einkaufsatmosphäre einen Einfluss auf die Verweildauer der Kunden im Geschäft hat. Und wer länger bleibt, kauft grundsätzlich auch mehr ein“, erklärt der Supermarkt-Experte.

Jedoch: „Ich glaube aber nicht, dass Real-Kunden in erster Linie deswegen dort einkaufen, weil die Läden modern sind. Und über eine moderne Ladenausstattung neue Kunden zu gewinnen, dürfte ebenfalls sehr schwer werden. Viele Kunden schauen unter anderem aufgrund der hohen Inflationsraten derzeit noch stärker auf den Preis als dies ohnehin schon der Fall gewesen ist.“

Real: Überraschende Rettung der letzten Filialen

Seit rund 30 Jahren gehören die SB-Warenhäuser von Real fest zum deutschen Einzelhandel. Einst stolze Tochter der Metro AG, führte Real zwischenzeitlich mehr als 270 Filialen bundesweit. Doch in den 2010er-Jahren wurde die Kette zunehmend unrentabel. Der Metro-Konzern versuchte, das inzwischen finanziell angeschlagene Tochterunternehmen loszuwerden. Anfang 2020 folgte der Verkauf an die Investorengruppe SCP. Die begann schnell mit der geplanten Zerschlagung der Supermarktkette. Seitdem wurden über 200 ehemalige Real-Märkte entweder geschlossen oder von anderen Supermärkten übernommen.

Noch Ende 2021 sah es so aus, als würde Real wirklich komplett vom deutschen Markt verschwinden. Doch Ende Januar 2022 kam plötzlich die Wende. Der Frankfurter Investor und Restrukturierungsexperte Sven Tischendorf hat sich die Überreste von Real gesichert. Inzwischen ist klar: 63 Real-Filialen bleiben bestehen. Die Geschäfte werden zum 1. Juli 2022 unter dem neuen Namen „mein Real“ weitergeführt.

„Mein Real“: Wie sich die Inflation auf die Zukunftschancen auswirkt

Somit spielt bei einer erfolgreichen Zukunft für „mein Real“ auch die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland eine wichtige Rolle. Steigt die Inflation weiter, werden die Menschen in den nächsten Monaten immer weniger Geld zur Verfügung haben – und beim Einkaufen entsprechend stärker auf den Preis achten. Laut Kenning dürfte das dafür sorgen, dass viele Kundinnen und Kunden verstärkt bei den günstigeren Discountern einkaufen werden. „Dann dürfte es für ‚mein Real‘ schwer werden, sich am Markt zu behaupten“, so der Experte. (bs)

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