Mehr gekauft als geplant

Lidl: Ex-Mitarbeiter deckt Psycho-Tricks des Discounters auf - so werden Kunden verführt

Wieder mit einem vollen Einkaufswagen an der Kasse von Lidl, obwohl Sie nur eine Kleinigkeit kaufen wollten? Experten verraten, mit welchen Tricks der Discounter arbeitet, um seine Kunden zum Kaufen zu verführen.

Hamm - Beim Besuch von großen Discountern wie Aldi und Lidl kaufen die Kunden am Ende oft mehr, als sie eigentlich wollten. Eine Dokumentation des britischen Fernsehsenders Channel 5 zeigt jetzt, mit welchen Mitteln die deutsche Supermarkt-Kette Lidl vorgeht, um zum Einkaufen zu verführen. In der Doku erklärt ein Psychologe die Tricks des international agierenden Unternehmens. Auch Ex-Mitarbeiter und Experten kommen zu Wort.

UnternehmenLidl
Gründung1973
UnternehmenssitzNeckarsulm
Mitarbeiter192.920 (weltweit, Stand 2019/20)
Umsatz56,9 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2019/20)

Lidl: Mit diesen Tricks verführt der Discounter seine Kunden zum Kaufen

Schon am Eingang beginnen laut Psychologen die Tricks, die letztendlich den Einkauf teurer machen, als zuvor geplant. Die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 113,3 Milliarden Euro. Bei diesen Zahlen spielen die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie noch keine Rolle. Das ausschlaggebende Geschäftsjahr endete mit dem Februar und damit vor den großen Hamsterkäufen.

Als Konkurrenz zu Aldi eröffnet, startete der Discounter Lidl 1973 mit einem eher schmuddeligen Image: Schlechtes Licht, chaotische Sortierung und günstige Produkte zeichneten die Läden aus. Auf billige Angebote alleine setzt der Supermarkt aber schon lange nicht mehr. An dieser Entwicklung ist auch der ehemalige CEO von Lidl UK beteiligt, über den die britische Zeitung Mirror berichtet.

Lidl: Ex-Mitarbeiter packt aus und nennt Tricks des Discounters

Ronny Gottschlich, der Ex-Lidl-CEO, gestaltete die britischen Läden um, setzt auf Klassiker und mehr Frischware. Dazu kam eine Innovation, die Kunden noch heute bereits beim Betreten des Discounters zum Shoppen animiert: die Back-Theke.

Die Backwaren sind bei Lidl international vorne im Geschäft verortet und verbreiten ihren Duft von Beginn des Shoppingtrips an. Dadurch wird die Atmosphäre direkt angenehmer, die Kunden hungriger. Bei den meisten anderen Supermärkten sind Brötchen, Brot und Co. versteckter hinten im Laden zu finden.

Backware und größere Einkaufswagen: Der Einkauf bei Lidl kann schnell teurer werden

Dann noch der Griff zum Einkaufswagen. Lidl setzt nicht auf die Körbe, die man in die Hand nehmen muss, sondern auf Wagen oder jene größeren Körbe, die die Kunden auf Rollen hinter sich herziehen müssen. Diese sind auch deutlich tiefer als die herkömmlichen Handkörbe. Dadurch merkt man beim Einkaufen nicht, wie viel Gewicht man mit sich herumträgt und endet mit einem deutlich größeren Einkauf als erwartet, erklärt der Psychologe Phil Adcock in der Lidl-Dokumentation von Channel 5. Darüber berichtet auch hna.de*.

Laut dem Bericht des Mirror ist auch das Verpackungsdesign von Lidl verführerisch: Ohne gegen das Copyright zu verstoßen, versucht der Discounter, mit Eigenmarken so nah an das Design der Markenprodukte zu kommen wie es geht. Das gleiche Prinzip gilt für die Namen der Produkte: Sie erinnern immer an das Original und würden so die positiven Assoziationen der Kunden auf die Eigenmarken übertragen.

Lidl: Ein Psychologe verrät, wie der Discounter arbeitet.

Kollektion von Heidi Klum beim Discounter: Lidl arbeitet mit Model zusammen

Auch die Preise der Waren werden bei Lidl anders platziert, als es Kunden normalerweise gewohnt sind. Die Preise stehen bei Lidl über den Produkten, bei Rewe etwa stehen sie unter den Waren. Das kann dafür sorgen, dass Kunden erst beim Bezahlen bemerken, was die Ware wirklich kostet, wie der Mirror berichtet und auch Ruhr24.de* aufgreift.

Dazu kommen ungewöhnliche Kooperationen, die das Sortiment von Lidl erweitern. So arbeitet der Discounter mit Supermodel Heidi Klum zusammen. Die „Germany‘s next Topmodel“-Moderatorin bringt seit Jahren immer wieder Mode-Kollektionen beim Discounter heraus. Einen Corona-Trend greift auch die Mode-Designerin Jette Joop auf: Sie hat Mund-Schutze gestaltet, die Kunden für die Maskenpflicht bei Lidl kaufen können. *hna.de und Ruhr24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare