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EZB erhöht Leizinsen erstmals seit elf Jahren - das sind die Folgen

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Von: Daniel Großert

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Wegen der hohen Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine Erhöhung des Leitzinses beschlossen. Die Entscheidung hat Folgen.

Update vom 21. Juli, 14.28 Uhr: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag (21. Juli) erstmals seit elf Jahren die Leitzinsen erhöht. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen können, stieg stärker als zuvor angekündigt um 0,5 Prozentpunkte auf nun 0,5 Prozent. Die Zinserhöhungen treten zum 27. Juli in Kraft. Damit entfällt zur Freude der Sparer auch der Negativzins von minus 0,50 Prozent für geparkte Gelder von Geschäftsbanken. Die Erhöhung der Leitzinsen hat somit Auswirkungen unter anderem für Sparer und Hausbauer.

Update vom 9. Juni, 14.50 Uhr: Nun ist es offiziell: Im Juli wird es in Europa die erste Zinserhöhung seit elf Jahren geben. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) kündigte am Donnerstag an, die Leitzinsen im Euroraum um jeweils 25 Basispunkte anheben zu wollen.

WährungsbehördeEuropäische Zentralbank (EZB)
PräsidentinChristine Lagarde
HauptsitzFrankfurt am Main

Zunächst bleibt der Leitzins aber auf dem Rekordtief von null Prozent, Banken müssen für geparkte Gelder bei der EZB weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen. Präsidentin Christine Lagarde hatte in Aussicht gestellt, die Negativzinsen bis Ende September zu beenden.

EZB stellt Leitzins-Erhöhung in Aussicht: Welche Folgen das hätte

[Erstmeldung] Hamm - Die Preise steigen und steigen. Die Inflation erreichte zuletzt jeden Monat neue Höchstwerte. Viele Verbraucher fragen sich deshalb: Geht das so weiter? Direkten Einfluss darauf kann kurzfristig wohl nur die Europäische Zentralbank (EZB) nehmen, indem sie den Leitzins anpasst. Aussagen eines Direktoriumsmitglieds machen nun etwas Hoffnung.

„Unter Leitzinsen versteht man die von der zuständigen Zentralbank festgelegten Zinssätze, zu denen sich Geschäftsbanken bei einer Zentral- oder Notenbank Geld beschaffen oder anlegen können“, heißt es auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums. Das bedeutet: Beschafft sich eine Bank wie die Sparkasse oder die Volksbank von der EZB Geld, um beispielsweise an die eigenen Kunden vergebene Kredite zu refinanzieren, zahlt sie dafür Zinsen an die Zentralbank. Wenn eine Bank dort selbst überschüssiges Geld anlegt, bekommt sie dafür Zinsen von der EZB.

So weit die Theorie. Denn der Realität entspricht das nicht mehr: Seit 2019 ist der Einlagenzins der Europäischen Zentralbank negativ (aktuell -0,5 Prozent). Das heißt: Legt eine Bank ihr Geld dort an, muss sie dafür selbst sogenannte „Negativzinsen“ zahlen. Wegen dieser Strafzinsen droht etwa etlichen Kunden von Sparkasse, Postbank oder ING die Konto-Kündigung. Allerdings müssen die Geldinstitute seit 2016 auch keine Zinsen mehr bezahlen, wenn sie sich Geld bei der EZB beschaffen.

Inflation auf Rekordhoch: EZB-Direktorin hält Leitzins-Erhöhung „im Juli für möglich“

Mit der sukzessiven Senkung des Leitzinses hat die EZB auf die weltweite Finanzkrise 2008 sowie die damit einhergehende Schuldenkrise im Euroraum reagiert. Durch günstige Kredite sollten die EU-Staaten die Möglichkeit bekommen, die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Denn wenn sie sich günstig Geld leihen können, tätigen Privatpersonen und Unternehmen eher Investitionen - was wiederum die Konjunktur antreibt.

Statt einer Finanzkrise beschäftigt die Menschen im Jahr 2022 aber ein anderes Problem. Die Inflation, die in Nordrhein-Westfalen zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegen ist, lässt Preise für Energie, Lebensmittel und andere Waren und Dienstleistungen immer weiter in die Höhe schießen. Während andere Zentral- und Notenbanken deshalb bereits tätig geworden sind, hielt die EZB zuletzt an ihrer Geldpolitik fest.

Doch das könnte sich schon bald ändern: „Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln“, sagte Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, in einem Interview mit dem Handelsblatt. Die in Dortmund geborene Wirtschaftswissenschaftlerin halte daher eine Erhöhung des Leitzinses „im Juli für möglich“. Ähnlich hatte sich zuletzt auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde geäußert.

Diese Folgen hätte eine Leitzinserhöhung der EZB für Bürger und Wirtschaft

Aber welche Folgen hätte die Leitzins-Erhöhung konkret? Banken würden mehr Zinsen bekommen, wenn sie Geld bei Zentral- oder Notenbanken anlegen, müssten aber auch mehr Zinsen zahlen, wenn sie sich dort Geld beschaffen. Das wiederum wirkt sich in gleicher Weise auf Kunden aus: Während die Zinssätze für klassische Sparprodukte wie Sparbücher, Fest- und Tagesgeldkonten steigen würden, würden Privat- und Immobilienkredite teurer werden. In der Folge würde die Konjunktur gebremst, was wiederum zu einer niedrigeren Inflationsrate und somit zu sinkenden Preisen führen würde.

Das hätte auch Einfluss auf die derzeit sehr hohen Energiepreise in Deutschland. Nach einer Studie des Deutschen Institus für Wirtschaftsforschung (DIW) könnten sie im Falle einer Leitzins-Erhöhung der EZB um bis zu vier Prozent sinken, wie das Manager Magazin berichtet. Demnach würde durch höhere Zinsen der Wert der europäischen Währung steigen. „Wertet der Euro auf, sinken die Verbraucherpreise für Kraftstoffe und Heizkosten in Deutschland signifikant“, prophezeien die DIW-Forscher.

Doch eine Leitzins-Erhöhung könnte dem Bericht zufolge auch negative Folgen haben: Die Arbeitslosigkeit könnte sinken, zudem könnte die gebremste Konjunktur Staaten in eine finanzielle Abwärtsspirale treiben.

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