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Insolvenz nach fast 100 Jahren: Bank für den Kundenverkehr geschlossen

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Die Bafin hat für eine Bank aus Deutschland den Kundenverkehr geschlossen: Fast 100 Jahre nach ihrer Gründung hat sie Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für Einleger?

Mainz - Fast 100 Jahre lang gab es die Mainzer North Channel Bank. Nun ist das deutsche Bankunternehmen insolvent. Die Finanzaufsicht Bafin hat die North Channel Bank GmbH & Co. KG für den Kundenverkehr geschlossen. Das Geldhaus war wegen „Cum-Ex“-Aktiengeschäften in Schieflage geraten.

UnternehmenNorth Channel Bank GmbH & Co. KG
SitzMainz
Gründung1924

North Channel Bank geht in Insolvenz - Bafin schließt Kundenverkehr

Wegen drohender Überschuldung erließ die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schon vor der Insolvenz ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot gegenüber der kleinen North Channel Bank. Der Jurist Dietmar Haffa wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Geldhauses bestellt, wie die Kanzlei jetzt mitteilte.

Die North Channel Bank sei chronisch defizitär und habe kein nachhaltiges Geschäftsmodell mehr, hatte die Bafin Mitte Januar mitgeteilt. Ziel des Moratoriums sei, Vermögenswerte zu sichern. Die Bafin erließ wegen drohender Überschuldung ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot gegenüber der Bank. Zu den großen Playern im deutschen Bankenwesen gehört sie nicht. Die North Channel Bank ist klein und hat laut Bafin keine Relevanz für die Finanzstabilität.

Die Einlagen der etwa 500 verbliebenen Einleger der Bank seien über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Einleger geschützt. Sollte die North Channel Bank nicht in der Lage sein, die bei ihr unterhaltenen Einlagen zurückzuzahlen, wenn also der Entschädigungsfall eintritt, wird sich „der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. unaufgefordert mit geschützten Einlegern in Verbindung setzen, um diese zu entschädigen“, heißt es in einer Mitteilung der Bank.

North Channel Bank geriet wegen „Cum-Ex“-Aktiengeschäften in Schieflage

Die North Channel Bank war nach Angaben der Bafin in den Jahren 2012 bis 2015 in hohem Maße in „Cum-Ex“-Aktiengeschäfte in Dänemark und Belgien involviert. Bei solchen Deals schoben mehrere Beteiligte Aktienpakete mit und ohne Ausschüttungsanspruch rund um den Dividendenstichtag hin und her.

In der Folge erstatteten Finanzämter Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Die dänischen und belgischen Steuerbehörden fordern nach Bafin-Angaben insgesamt 176 Millionen Euro Schadenersatz von der North Channel Bank. Das Institut war aber nicht in der Lage, die Ansprüche zu erfüllen, woraufhin die Bafin eingriff.

Die North Channel Bank wurde 1924 unter dem Namen Bankhaus Oswald Kruber GmbH & Co. KG in Berlin gegründet. 2009 erwarb eine nordamerikanische Investorengruppe das Institut, das daraufhin in North Channel Bank GmbH & Co. KG mit Sitz in Mainz umfirmiert wurde.

Viele Filialen der angeschlagenen Galeria Karstadt Kaufhof sollen bald geschlossen werden. Ein Mode-Unternehmen aus NRW will Standorte übernehmen. (dpa)

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