Naturschutzbund empört

Heikles Schnäppchen bei Aldi: Kunden riskieren Ärger mit dem Gesetz

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Sommer-Angebot bei Aldi: Das Gerät könnte zu einer Anzeige führen.

Dieses „Schnäppchen“ kann teuer werden. Aldi-Kunden riskieren mit dem Sommer-Angebot ein dickes Bußgeld und sogar eine Anzeige.

Essen - Passend zur alljährlichen, sommerlichen Mückenplage lockt Aldi mit einem vermeintlichen Schnäppchen. Doch nicht nur für die Insekten könnte die Lichtfalle eine böse Überraschung bereithalten. Denn Anwender riskieren Ärger mit dem Gesetz.

Aldi Nord bietet ab Montag (29. Juli) günstige Insektenfallen an. Genauer gesagt, UV-Lampen, die mit ihrem Licht Stechmücken anlocken und die Plagegeister dann bei 20.000 Volt erlegen. Diese Lichtfallen sind den meisten Kunden ein Begriff, doch genauer kennen sich nur die wenigsten aus. Die Killer-Lampen haben nämlich zwei riesige Haken. 

Aldi: Schnäppchen-Falle so gut wie wirkungslos

Als Kunde geht man zurecht davon aus, dass die UV-Lampen das Ungeziefer gezielt in die Falle lockt, doch davon kann keine Rede sein. Denn vom bläulichen Licht lassen sich hauptsächlich Motten und Nachtfalter anlocken, die keiner Menschen-Seele etwas zuleide tun.

Der Grund: Die Falter orientieren sich am Mond und anderen Himmelskörpern. So die wissenschaftlich gängigste Navigationstheorie. Blutsauger hingegen richten sich nach Körperduft und -wärme ihrer Opfer. Licht spielt für Stechmücken kaum eine Rolle.

Das belegt eine Studie des Naturschutzbundes Deutschland, von der chip.de berichtete. Einer in Bonn installierten Mörder-Lampe gingen 3.742 Insekten ins (Strom-)Netz, allerdings waren darunter nur 52 Moskitos. Über 99 Prozent der toten Tiere waren demnach für den Menschen komplett harmlose Insekten.

Moskitokiller-Lampen bei Aldi alarmieren Naturschutzbund

Der Naturschutzbund hat demnach eine klare Meinung zu den Insektenbrutzlern. „Die auf dem Markt erhältlichen Insektenkiller-Lampen sind ein Ärgernis“, schimpft Julian Heiermann, „Einerseits haben wie mit einer zunehmenden Insektenarmut zu kämpfen, andererseits werden zusätzlich solche Geräte mit häufig irreführenden Werbeversprechen angeboten.“

Auch was der Referent für Umweltinformation mit irreführenden Werbeversprechen meint, ist kein Rätsel. Denn der zweite Haken der UV-Fallen hat es in sich.

Insektenfallen von Aldi können teures Nachspiel haben - Anzeige inklusive

Was wohl kaum jemand weiß, die UV-Fallen im Freien zu montieren, ist illegal. Die abnorm hohe Rate an „Fremdfang“ führte zu strikten Erlassungen im Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung. Wer sich also einen Insektenbrutzler in den Garten hängt, handelt demnach gesetzeswidrig und riskiert neben einem Bußgeld sogar eine Anzeige.

Kritik an UV-Insektenfallen: Reaktion von Aldi lässt zu wünschen übrig

Das Online-Magazin chip.de konfrontierte den Discounter mit den eindeutigen Befunden zu den angebotenen Lichtfallen. Die Reaktion von Aldi Nord kam eher einer vertröstenden Floskel nahe: „Die beiden von uns angebotenen Insektenvernichter der Marke QUIGG sind bestimmungsgemäß zur Reduzierung unerwünschter Insekten in trockenen Innenräumen vorgesehen“, beteuert die Pressestelle der Discount-Kette, „selbstverständlich weisen wir unsere Kundinnen und Kunden gut sichtbar auf der Verpackung der Geräte sowie in der Bedienungsanleitung mehrfach darauf hin, dass diese ausschließlich für den Innenbereich vorgesehen sind. So soll eine falsche Nutzung oder ein Kauf unter falschen Annahmen hinsichtlich des Verwendungszwecks ausgeschlossen werden.“

Ein Blick auf das Angebot von Aldi Nord enthüllt allerdings: Die Produktbeschreibung, zumindest im Online-Shop, liefert nicht ein Wort zu den Nutzungsbestimmungen der UV-Fallen.

Die Moskito-Lampen drohen also zum Eigentor für Aldi Nord zu werden. Dabei stellte sich der Konzern erst vor Kurzem mit einem anderen Produkt selbst ein Bein und erntete einen ausgewachsenen Shitstorm.

Spott gab es schon von Konkurrent Lidl, allerdings nicht dafür. In einer urkomischen Werbekampagne nahm er fast alle deutschen Supermarkt- und Discount-Ketten aufs Korn.

Ein trauriger Vorfall ereignete sich in England: Wenige Wochen nach einem schockierenden Erlebnis bei Aldi ist eine Frau gestorben. Auch Aldi und Edeka verkaufen die Produkte: Ein Riese aus dem Argarsektor ist laut einer Umweltschutzorganisation das schlimmste Unternehmen der Welt. Ihm werden zahlreiche Verfehlungen vorgeworfen.

Video: Moskito saugt unterm Mikroskop - so findet die Mücke die Ader

mb

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