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Edeka, Rewe und Co.: Frischetheken geschlossen – wie die Lage wirklich ist

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Von: Oliver Schmitz

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Supermärkte haben mit Personalmangel zu kämpfen. Deshalb schließen einige Frischetheken früher. Aber wie oft kommt das vor?

Köln – Der Fachkräftemangel ist derzeit in ganz Deutschland spürbar und kaum eine Branche bleibt davon verschont. Vor allem an den Flughäfen wurden die Personalprobleme zuletzt deutlich, aber auch die Gastronomie oder sogar die Müllabfuhr in Köln war betroffen. Ähnlich sieht es beim Lebensmittel-Einzelhandel aus, der aus verschiedenen Gründen auch mit Personalengpässen zu kämpfen hat. Das hat mancherorts Folgen, doch lange nicht überall. 24RHEIN hat mit mehreren Supermarkt-Ketten, der Gewerkschaft und dem Handelsverband über die aktuelle Lage gesprochen.

Personalmangel in Supermärkten: Sind Frischetheken besonders betroffen?

Bei deutschen Supermärkten kommt derzeit vieles zusammen: fehlende Fachkräfte, Corona-bedingte Krankheitsausfälle und die Urlaubszeit. Dadurch ist der Personalmangel zunehmend auch für Kunde bemerkbar. Gegenüber der Lebensmittelzeitung und Focus berichten unter anderem einzelne Rewe- und Edeka-Händler von Einschränkungen, vor allem an den Frischetheken. Diese mussten teilweise komplett schließen.

Haben Kunden also Grund zur Sorge? Müssen immer mehr Bedientheken geschlossen bleiben? Nein, ein generelles Problem gibt es aktuell nicht – so die einhellige Meinung der Branche. Bei den Schließungen handelt es sich lediglich um wenige Einzelfälle. Bei manchen treten diese aber häufiger auf, berichtet 24RHEIN.

Käse-Spezialitäten liegen am 20.05.2014 in der Theke eines Standes in der Kleinmarkthalle von Frankfurt (Hessen)
Rewe weist den allgemeinen Personalmangel bei Frischetheken zurück, Edeka berichtet nur von „Einzelfällen“. (Symbolbild/IDZRW-Montage) © F. Anthea Schaap & Martin Wagner/Imago

Schließung von Frischetheke: Situation bei Rewe und Edeka

Wie sieht nun also die Situation an den Supermarkt-Frischetheken aus? Bei Rewe weist man den Personalmangel klar zurück. „Offenbar wird ein Einzelfall oder möglicherweise werden einige wenige Fälle aus Tausenden Supermärkten verschiedener Handelsunternehmen völlig überzeichnet“, sagt ein Pressesprecher der REWE Markt GmbH zu 24RHEIN und ergänzt: „Uns sind aktuell keine Schließungen bei unseren Frischetheken bekannt“.

Die Aussagen gelten für jene der rund 3700 Rewe-Märkte, die zur REWE Markt GmbH gehören. Davon ausgenommen sind die Filialen von rund 120 Händler ohne direkte Rewe-Beteiligung. Berichte über geschlossene Frischetheken bezogen sich laut Rewe-Sprecher auf einen solchen Standort. Grundsätzlich seien die Bedienungszeiten der Frischetheken „immer schon marktindividuell“ und im Regelfall auch „nicht übereinstimmend mit den Spätöffnungszeiten.“ Demnach haben viele Rewe-Bedientheken sowieso nicht immer geöffnet.

Etwas anders sieht es bei den Edeka-Märkten in der Region Rhein-Ruhr aus. Der „grundsätzliche Betrieb“ der Frischetheken sei „sichergestellt“, erklärte eine Sprecherin gegenüber 24RHEIN. Jedoch könne es aktuell „in Einzelfällen“ dazu kommen, dass Kaufleute „die Servicezeiten ihrer Bedientheke vorübergehend einschränken“. Dies sei laut Edeka der „personalintensivste Bereich“, weshalb dort dann wohl zuerst gekürzt wird.

Personalmangel an Frischetheken: Schließungen bei Globus, Kaufland und HIT ohne Probleme

Gewerkschaft Verdi: Personalmangel „auch selbst verschuldet“

Wie viele anderen Branchen macht auch dem Lebensmittel-Einzelhandel also der Personalmangel zu schaffen. Neben der Corona-Pandemie betont die Gewerkschaft Verdi den generellen Fachkräftemangel als Ursache. „Das ist vom Handel auch selbst verschuldet“, sagt Heino Georg Kaßler, Gewerkschaftssekretär für Handel in NRW, gegenüber 24RHEIN.

Denn auch Supermarkt-Ketten würden oftmals nicht für genügend „Attraktivität“ sorgen. Gemeint sind damit die niedrige Bezahlung, Arbeitszeiten zu Randzeiten oder auch zu wenige Übernahmen nach Ausbildung. Generell würden aber immer weniger junge Menschen eine Ausbildung im Lebensmittel-Handel anfangen, was sich ganz besonders bei den Frischetheken bemerkbar mache. Ein „Trend ist schon da“, sagt Kaßler.

Personalmangel im Supermarkt: Handelsverband über Ursachen

„Durch Corona kann es aktuell auch im Einzelhandel gelegentlich – meist nur für kurze Zeit – zu Personalengpässen kommen“, sagt Steven Haarke vom Handelsverband Deutschland (HDE) zu 24RHEIN. Er ist Geschäftsführer für Arbeit, Bildung, Sozial- und Tarifpolitik. Der Personalmangel sei dann an der Bedientheke im Supermarkt „für Kunden natürlich schneller sichtbar, als etwa an einer der vielen Kassen, in der Logistik oder im Verwaltungsgebäude“, ergänzt der Arbeitgeber-Vertreter.

Ansonsten sieht der Handelsverband die Situation aber etwas anders. Laut Haarke könne die Lebensmittel-Branche „trotz Corona-Pandemie und des schwierigen wirtschaftlichen Gesamtumfeldes eine äußerst stabile Beschäftigungsstatistik vorweisen“. Dabei betont er unter anderem die „zentrale Rolle“ als Ausbilder. Alleine die beiden „Kernberufe“ Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel und Verkäufer/in würden pro Jahr rund zehn Prozent alles Ausbildungvertrage in Deutschland abdecken.

Die Arbeitgeber-Seite verweist vielmehr auf den „branchenübergreifende Fachkräftemangel in Deutschland“, welcher laut HDE vor allem auf die „demografische Entwicklung“ sowie einen „starken Trend zur Akademisierung“ zurückzuführen ist.

Letztlich sind sich alle Parteien also einig, dass der deutsche Lebensmittel-Einzelhandel aktuell mit personellen Problemen zu kämpfen hat. Doch nicht nur fallen die konkreten Auswirkungen sehr unterschiedlich aus, sondern auch die genannten Ursachen. Eines ist aber klar: Die Branche braucht wie so viele andere dringend neue Mitarbeitende. (os)

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