In Bayern bald Pflicht

FFP2-Masken: Wie lange darf ich den Mundschutz tragen? Und wo bekomme ich ihn?

Bayern macht‘s vor: In öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten gilt dort ab Montag eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Das alles muss dabei beachtet werden.

Hamm - Bayern rüstet sich für den Einsatz von sicheren FFP2-Masken überall dort, wo auch im Lockdown noch Menschen zusammenkommen: Im Nahverkehr und in Geschäften soll ab dem 18. Januar jeder einen Atemfilter tragen. So soll das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus weiter minimiert werden. Im Gegensatz zu einfachen Atemschutz- oder selbstgenähten Alltagsmasken kann ein „Filtering Face Piece“ - so die Langbezeichnung für das Kürzel FFP - Viren und Schadstoffe aus der Luft filtern. Herkömmliche Masken schützen nur das Umfeld vor ausgeatmeten Keimen. (News zum Coronavirus)

FFPSchutzklasse beim Atemschutz
BegriffserklärungFFP = filtering face piece
PrinzipEingeatmete und ausgeatmete Luft wird gefiltert
EignungEigen- und Fremdschutz

FFP2-Maske zum Corona-Schutz bald Pflicht? Vorsicht vor Fälschungen

Seit Beginn der Pandemie, als insbesondere die sicheren Masken des Standards FFP2 oder FFP3 in Deutschland und ganz Europa Mangelware waren, waren die verfügbaren Exemplare vor allem für medizinisches Personal vorgesehen. Inzwischen hat sich die Lage entspannt, in Deutschland wurden im Dezember sogar kostenlos FFP2-Masken an Ältere abgegeben. Sollten sich dem Beispiel Bayerns nun weitere Bundesländer anschließen, könnte es allerdings wieder eng werden mit dem Nachschub an FFP2-Masken. Zwar werden inzwischen auch in Deutschland Masken nach dem Standard gefertigt - ein Großteil wird aber nach wie vor aus Asien importiert.

Längst sind Exemplare in Umlauf, die als Fälschung gelten müssen - denn sie bieten eben nicht den Schutz, den der Standard verspricht. Optisch sind die Fälschungen allerdings kaum von den Masken zu unterscheiden, die eine entsprechende Zertifizierung haben. Hilfreich kann ein Blick auf die sogenannte „CE“-Nummer sein. Diese Kennzeichnung weist darauf an, dass die Maske geprüft wurde und einer EU-Norm genügt. Das heißt, dass sie daraufhin untersucht wurde, ob sie dicht sitzt und eine angemessene Filterleistung besitzt - um ein CE-Zeichen zu erhalten, muss sie mindestens 94 Prozent der Partikel aus der Umgebungsluft filtern.

FFP2-Maske zum Corona-Schutz bald Pflicht? So erkennen Sie Fälschungen

Doch Vorsicht: CE-Kennzeichen können gefälscht sein. Wer - möglichst - sichergehen will, sollte darauf achten, dass neben dem „CE“ eine vierstellige Nummer aufgedruckt ist. Sie weist auf die Prüfstelle, die die Maske getestet hat. Eine Internetrecherche hilft dabei herauszufinden, um welches Prüfinstitut es sich handelt. Im Zweifel kann dort gezielt nachgefragt werden, ob das erworbene Produkt dort tatsächlich untersucht wurde.

Eine Maske, die 94 Prozent der Partikel aus der Luft filtern kann, bringt Nachteile mit sich. Bei längerem Tragen wird das Luftholen unter FFP2 anstrengend. Für den beruflichen Einsatz gibt es deshalb eine Gefährdungsbeurteilung, auf die etwa die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hinweist. Demnach müssen Zeiträume zur Erholung und Pausen eingeplant werden. Die FFP2-Maske gilt als Atemschutzgerät, deshalb beruht die Empfehlung zu maximalen Tragezeiten, Erholungsdauer und Pausen bei der Nutzung von Masken mit FFP-Standard (2und 3) auf der Regel zur „Benutzung von Atemschutzgeräten“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Empfehlung zum Tragen von FFP2/FFP3-Masken

  • maximale Tragezeit: längstens zwei Stunden (mit Ausatemventil), 75 Minuten ohne Ausatemventil
  • Mindeserholungsdauer: 30 Minuten

Weitere Aspekte wie Umgebungseinflüsse (etwa Lufttemperatur, Wärmestrahlung) oder Bekleidung (etwa Schutzkleidung) seien außerdem zu berücksichtigen, rät die Genossenschaft. Bei leichter Tätigkeit kann die Tragezeit verlängert werden.

Eine FFP2-Maske ist, wie der bekannte weiße Zellstoff-Mundschutz, für den einmaligen Gebrauch geeignet. Sie kann, insbesondere in privater Nutzung, aber über mehrere Stunden getragen werden. Sollte die Mund-Nasen-Bedeckung allerdings feucht sein, ist sie unbedingt auszutauschen. Doch es gibt Tipps, wie auch eine FFP2-Maske gereinigt und danach wiederverwendet werden kann. Experten halten das - für den Privatgebrauch - durchaus für möglich.

FFP2-Maske bald Pflicht? Vorrat anlegen

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben in einem Versuch bestätigt, dass das Schichten der FFP2-Masken einer Sterilisierung standhalten. Sie erhitzten die Masken bis zu fünf Mal für 15 Minuten auf 121 Grad - „dadurch werden üblicherweise alle vegetativen Mikroorganismen abgetötet“, heißt es. Die Struktur des Filter-Vlieses habe sich nicht verändert, bilanzierten die Forscher. Wichtig für die Wiederverwendung der Masken sei, dass sich auch die Passform nicht zu stark verändert habe.

Wer eine FFP2-Maske privat tragen will - oder es vielleicht mit einer neuen Verordnung auch in Bundesländern wie NRW demnächst zumindest im Nahverkehr und beim Einkauf muss - sollte sich einen kleinen Vorrat anlegen und zumindest für jeden Wochentag eine FFP2-Maske haben. Zur Aufbewahrung eignen sich verschließbare Plastikbeutel.

FFP2-Maske: Filterleistung bei 94 Prozent

Ganz wichtig: Die Maske muss unbedingt richtig getragen werden. Das heißt: Sie muss eng anliegen. Ist das nicht der Fall, kann Luft - und damit eventuell auch Viren - an den Seiten der Maske vorbeiströmen, erklärt der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach. Nur wenn die FFP2-Maske sauber abschließt, ist sie wirksamer als ein herkömmlicher Mund-Nasen-Schutz. Vor allem Bartträger müssen sehr genau darauf achten, dass ihr FFP2-Modell richtig sitzt.

Eine Maske von guter Qualität halte mindestens acht Stunden am Tag, sagt Asbach. Das gelte auch, wenn man die Zeit beim Tragen etwa im Bus und beim Einkaufen aufaddiere. Die Fasern der FFP2-Masken seien elektrisch geladen, erläuterte der Fachmann. So könne der Filtereffekt vergrößert werden, ohne den Atemwiderstand zu erhöhen. Mit der Zeit nutze sich die Ladung aber ab. Ausdrücklich weist der Experte darauf hin, dass auch die Nutzung von FFP2-Masken keinen hundertprozentigen Schutz biete - die Filterleistung liegt bei etwa 94 Prozent. „Man muss sich auch generell von der Vorstellung freimachen, dass es eine einzige Maßnahme gibt, die das Risiko einer Infektion auf null senkt.“

FFP2-Masken sind in Apotheken, in Drogeriemärkten und im Online-Handel erhältlich. Im Dezember gab es einen Ansturm auf Apotheken, als die Bundesregierung entschieden hatte, je drei Masken an alle Bürger über 60 Jahren abzugeben. Inzwischen erhalten Angehörige dieser Altersgruppe Gutscheine ihrer Krankenkasse und können sechs Masken erhalten, für die sie einen Eigenanteil von 2 Euro zahlen müssen. Regulär sind FFP2-Masken ohne Ventil ab etwa 2 Euro pro Stück erhältlich. Nachdem Bayern die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken angekündigt hatte, schossen bei einigen Onlineversandhändlern die Preise in die Höhe. Kommt jetzt der Preisschock? Experten haben darauf klare Antworten.

Rubriklistenbild: © Christian Beutler/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare