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Fleisch-Skandal bei Aldi und Lidl droht: Tests zeigen erschreckende Ergebnisse

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Von: Tobias Utz

Fleisch, das von den Discountern Aldi und Lidl verkauft wurde, steht derzeit in der Kritik. Tests zeigen beunruhigende Ergebnisse.

Kassel – Fleisch von Discountern wie Lidl* oder Aldi* genießt seit Jahren nicht den besten Ruf. Immer wieder werden Haltungsbedingungen für Tiere diskutiert, aber auch gesundheitliche Risiken für Menschen werden thematisiert. Nun sind erneut beunruhigende Details bekannt geworden.

Die Deutsche Umwelthilfe hat zahlreiche Fleischprodukte der Discounter in der Studie analysiert. Das Ergebnis: In mehr als jeder vierten Probe, insbesondere von Putenfleisch, wurden Keime entdeckt, die resistent gegen Antibiotika sind. Für die Tests wurde Putenfleisch in insgesamt jeweils 31 Filialen von Aldi und Lidl in Deutschland eingekauft. Im Lidl-Fleisch lag der Anteil antibiotikaresistenter Keime bei rund einem Drittel, bei Aldi-Fleisch bei rund einem Viertel. Dabei handelte es sich um Fleisch aus der Haltungsklasse Zwei, auch „Stallhaltung Plus“ genannt.

Fleisch-Skandal bei Aldi und Lidl: Deutsche Umwelthilfe übt scharfe Kritik

Die DUH warnt deshalb abermals vor den gefährlichen Folgen von Massentierhaltung und dem damit verbundenen Einsatz von Antibiotika in der Industrie. Vor allem der massenhafte Einsatz der Medikamente erzeugt im Organismus der Tiere eine Resistenz dagegen.

Fleisch-Skandal bei Aldi und Lidl
Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe haben ergeben: In zahlreiche Fleisch-Produkten von Lidl und Aldi enthalten antibiotikaresistente Keime. (Symbolfoto) © Martin Wagner/Imago Images

Das kann schließlich Konsequenzen für Menschen, die das Fleisch, in diesem Fall von Puten, essen, haben. Sind die Erreger erst einmal resistent gegen Antibiotika, wird die Behandlung erschwert: Der Verband warnt, dass sich jedes Jahr mehr als 670.000 Menschen mit antibiotikaresistenten Erregern infizieren. Circa 245.000 Infektionen sind laut Angaben der DUH auf Massentierhaltung zurückzuführen.

„Geflügel in Massentierhaltung wird vollgepumpt mit Antibiotika, bei der Putenmast sogar zu einem erheblichen Teil mit Reserve-Antibiotika. Das ist besonders dramatisch, da hier resistente Erreger entstehen, gegen die uns dann möglicherweise keine Medikamente mehr zur Verfügung stehen.“

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

Die Warnung der Deutschen Umwelthilfe deckt sich mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO betont, auf die Verwendung von Antibiotika in der Fleischwirtschaft zu verzichten. Dass der Einsatz in Deutschland weiterhin möglich ist, was auf die Gesetzgebung der Europäischen Union zurückzuführen ist, sorgt für Kritik seitens der DUH.

Fleisch-Skandal bei Aldi und Lidl: Ab 2030 nur noch Haltungsformen 3 und 4

Das sieht auch der Weltärztebund so: „Die EU droht zwei große Chancen zu verpassen: Erstens Menschenleben zu retten, durch das Verhindern weiterer Antibiotikaresistenzen und zweitens das Tierwohl und die artgerechte Haltung von Nutztieren zu verbessern“, sagt Vorstandsvorsitzender Frank Ulrich Montgomery. Der Fehler liege dabei im System: Beispielsweise würden diese Antibiotika teilweise eingesetzt, um die falschen und nicht artgerechten Haltungsformen der Tiere auszugleichen, heißt es.

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Die Discounter Aldi und Lidl haben zwar bereits angekündigt, ab dem Jahr 2030 nur noch die Haltungsformen Drei und Vier verkaufen zu wollen. Das geht der DUH allerdings nicht weit genug: „Es darf nicht sein, dass sie den Menschen noch neun Jahre lang Fleisch mit mehrfach resistenten Keimen verkaufen dürfen. Wir fordern einen sofortigen Ausstieg aus den Haltungsstufen 1 und 2“, sagt Reinhild, Benning, Agrarexpertin der Deutschen Umwelthilfe.

Katharina Schaufler, die die Tests für die DUH durchgeführt hat, sagt: „Unsere Laborergebnisse belegen, dass die routinemäßige Massenmedikation nicht ohne Folgen bleibt. Putenfleisch mit Belastung von multiresistenten Krankheitserregern gefährdet die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern.“ Schaufler forscht zu diesem Thema an der Universität Greifswald.

Neben der DUH hat auch Greenpeace bereits derartige Tests bei Aldi und Lidl gemacht – mit ähnlichen Ergebnissen.* (tu) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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