Coronavirus dominiert Talkshow

Markus Lanz (ZDF) vor Sommerpause: Tränen bei Tim Mälzer, Corona-Debatten, Rassismus-Enthüllungen und SPD-Kanzlervorschläge

Hinter der ZDF-Talkshow von Markus Lanz liegt ein turbulentes halbes Jahr. Nicht zuletzt durch das Coronavirus-Sars-CoV-2 war oft Anlass gegeben, um hitzig zu diskutieren. Auftritte wie der vom Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert (SPD) oder der weinenden Virologin Brinkmann sind unvergessen. 24hamburg.de blickt auf ein Potpourri der Emotionen zurück.

Hamburg/Altona - Ähnlich wie Profi-Sportler, die sich nach einer kräftezehrenden Saison nach etwas Erholung sehnen, wird auch ZDF-Talkmaster Markus Lanz nichts gegen eine Verschnaufpause einzuwenden haben. Seine gleichnamige Fernsehsendung läuft vorerst nur noch bis zum Donnerstag, 9. Juli 2020 ehe sich der Moderator und sein Produktionsteam in den rund fünfwöchigen Sommerurlaub begeben. Quasi den Akku für die neue Saison aufladen und Bilanz ziehen, was im ersten Halbjahr des neuen Jahrzehnts gut und was schlecht lief. Auch 24hamburg.de-MarkusLanz wagt den Blick zurück und stellt die Highlights vor.

Fernsehshow:Markus Lanz
Erstausstrahlung:3. Juni 2008
Sender:ZDF
Sprache:Deutsch
Besetzung:Markus Lanz
Nominierungen:Deutscher Fernsehpreis für das Beste Infotainment / Talksendung

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Talkshow wegen Coronavirus-Sars-CoV-2 ohne Publikum - Disput mit BVB-Boss Watzke, Star-Koch Tim Mälzer muss weinen

Eines ist bereits direkt zu Beginn dieser Rückschau gewiss: sowohl die „Fernsehmacher“ als auch ZDF-Star Markus Lanz hätten Anfang März 2020 noch nicht damit gerechnet, dass ein Thema bis hin zur Sommerpause alles dominieren würde. Die Rede ist natürlich vom Coronavirus-Sars-CoV-2*, der nach wie vor existenziellen Bedrohung, die den Alltag diktiert. Das äußert sich beispielsweise auch in Talkshows der Marke Markus Lanz, für die ein Studiopublikum charakteristisch ist. Entsprechend den Auflagen, welche die Pandemie erforderlich macht, musste aber auch der 51-jährige Hamburger ohne Zuschauer im Studio in Hamburg-Altona auskommen.

ZDF-Moderator Markus Lanz ist um Diskussionen nicht verlegen, nimmt sich Politiker vor und debattiert über das Coronavirus-Sars-CoV-2. (Archivbild)

Mussten die (prominenten) Gäste eben umso intensiver klatschen und die Konsumenten vorm heimischen TV-Bildschirm mit nicht immer sachlich geführten Diskussionen unterhalten. Ein Beispiel hierfür ist Lanz‘ verbale Auseinandersetzung mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke*, der stets für polarisierende Aussagen gut ist. Wie 24hamburg.de-MarkusLanz berichtet, kam es zum Disput zwischen den beiden Alphatieren, da Watzke vehement das Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) verteidigte. Der TV-Star hingegen befand, dass diese Ausarbeitungen nicht zu Ende gedacht sind und echauffierte sich über den Auftritt des Fußball-Funktionärs.

Generell sind es zumeist wichtige Entscheidungsträger der verschiedensten Gesellschaftsbereiche, die sich in der Hamburger Runde von Markus Lanz gerne mal in ihrem Wirrwarr aus Halbsätzen, vollmundigen Ankündigungen und inhaltslosem Phrasengedresche verheddern. Davon kann der Grünen-Politiker Boris Palmer ein mehrere Strophen langes Lied singen. Der 48-Jährige irritierte Ende April mit einem diffusen Auftritt, der auch den Moderator sichtlich störte. Er warf dem Oberbürgermeister Tübingens gar „als Fürsorge getarnte Niedertracht*“ vor.

Es sind die Emotionen, die Giftpfeile und die offenen Konfrontationen, die das Diskussionsschema der ZDF-Talkshow dominieren. Manch einem oder einer ist mitunter auch zum Weinen zumute, beispielsweise Star-Koch Tim Mälzer. Der Hamburger bricht vor laufender Kamera in Tränen aus*, da ihm das Schicksal seiner zahlreichen Mitarbeiter schlicht und ergreifend emotional mitnimmt. Der Gastronom berichtet von der prekären Situation einer gesamten Branche und lässt alle Dämme brechen, als Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine eineinhalbjährige Durststrecke prognostiziert.

Markus Lanz (ZDF): Hamburger Talkmaster auf Seite von Star-Virologen Christian Drosten - Auseinandersetzungen mit Politikern

Auch die Virologin Melanie Brinkmann ist nah am Wasser gebaut und lässt ihren Emotionen freien Lauf. Als über das „Symbol zur Krise*“, die OP-Masken, gesprochen wird, gesteht sie sich eine Fehleinschätzung ein und wirkt sichtlich aufgewühlt. Dem Heulen zumute wäre wahrscheinlich auch dem ein oder anderem Politiker gewesen, hätte er sich im Nachhinein sein Auftreten bei Markus Lanz noch einmal zu Gemüte geführt. Ob Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), dem der ZDF-Moderator spitzfindig mit an die Hand gibt „Klüger werden ist nicht verboten“ oder CDU-Mann Norbert Röttgen, der vom Hamburger in die Mangel genommen wird und sich mit Lobbyismus-Vorwürfen konfrontiert sieht*.

Bereits in der Vergangenheit kam es aber auch schon vor, dass lediglich eine Person zu Gast war und über ihren Lebensweg berichtete. Oder besser gesagt: über ihr Schicksal redete. So geschehen im Fall vom vermeintlichen Doppelmörder Jens Söring, der 33 Jahren inhaftiert war und seine Strafe überwiegend in den USA absitzen musste. Zurück in Deutschland, beteuert der heute 53-Jährige, unschuldig zu sein*. Ihm wird vorgeworfen, die Eltern seiner ehemaligen Freundin ermordet zu haben.

Einem Rufmord gleicht hingegen die „Kampagne“ der „Bild“-Zeitung gegen Star-Virologen Christian Drosten, der in Zeiten vom Coronavirus-Sars-CoV-2 zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Von den einen wird er für seine Einschätzungen und seinen Podcast gefeiert, von den anderen wird er rigoros niedergeschrieben. In seiner ZDF-Talkshow bricht Markus Lanz eine Lanze für Drosten* und zeigt sich schockiert über die Aussagen einiger Journalisten.

Markus Lanz (ZDF): Talks über Rassismus und Tönnies - Kevin Kühnert (SPD) will TV-Moderator zum Kanzler machen

Grundsätzlich steht und fällt die Fernsehsendung auch mit der Diskussionsfreudigkeit ihres Moderators. Läuft der 51-Jährige zu Hochformen auf, wird auch schon mal ein politischer Hochkaräter wie Bodo Ramelow (Die Linke) gegrillt*. Auch der bereits angesprochene Arbeitsminister kommt nicht ungeschoren davon und Heil wird von Lanz oberlehrerhaft behandelt und gemaßregelt*. Wohl dem, der sich solche Freiheiten rausnimmt und weder vor Namen noch Amt zurückschreckt.

Mitunter kommen auch die Gäste entsprechend zu Wort und dürfen ihre Sicht der Dinge zu einem bestimmten Themenkomplex schildern. Dies betrifft nicht zuletzt den Ex-HSV-Profi Dennis Aogo, der aus erster Hand über rassistische Anfeindungen und Diffamierungen zu berichten weiß*. Eine Diskussion, die aufgrund der brutalen Ermordung des Afroamerikaners George Floyd entstanden ist und fortan immer wieder in den Markus Lanz-Sendungen aufgegriffen wird.

Da sich stets um Aktualität bemüht wird, entsteht auch schnell eine Debatte über den Schalke-Boss Clemens Tönnies*, der aufgrund unzureichender Hygiene-Zustände in seinen Schlachtbetrieben und damit verbundenen Coronavirus-Sars-CoV-2-Infektionen in der Kritik steht. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter dreht den Unternehmer regelrecht durch den Fleischwolf* und lässt keinen Stein auf dem anderen.

Doch auch an Kuriositäten ist die seit 2008 bestehende ZDF-Produktion nicht arm. Jüngstes Beispiel hierfür ist der offene Schlagabtausch zwischen Markus Lanz und dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert (SPD)*, die trotz aller Bemühungen auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Als der Moderator den Berliner hinsichtlich der Kanzlerfrage regelrecht drangsaliert, platz es aus dem 31-Jährigen heraus: „Würden sie gerne Spitzenkandidat der SPD werden?“, will Kühnert von seinem Gesprächspartner wissen. In diesem Moment ist der Hamburger ausnahmsweise um eine Antwort verlegen.

Eine Übersicht aller von 24hamburg.de-MarkusLanz besprochenen Ausgaben der kultigen ZDF-Talkshow findet sich in einer chronologischen Auflistung*. * 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa/picture alliance

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