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Wilhelm: "Sie werden uns vielleicht zerreißen"

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Die deutsche Biathlon-Staffel präsentiert ihre Medaillen
Die deutsche Biathlon-Staffel präsentiert ihre Medaillen © dpa

Whistler - Biathlon-Frauen-Cheftrainer Uwe Müssiggang zieht nach der Bronzemedaille in der Staffel hocherfreut seine Schlussbilanz. Nur Kati Wilhelm hat eine dunkle Vorahnung.

Kati Wilhelm hatte kurz eine dunkle Ahnung: „Weil wir jetzt kein Gold geholt haben, werden sie uns vielleicht zerreißen“, unkte sie nach dem Staffelrennen. Zugleich aber machte die Thüringerin nicht gerade den Eindruck, als würde ihr das groß was ausmachen: „Ich hatte in den Einzelrennen nicht gerade das Glück gepachtet“, sagte Kati Wilhelm, „umso schöner, dass wir jetzt alle gemeinsam Bronze gewonnen haben.“ Für Frauen-Cheftrainer Uwe Müssiggang ein Grund mehr, hocherfreut seine Schlussbilanz zu ziehen: „Wir haben jetzt fünf Medaillen, das ist fantastisch.“

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Großes Aufatmen also, und dennoch sorgte Müssiggangs viel diskutierte Personalentscheidung weiter für Gesprächsstoff. Hatte es doch in der fernen Heimat ein arg zwiespältiges Echo gegeben, nachdem Magdalena Neuner ihren Staffelplatz der Teamgefährtin

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Martina Beck überlassen hatte. Eine von olympischem Geist erfüllte Geste, meinten die einen, eine fahrlässig Minderung der Medaillenchancen zürnten die anderen. Müssiggang wurde dabei mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe es versäumt, seine beste Kraft umzustimmen. „Wenn Lena gesagt hätte, dass sie laufen will, wäre sie gelaufen“, erklärte der Chefcoach. Wobei er auch anmerkte, dass das Echo der Kritiker seine Wirkung hinterlassen hatte: „Der Druck für die Staffel war extrem.“

Unterdessen meldete sich auch Magdalena Neuner zu Wort. Während des Rennens hatte sie es vorgezogen, sich unbehelligt an der Strecke im Wald zu postieren: „Im Stadion wäre es zu stressig geworden.“ Nachher erklärte sie: „Jetzt haben wir alle eine Medaille, wie wir das wollten, und können endlich feiern! Ich bin froh, dass ich die Entscheidung so getroffen habe.“ Allerdings klang auch bei der Doppel-Olympiasiegerin an, dass ihr manche Reaktionen auf ihren Verzicht gar nicht gefielen: „Es gab da schon die wildesten Gerüchte, dass ich unter Druck gesetzt worden sei oder Schiss hätte. Das ist totaler Quatsch.“

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Kati Wilhelm, die bei früheren Winterspielen insgesamt schon dreimal Gold geholt hat, zeigte für Neuners Rückzug volles Verständnis. „Es ist Lena sicher nicht leicht gefallen. Aber nach ihren drei Medaillen wusste sie auch, dass ein wahnsinniger Druck und eine hohe Verantwortung auf ihr lastet.“ Ohnehin sei auch dem umformierten Quartett einiges zuzutrauen gewesen: „Wir waren alle heiß und hatten auch das Gold nicht abgeschrieben.“

Dass dann die Russinnen nicht zu gefährden waren und Frankreich den Kampf um Silber gewann, führte Wilhelm nicht zuletzt auf die Skipräparierung zurück. Sie selbst war schnell unterwegs, ihre Kolleginnen aber mussten sich mit den kaum konkurrenzfähigen Latten einer anderen Firma abmühen. Das bestätigte auch Simone Hauswald: „Die anderen hatten das bessere Material. Schade, dass es ausgerechnet bei Olympia so gelaufen ist.“

Die Schwarzwälderin, die schon im Massenstart Dritte geworden war, fügte aber auch hinzu: „Wir hätten es schlimmer erwischen und mit Platz vier oder fünf nach Hause gehen können. So gesehen freuen wir uns schon über Bronze.“ Das tat auch Müssiggang. Der schon seit zwei Jahrzehnten um interne Harmonie bemühte Trainer befand erleichtert: „Die, die ihre olympische Karriere beenden, nehmen jetzt noch eine Medaille mit.“ Die Staffelläuferinnen Kati Wilhelm (33), Simone Hauswald (30), Martina Beck (30) und Andrea Henkel (31) erklärten in Whistler allesamt, dass dies ihre letzten Winterspiele gewesen seien.

Über ihre Rücktrittspläne wollten sich die Damen der deutschen Ü 30 aber nicht näher äußern. Allerdings war auch kein Widerspruch zu hören, als Martina Beck sagte: „Die Heim-WM 2012 in Ruhpolding, das wäre schon noch was.“ Eine andere Anregung kam von den russischen Olympiasiegerinnen. Drei von ihnen – Olga Saitsewa, Anna Bogaly-Titowets und Olga Medwetsewa – sind bereits Mutter. Bogaly-Titowets meinte: „Ich kann das unseren Konkurrentinnen nur empfehlen: Ein Kind ist wertvoller als jede Medaille.“

Armin Gibis

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