Vor allem Alonso stichelt

Vettel: Kein Bock auf Psychotricks

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Sebastian Vettel hält nichts von Psychotricks.

Nürburgring - Es ist nicht Michael Schumachers historische Rekordmarke, die Sebastian Vettel antreibt. Auch auf dem Weg zu seinem vierten WM-Triumph in Serie will sich der Hesse von Psychotricks der Konkurrenz nicht ablenken lassen.

Mitten in der brisanten Sicherheitsdebatte der Formel 1 will Sebastian Vettel seinen Juli-Fluch besiegen und die nächste Attacke der wiedererstarkten Silberpfeile abwehren. Eine Woche nach den hochgefährlichen Reifen-Platzern von Silverstone sucht der dreimalige Weltmeister beim Heimrennen auf dem Nürburgring am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) die schnelle Rückkehr in die Erfolgsspur. Doch Achtung: Noch nie hat der Red-Bull-Pilot einen Grand Prix im Juli gewonnen. Zunächst aber muss Exklusiv-Hersteller Pirelli mit seinen überarbeiteten Pneus richtig liegen, damit es am Wochenende nicht zum nächsten Eklat kommt.

Darauf hofft auch Vettel, der nach seinem Getriebeschaden von in Großbritannien weiteren Problemen aus dem Weg gehen will. Die Verfolger des WM-Spitzenreiters wittern nach seinem ersten Ausfall in dieser Saison ihre große Chance. Für den 26-Jährigen soll die Panne von Silverstone nicht mehr als eine kleine Delle in der Leistungskurve sein. „Jetzt heißt es weitermachen und die verlorenen Punkte so schnell es geht woanders wieder einsammeln“, sagte Vettel. Mit 132 Zählern steht der Heppenheimer zwar immer noch an der Spitze der Fahrerwertung. Doch Ferrari-Star Fernando Alonso (111) könnte Vettel schon an diesem Wochenende stürzen.

Psychospielchen seiner Konkurrenten lassen Vettel indes kalt. „Ich bekomme das schon mit. Aber ich will mich nicht davon beeinflussen lassen“, sagte Vettel der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in einem Interview. „Ob irgendeiner was sagt, ob es mir gefällt oder nicht - das ist nicht entscheidend für den Ausgang einer WM.“

Ein gewichtiges Wort möchten auch die Silberpfeile mitreden. Sie wollen auf dem Eifel-Kurs mit seinen vielen engen Kurven weitere Attacken gegen Branchenprimus Red Bull fahren. Den Glauben an die eigenen Fähigkeiten hat die Mercedes-Crew. Kein Wunder. Fünf Pole Positions in acht Rennen sind ein eindeutiger Beleg. Zudem: Nach acht Saisonrennen hat das Werksteam schon 29 WM-Punkte mehr gesammelt als in den 20 Läufen des Vorjahres.

Gestärkt durch seinen zweiten Saisonsieg in Silverstone vom Sonntag sieht sich inbesondere Nico Rosberg. „Vom Heim-Grand-Prix des Teams zu meinem Heim-Grand-Prix - ich freue mich sehr auf den Nürburgring und ein Topergebnis“, frohlockte der 28 Jahre alte Mercedes-Pilot. Den Wendepunkt im Muskelspiel mit Red Bull sieht er noch nicht. „Das würde ich noch nicht sagen, aber das Team hat uns ein tolles Auto hingestellt“, sagte Rosberg.

Von den Vorzügen des starken Wagens will auch Teamkollege Lewis Hamilton weiter profitieren. Der Brite erwies sich in dieser Saison als konstanter Punktesammler, siegte als letzter Formel-1-Pilot 2011 in der Eifel - doch auf seinen ersten Grand-Prix-Erfolg seit seinem Wechsel von McLaren im Winter wartet der 28-Jährige noch immer.

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Erste Lösungen gibt es hingegen in der Reifen-Diskussion. Der Automobil-Weltverband macht durch Regeländerungen den Weg zu erweiterten Testfahrten frei. Und Pirelli bringt für die Eifel die Reifen, die eigentlich schon für das Kanada-Rennen am 9. Juni vorgesehen waren. Dadurch soll sich das Desaster von Silverstone, wo während des Rennens an vier Autos jeweils der linke Hinterreifen geplatzt war, nicht wiederholen.

Pirelli gab den Teams eine Mitschuld an dem Fiasko. Falsch montierte Hinterräder und ein extrem niedriger Luftdruck hätten zu der Misere beigetragen. Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery stellte aber schnell klar: „In keiner Weise beabsichtigen wir, einen Streit auszulösen oder irgendjemanden zu attackieren.“ Motorsportchef Toto Wolff von Mercedes meinte am Mittwoch während einer Telefonkonferenz: „Manchmal braucht es dramatische Ereignisse, damit alle an einem Strang ziehen.“

Zur weiteren Fehleranalyse bat FIA-Präsident Jean Todt am Mittwoch auf dem Nürburgring zu einer Krisensitzung. Zu groß war der Druck geworden. Zu groß die Angst vor einem Fahrer-Boykott. „Für unsere Sicherheit muss immer gesorgt sein, darauf habe ich in Bezug auf die Reifen schon vor Wochen hingewiesen“, sagte Vettel der „FAZ“. In Sachen Sicherheit darf es seiner Ansicht nach keine Kompromisse geben.

Auch auf der Rennstrecke will Vettel keine Zugeständnisse machen. In Deutschland durfte Vettel allerdings noch nie über Platz eins jubeln. Insgesamt wartet der dreimalige Formel-1-Weltmeister seit fast 22 Monaten auf einen Sieg in Europa. Da käme ein Triumph auf dem Eifel-Kurs genau zur rechten Zeit.

dpa

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