Steffen Simon im Interview

Sport im TV: Das plant die ARD

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Steffen Simon

Köln - Die Struktur der Samstags-"Sportschau" wird sich nur minimal verändern, dafür gibt es weitere Änderungen in der TV-Welt zur neuen Bundesliga-Saison. Auf einige geht Steffen Simon im Interview ein.

WDR-Sportchef Steffen Simon hat in einem SID-Interview vehement der angeblichen Fußball-Lastigkeit in den Sportübertragungen des öffentlich-rechtlichen TV-Senders ARD widersprochen. „Wie hoch ist der Anteil des Fußballs an unseren Sportübertragungen? Das ist eine Lieblingsfrage, die ich bei Podiumsdiskussionen stelle. Die Standardantwort, die ich bekomme, ist 80 Prozent. Tatsächlich lag der Fußballanteil im vergangenen Jahr bei 22 Prozent, sagte der 48-Jährige.

Fußball sei das, „was die Menschen gucken. In allen anderen Bereichen gehe die Zuschauerakzeptanz zum Teil „dramatisch den Bach runter. Simon: Wir zeigen diese anderen Sportarten trotzdem, weil wir den Auftrag haben und uns die Vielfalt des Sports ein Anliegen ist.

Zufrieden war der Sportschau-Chef mit den Quoten der Samstags-Sportschau in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. „Die Bundesliga-Sportschau hat nach wie vor ein sehr treues Stammpublikum. 5,2 Millionen im Schnitt sind beachtlich, wenn man überlegt, wie fragmentiert der Medienmarkt inzwischen ist, wo man überall die Bundesliga konsumieren kann, betonte Simon. Das SID-Interview mit Steffen Simon im Wortlaut:

Wie fällt Ihr Fazit der abgelaufenen Saison in der Fußball-Bundesliga in Bezug auf die Quoten aus?

Steffen Simon (WDR-Sportchef): Die Bundesliga-Sportschau hat nach wie vor ein sehr treues Stammpublikum. 5,2 Millionen im Schnitt sind beachtlich, wenn man überlegt, wie fragmentiert der Medienmarkt inzwischen ist, wo man überall die Bundesliga konsumieren kann. Da kann man sagen, wir sind das Familienprogramm, wir sind nach wie vor die Sendung, die über Generationen hinweg funktioniert, die auch ein junges Publikum für die Bundesliga begeistert. Ich bin insgesamt mit der Saison sehr zufrieden.

Ab der neuen Saison ändert sich bei den Sonntagsspielen und den Übertragungen in den 3. Programm etwas. Es wird eine zentral vom WDR produzierte Sportschau für alle 3. Programm geben. Können Sie erläutern, wie das Produkt genau aussieht?

Simon: Wir werden ab dem ersten Spieltag der neuen Saison eine einheitliche Sportschau in den 3. Programmen der ARD anbieten. Die wird eine Länge von 20 Minuten haben. Wir haben in der letzten Rechteperiode unseren föderalen Charme in der ganzen Breite sonntags ausgespielt. Das führte aber auch dazu, dass man in dem einen Sender die Information vom Reporter bekam: Das ist auf jeden Fall ein Elfmeter'. Die gleiche Szene ist in einem anderen Sender vielleicht anders beurteilt worden. Hier wollen wir einfach ein noch klareres Profil schaffen, wie wir es schon am Samstag haben, und die Marke Sportschau entsprechend in den Dritten positionieren.„

Ist die Marke Sportschau so stark wie in den Gründerjahren der Bundesliga?

Simon: Man muss sich klar machen, dass die Medienlandschaft vor 1989 noch eine ganz andere war. Da lagen die Zuschauerzahlen deutlich über dem, was wir heute haben. Aber Marktanteile, die konstant über 20 Prozent liegen, haben heute nur ganz wenige.

Ändert sich etwas an der Struktur für die Samstags-Sportschau?

Simon: Es macht sich natürlich immer schön, wenn man zur neuen Saison ganz viele Neuigkeiten präsentieren kann. Aber unsere Stärke sind die Konstanz und die Verlässlichkeit. Deshalb wird sich bei der Sportschau - wenn überhaupt - nur marginal etwas verändern. Die Sportschau steht so wie sie ist.

Hat sich für die ARD etwas verändert, weil ein Pay-TV-Anbieter in Liga total! nicht mehr vertreten ist?

Simon: Der ist ja de facto nicht weggefallen durch die Kooperation der Deutschen Telekom mit Sky. Was sich bei uns verändert hat, ist die Tatsache, dass wir unsere Sendung parallel im Netz und das Tor des Monats auf sportschau.de zeigen können. Das ist es im Wesentlichen.

Wird die Konkurrenz des Axel-Springer-Verlages im Bereich Bundesliga-Berichterstattung im Netz auch als solche wahrgenommen?

Simon: Ich sehe das im Moment unter dem Aspekt der Kollegialität. Das ist Pionier- und Aufbauarbeit, was der Axel-Springer-Verlag leistet. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Online-Rechte 2017 zu einem anderen Preis verhandelt und vergeben werden. Ich glaube aber kurz- und mittelfristig, dass wir als Sportschau keine Probleme bekommen werden. Wir haben schon beim Pay-TV gelernt, dass das keine kommunizierenden Röhren sind, sondern Pay- und Free-TV sehr gut nebeneinander existieren können. Ich glaube, dass ein Pay-Angebot online auch ein eigenes Publikum finden wird.

Wie sieht es mit der Vorbereitung auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien aus?

Simon: Die Planungen laufen auf Hochtouren. Die Federführung liegt bei den Kollegen des SWR. Wir machen das ja schon eine Weile, aber es gibt immer neue interessante Erfahrungen. Der Confed Cup ist für uns auch schon ein kleiner Testlauf.

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Wie sieht es mit der ARD-Berichterstattung über die bevorstehende Tour de France aus? Aufgrund der Dopingenthüllungen in den letzten Jahren haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender weitestgehend zurückgezogen ...

Simon: Im Moment ist es so, dass wir nachrichtlich berichten. Die ASO (französischer Sport-Organisator und -Veranstalter, d.Red.) hat ja auch Lizenzverträge, die über bestimmte Laufzeiten gehen. Kurzfristig ist mir nicht bekannt, dass wir unsere Haltung zur Tour-de-France-Berichterstattung ändern.

Den öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten wird häufig eine zu große Affinität zum Fußball geworfen. Stimmt dieser Eindruck überhaupt?

Simon: Wie hoch ist der Anteil des Fußballs an unseren Sportübertragungen? Das ist eine Lieblingsfrage, die ich bei Podiumsdiskussionen stelle. Die Standardantwort, die ich bekomme, ist 80 Prozent. Tatsächlich lag der Fußballanteil im vergangenen Jahr bei 22 Prozent. Das heißt, wir haben rein quantitativ überhaupt keine Dominanz des Fußballs, aber sehr wohl eine hohe qualitative Dominanz - auch bei denen, die uns diese Vorwürfe machen.

Was bedeutet das genau?

Simon: Fußball ist das, was die Menschen gucken. In allen anderen Bereichen geht die Zuschauerakzeptanz zum Teil dramatisch den Bach runter. Wir zeigen diese anderen Sportarten trotzdem, weil wir den Auftrag haben und uns die Vielfalt des Sports ein Anliegen ist. Allerdings wird das nicht mehr lange funktionieren nach dem Motto, die Öffentlich-Rechtlichen müssen schon machen, die haben den Auftrag. Ich glaube aber, dass das ein gesellschaftliches Problem ist. Das Publikum ist immer weniger bereit, Dinge anzuschauen, die nichts mit dem Fußball zu tun haben. Und wenn man dem wirklich etwas entgegensetzen will, dann reicht es nicht, auf die Öffentlich-Rechtlichen zu schimpfen. Dann braucht man andere Konzepte. (SID)

sid

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