Entscheidung in Innsbruck

Skisprung-WM ohne Olympiasieger Andreas Wellinger? Das sagt der Bundestrainer

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Muss Skispringer Andreas Wellinger bei der WM nur zuschauen?

Bundestrainer Werner Schuster darf vier Skispringer bei der Skisprung-WM aufstellen - für wen reicht es nicht?

Innsbruck - Wohlig-warmes Frühlingswetter und das gewohnte Innsbrucker Traumpanorama: Der Bergisel empfing die deutschen Skispringer beim Start ins WM-Abenteuer mit all seiner Pracht. Das Tiroler Postkarten-Idyll bei den ersten Trainingsdurchgängen ließ aber nur kurz vergessen, dass auf den scheidenden Bundestrainer Werner Schuster knallharte Entscheidungen zukommen - und er womöglich seinen Olympiasieger auf die Bank setzen muss.

"Die Substanz im Team ist riesig, ich kann mich nur auf die WM freuen", sagte der Wahltiroler Schuster vor seinen Heimspielen. Dass seine Mannschaft trotz vieler Rückschläge seit Saisonbeginn - die schwere Verletzung David Siegels, das Saison-Aus Severin Freunds, die Krisen Andreas Wellingers und Richard Freitags - auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zum Saisonhöhepunkt antritt, verwundert aber selbst den erfahrenen Hauptübungsleiter.

"Das Team ist in einer Umbruchphase, Leistungsträger sind außer Form oder verloren gegangen - das würde so kaum ein Team aushalten", sagte Schuster, "aber wir sind trotzdem nicht weggebrochen." Mehr noch: Jeder einzelne seiner fünf Jungs ist an einem guten Tag ein WM-Mitfavorit, bis auf Freitag (Vierter in Willingen) landeten alle in der laufenden Saison auf dem Podest.

Allerdings leistete sich jeder aus seinem Quintett auch jähe Abstürze. Freitag, Wellinger und Markus Eisenbichler (dieser allerdings wegen eines nicht regelkonformen Anzugs) scheiterten schon in der Qualifikation, Stephan Leyhe (zweimal 35.) und Karl Geiger (47. in Sapporo) erlebten gleichfalls schwarze Tage.

"Wir sind nicht die Topfavoriten, müssen einfach gute Tage erwischen", sagte Schuster. Er selbst muss bei seiner letzten WM ein gutes Händchen haben und verstärkt seinem Instinkt vertrauen. Vier Springer darf er auf der Innsbrucker Großschanze im Einzel (Qualifikation am Freitag, Entscheidung am Samstag) und Team (Sonntag) an den Start bringen, einer muss zusehen.

Der Tourneezweite Eisenbichler wird kaum durch das Raster fallen. "Wenn er einen guten Sprung macht, ist er der Allerbeste", sagte Schuster: "Er hat irrsinnigen Zug im Sprung, aber wenn er das mal übertreibt, ist es ein Tanz auf der Rasierklinge."

Geiger fährt als Sieger der Generalprobe in Willingen zur WM, hat aus gleicher Ausgangsposition aber schon bei der Tournee gepatzt. Der Oberstdorfer ist vor allem ein Mann für die kleine Seefelder Schanze in der zweiten WM-Woche, um einen Platz im Bergisel-Team wird er aber kämpfen müssen.

Dort wiederum könnte Richard Freitag trotz zumeist vergeigter Saison eine zentrale Rolle spielen. Der Sachse meldete sich in Willingen in starker Form zurück, zudem ist er letzter deutscher Innsbruck-Sieger (Tournee 2015). Ein Wackelkandidat könnte Leyhe werden, obwohl der Hesse lange bester Deutscher im Gesamtweltcup war - zuletzt zeigte die Formkurve nach unten.

Bleibt Wellinger. Der Ruhpoldinger war bei der WM 2017 mit zweimal Einzelsilber und mit Gold bei Olympia in Pyeongchang die große Nummer, nun hat er seit Platz zwei Ende November in Kuusamo kein Top-10-Resultat erreicht. "Er ist nicht weit weg, es sind Kleinigkeiten. Wir geben da nicht auf", sagt Schuster zwar. Einiges spricht aber dafür, dass ausgerechnet der erfolgreichste DSV-Adler der vergangenen Jahre das Innsbrucker Idyll als unfreiwillig Unbeteiligter betrachten könnte.

sid

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