"Grubauör" in der NHL

Der rasante Aufstieg eines Rosenheimers

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Philipp Grubauer (r.) sorgt für Furore.

Washington - Seinen Namen kannten vor Saisonbeginn nur die Insider unter den Fans der Washington Capitals. Doch mit starken Leistungen hat sich Eishockey-Torwart Philipp Grubauer in den Vordergrund gespielt.

Eishockey-Superstar Alexander Owetschkin ist von ihm begeistert, Trainer Adam Oates spricht von „großartigen Leistungen“. Und Philipp Grubauer selbst kratzt sich fast verlegen am Zehn-Tage-Bart, wenn er auf die vergangenen Wochen im NHL-Tor der Washington Capitals angesprochen wird. „Ich hab's eigentlich nicht erwartet, dass ich als junger Schlussmann gleich so viele Spiele machen darf“, sagt der 22-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.

Der rasante Aufstieg des Rosenheimers erinnert ein wenig an den amerikanischen Traum. Nach zwei NHL-Einsätzen im Frühjahr war Grubauer zu Saisonbeginn in der Capitals-Hierarchie hinter Braden Holtby und Michal Neuvirth nur Nummer drei und spielte deshalb im Farmteam bei den Hershey Bears in der American Hockey League (AHL). Doch als Ersatzmann Neuvirth Ende November beim Betreten des Eises auf einem Puck wegrutschte und wochenlang mit einer Knöchelverletzung ausfiel, bekam Grubauer seine Chance. Mittlerweile ist Neuvirth wieder fit - doch „Grubauör“ hat im Capitals-Kasten längst überzeugt.

„Er hat von seinem ersten Einsatz an großartig gespielt und das Team mit seinen Leistungen wachgerüttelt. Philipp hat sich weitere Spiele verdient und deshalb stelle ich ihn auf“, betont Oates. „Er spielt mit Selbstvertrauen und wenn du so auftrittst, bist du zu allem fähig“, ergänzt Owetschkin. Torwarttrainer Olaf Kölzig reagiert gelassen, wenn er über die Leistungen seines Landsmannes spricht. Der ehemalige deutsche Nationaltorwart hatte im Vorjahr bereits in Hershey mit Grubauer gearbeitet und ihm großes Potenzial bescheinigt. „Je größer die Aufgabe, desto besser spielt Philipp. Und es ist vor allem beeindruckend, wie ruhig und gelassen er bleibt“, sagt Kölzig.

Bereits bei seinem ersten Auftritt von Beginn an zeigte Grubauer keine Nerven. Washington gastierte Anfang Dezember bei den New York Rangers, in Amerikas heiligster Halle, dem Madison Square Garden. Die Capitals gewannen 4:1 und Grubauer wurde zum Spieler der Partie gewählt. Mittlerweile hat das Hauptstadtteam mit ihm im Tor in 14 Spielen 17 der maximal 28 Punkte geholt. Das mag nach Mittelmaß klingen, ist aufgrund der Defensiv-Schwächen der Capitals jedoch eine starke Bilanz. Ohne den jungen Bayern haben die „Caps“ im Schnitt 3,4 Gegentreffer pro Partie bekommen, Grubauers Durchschnittswert beträgt 2,06. Seine Prozentzahl gehaltener Schüsse liegt gar bei 93,6.

Doch die starken Leistungen des Deutschen lassen sich nicht nur an Statistiken ablesen. „Ab und zu sieht man schon ein Grubauer-Trikot und das Medien-Interesse ist auch wesentlich gestiegen“, sagt Grubauer. Er versuche einfach, so gut wie möglich den deutschen Eishockey-Markt und natürlich auch Deutschland zu vertreten und nie zu vergessen, wo er herkomme, betont der Schlussmann.

Inzwischen liebäugelt der Bayer gar schon mit einer WM-Teilnahme im Mai in Weißrussland. „Grundsätzlich freue ich mich immer, wenn ich Deutschland in Turnieren repräsentieren darf“, sagte Grubauer dem Internetanbieter spox.com. Dafür müssten die Caps allerdings entweder die Playoofs verpassen oder dort früh scheitern und Grubauer danach keine AHL-Verpflichtungen mehr für Hershey haben. Grubauer weiß, dass er jederzeit wieder in die AHL geschickt werden könnte. Deshalb denkt er nicht an mögliche Playoffs oder gar den Stanley Cup, sondern schaut „nur von Spiel zu Spiel und Training zu Training“.

dpa

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