Tour de France

Nur Sagan hängt Degenkolb ab

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Nur er war besser als John Degenkolb: Peter Sagan

Albi - John Degenkolb hat bei der 100. Tour de France seinen ersten Etappensieg knapp verpasst. Er musste sich im Sprint in Albi nur Peter Sagan geschlagen geben.

John Degenkolb stapfte wütend in seinen Teambus und schrie sich seinen Frust von der Seele. Der Ärger über den knapp verpassten Sieg auf der 7. Etappe der 100. Tour de France war riesig, erst nach Minuten beruhigte sich der deutsche Radprofi und machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass für mich der zweite Platz der erste Verlierer ist“, sagte Degenkolb, nachdem er sich im Sprint in Albi nur Peter Sagan hatte geschlagen geben müssen.

In einem Finale, in das die längst abgehängten Andre Greipel und Marcel Kittel nicht eingriffen, lag Degenkolb bis wenige Meter vor dem Ziel in Führung, ehe sich Sagan mit einem beeindruckenden Antritt noch am 24-Jährigen vorbeischob.

„Ich wollte Sagan austricksen. Ich habe ihn auch überrascht, weil ich links vorbei bin. Am Ende war Sagan stärker. Es ist sehr ärgerlich, aber ich glaube, ich habe trotzdem meine Chance genutzt“, sagte Tour-Debütant Degenkolb und versprach: „Beim nächsten Mal wird es reichen.“

Gereicht hatte es nach mehreren knappen Niederlagen für Sagan. Der Slowake feierte seinen ersten Tageserfolg bei der Jubiläumsausgabe und hielt sich an ein Versprechen. Wie im Vorjahr, als er seine Siege als „Forrest Gump“ oder „Mario Balotelli“ zelebrierte, jubelte er erneut in spezieller Form: Mit beiden Händen zupfte sich Sagan im Brustbereich am Trikot und symbolisierte damit Dankbarkeit gegenüber seinen Teamkollegen.

„Ohne sie hätte ich nicht gewinnen können. Sie waren unglaublich“, sagte der 23-Jährige. Zugleich erinnerte er damit an eine Pose von NBA-Superstar Kobe Bryant, die im Internet auch dank der Comicserie „South Park“ als „Faith Hilling“ zahlreiche Nachahmer findet.

Sagan, der auch den Zwischensprint für sich entschied, baute zeitgleich seine Führung in der Punktewertung deutlich aus und unterstrich vor den beiden schweren Pyrenäenetappen am Wochenende seinen Status als Favorit auf den Gewinn des Grünen Trikots.

„In den ersten Tagen habe ich mich nicht so wohl gefühlt, aber es wurde immer besser“, sagte Sagan. Auf der 205,5 km langen Etappe war neben Greipel und Kittel auch der Brite Mark Cavendish frühzeitig zurückgefallen und musste einen herben Rückschlag im Rennen um das „Maillot vert“ hinnehmen.

Eine erste Vorentscheidung fiel bereits am Col de la Croix de Mounis, rund 110 km vor dem Ziel. Greipel (Rostock/Lotto), Kittel (Arnstadt/Argos) und Cavendish (Quick Step) wurden auf dem 6,7 km langen Anstieg der 2. Kategorie abgehängt und fielen rund zweieinhalb Minuten zurück - der Startschuss für ein packendes Fernduell der Sprinterteams.

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Wie bei einem Teamzeitfahren hielt Sagans Cannondale-Equipe an der Spitze der ersten Gruppe das Tempo hoch, während Fahrer von Argos-Shimano, Lotto-Belisol und Quick Step zu ihren Spitzenfahrern stießen und verzweifelt um den Anschluss kämpften. Nach einer über eine Stunde andauernden Jagd gaben die Verfolger schließlich rund 40 km vor dem Ziel auf und ließen Sagan gewähren.

Unterstützt wurde Cannondale zeitweise durch Orica-GreenEdge um den weiter Gesamtführenden Daryl Impey (Südafrika). Gemeinsam schlossen die beiden Mannschaften auch die Lücke zu drei Ausreißern, die rund 60 km vor dem Ziel attackiert hatten.

Auch Altmeister Jens Voigt konnte die Siegpläne Sagans nicht durchkreuzen. Gemeinsam mit dem Franzosen Blel Kadri (AG2R) hatte sich Voigt kurz nach dem Start auf die Reise gemacht. Das Duo fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung von knapp sieben Minuten hinaus, gegen die von Cannondale forcierte Nachführarbeit war das Duo jedoch machtlos. Voigt wurde 97 km vor dem Ziel vom Feld eingeholt.

„Wir hatten heute etwas mehr Freiheiten. Ich habe versucht, mich vorne auszutoben. Aber dann hat Cannondale gesagt, dass sie einen anderen Plan haben“, sagte Voigt. Kadri tröstete sich mit dem Bergtrikot, das er von seinem Landsmann Pierre Rolland (Europcar) übernahm.

Nach der weitgehend flachen ersten Tour-Woche ruft bei der Frankreich-Rundfahrt am Samstag erstmals der Berg. Bei der ersten Hochgebirgsetappe der 100. Ausgabe steht in den Pyrenäen gleich das Dach der Tour auf dem Programm. Insgesamt 195 km liegen zwischen Castres und dem Skigebiet Ax-3-Domaines. Über rund 150 km verläuft die Strecke zunächst hauptsächlich flach, ehe es auf den 2001 m hohen Col de Pailheres geht. Nach der Abfahrt folgt der Weg hinauf nach Ax-3-Domaines.

sid

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