Halbfinale erreicht

Djokovic maschiert - und del Potro braucht „Zauberpillen“

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Novak Djokovic mit endloser Freude über den Halbfinaleinzug

London - Novak Djokovic marschiert ohne Satzverlust durch Wimbledon. Im Halbfinale trifft er auf Juan Martin del Potro, der allerings „Zauberpillen“ zum Weiterkommen brauchte.

In der Royal Box zitterte Sir Alex Ferguson mit seinem Landsmann Andy Murray. Der britische Traum vom ersten Wimbledonsieg seit 77 Jahren war in Gefahr, das war auch im Gesicht der schottischen Fußballtrainer-Legende abzulesen. Doch Murray kam gegen den Spanier Fernando Verdasco nach 0:2-Satzrückstand zurück und zog ins Halbfinale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt ein. Dort trifft er am Freitag auf Jerzy Janowicz, der im Duell mit seinem Landsmann Lukasz Kubot polnische Sportgeschichte schrieb.

Das zweite Halbfinale bestreiten Novak Djokovic und Juan Martin del Potro. Beide sind noch ohne Satzverlust, die Voraussetzungen vor der Begegnung könnten dennoch kaum unterschiedlicher sein. Während der Weltranglistenerste Djokovic, der zuvor Tommy Haaas bezwungen hatte, sein Viertelfinale gegen den Finalisten von 2010 Tomas Berdych (Tschechien/Nr. 7) 7:6 (7:5), 6:4, 6:3 gewann, brauchte der Argentinier del Potro „Zauberpillen“ für seinen 6:2, 6: 4, 7:6 (7:5)-Sieg gegen David Ferrer (Spanien/Nr. 4).

„Ich war kurz davor aufzugeben“, bekannte der 1,98 Meter große „Turm von Tandil“, der sich nach fünf gespielten Punkten das ohnehin schon lädierte Knie verdreht hatte: „Dann kam der Doktor und hat mir ein paar Zauberpillen gegeben.“ Die Schmerzmittel wirkten schnell, zwei Stunden später ließ sich del Potro wieder auf den Heiligen Rasen fallen - diesmal vor Glück.

Gegen Djokovic darf sich der frühere US-Open-Sieger keine Schwäche leisten. Der Serbe ist in der Rasenform seines Lebens, nach eigener Aussage spielt er noch besser, als bei seinem Wimbledonsieg 2011. Selbst als er im zweiten Satz mit Doppel-Break in Rückstand lag, blieb er gelassen. „Ich weiß gar nicht, wie ich das noch umgebogen habe“, sagte Djokovic, der nun zum 13. Mal in Folge im Halbfinale eines Majors steht.

Bereits zum fünften Mal in Folge steht Murray im Halbfinale von Wimbledon, damit er aber nicht wie sein Vorgänger Tim Henman endet, der vergeblich dem Triumph im Allerheiligsten des Tennis hinterhergelaufen war, muss er sich gewaltig steigern. Gegen den ungesetzten Verdasco, der bislang auf Rasen nie auf sich aufmerksam gemacht hatte, brauchte Murray 3:27 Stunden und die Zuschauer auf dem Centre Court und dem Mount Murray starke Nerven. 4:6, 3:6, 6:1, 6:4, 7:5 setzte sich der Hoffnungsträger auf den ersten britischen Titel seit Fred Perry im Jahr 1936 durch.

Murray, der im vergangenen Jahr das Finale erreicht hatte und wenige Wochen später im All England Club Olympiasieger geworden war, drohte unter dem Erwartungsdruck der ganzen Nation zusammenzubrechen. Dass Sir Alex Ferguson und auch der englische Fußball-Nationaltrainer Roy Hodgson in der königlichen Loge Platz genommen hatten, erleichterte die Aufgabe nicht.

Die Augen eines ganzen Landes ruhten auch auf dem ersten polnischen Viertelfinale der Grand-Slam-Geschichte zwischen Janowicz und Überraschungsmann Kubot. Damit stand schon vor dem ersten Ballwechsel fest, dass das polnische Herrentennis Halbfinal-Premiere bei einem der vier wichtigsten Turniere der Saison feiert. Janowicz gewann 7:5, 6:4, 6:4 und nahm Kubot am Netz in den Arm. Die Freunde tauschten ihre Shirts und ließen sich gemeinsam vom Publikum feiern.

SID

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