"Brauche Erholungsphase"

Nguyen sagt überraschend für Turn-WM ab

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Marcel Nguyen

Berlin - Olympia-Held Marcel Nguyen hat am Mittwoch völlig überraschend seine Teilnahme an den Turn-Weltmeisterschaften in Antwerpen vom 30. September bis 6. Oktober 2013 abgesagt.

Marcel Nguyen zieht die Notbremse. Fast exakt ein Jahr nach seinen olympischen Silbertriumphen in London nimmt sich der wettkampfmüde zweimalige Barren-Europameister eine Auszeit. Wie der Deutsche Turner-Bund (DTB) mitteilte, wird der achtmalige deutsche Meister nicht an den Weltmeisterschaften im Oktober in Antwerpen teilnehmen und stattdessen in den kommenden Monaten seinen Schwerpunkt auf die Erarbeitung neuer Übungsteile legen.

„Mein großes Fernziel sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Hier muss ich einfach jetzt schon die Grundlagen legen, um dann in Brasilien erfolgreich zu sein. Dazu gehören der kontinuierliche Aufbau von neuen Übungen und auch eine gewisse Erholungsphase“, sagte der 25-Jährige.

Eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Monaten bereits abzeichnete. Der Stuttgarter trat sowohl bei den Europameisterschaften in Moskau als auch beim Deutschen Turnfest in Mannheim nur noch am Barren und an den Ringen an. Schon in der russischen Hauptstadt beklagte Nguyen eine gewisse Erschöpfung, Folge eines randvollen Terminkalenders seit dem Mehrkampf-Silber in London im August 2012.

Der Halb-Vietnamese avancierte speziell in Asien zu einem echten Star, war Ehrengast bei einer Silvester-Gala in Hongkong und auch auf dem deutschen Werbemarkt gut im Geschäft. „Jetzt ist eine gute Zeit, um aus dem Sport etwas rauszuholen, auch finanziell“, sagte Nguyen seinerzeit. Und der Hochleistungssport ging ohne Pause weiter, im März wurde er Weltcup-Gesamtsieger und kassierte dafür 58.500 Euro.

Dem Schützling von Trainer Waleri Belenki ist möglicherweise auch Fabian Hambüchen ein warnendes Beispiel. Der ehemalige Reck-Weltmeister überhörte in einer ganz ähnlichen persönlichen Situation vor vier Jahren die Alarmsignale seines Körpers, reiste ausgebrannt zur WM an und verletzte sich prompt bei den Welttitelkämpfen in London schwer.

Daher konnte Nguyen mit dem Verständnis der DTB-Verantwortlichen rechnen, zumal bei der WM in der belgischen Metropole kein Mannschafts-Wettbewerb auf dem Programm steht. „Mit Blick auf die Olympischen Spiele akzeptieren wir in diesem speziellen Fall die Entscheidung und den von ihm eingeschlagenen Weg“, erklärte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam.

Auch Cheftrainer Andreas Hirsch möchte seinen Lieblingsschüler auf keinen Fall verheizen, denn aus dem erfolgreichen 87er-Jahrgang der deutschen Kunstturner mit Hambüchen und Nguyen ist ihm bereits Philipp Boy abhanden gekommen. Der aktuelle Vize-Weltmeister im Mehrkampf beendete wenige Monate nach London wegen mentaler Probleme seine erfolgreiche Laufbahn.

sid

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