Vor Spiel 6 der NBA-Finals 

Die Splash Brothers: Verteidiger des Basketball-Imperiums

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Wunderwerfer der Warriors: Stephen Curry (links) und Klay Thompson

Die Basketball-Welt hat sie längst zu den besten Werfern aller Zeiten gekrönt. Ihre Taten sind Stoff für Legenden. Doch nun stehen Stephen Curry und Klay Thompson - die Superstars der Golden State Warriors - vor ihrer größten Herausforderung. 

San Francisco - Die Heldentaten Jürgen Klopps und seines Liverpool FC haben längst San Francisco erreicht. Zwar leuchtet die Stadt noch immer im Gelb der Golden State Warriors, doch die Chef-Konstrukteure des Meisters haben sich als Fans des Deutschen geoutet. Co-Trainer Ron Adams erklärt unserem Portal, wie froh er war, immerhin die letzten 38 Minuten des Champions-League-Triumphs verfolgt zu haben. Mehr ging im Finalstress der NBA nicht. Chefcoach Steve Kerr hatte sich schon im Viertelfinale aus Klopps Sprüche-Box bedient. Einen Tag nach dem 4:0-Erfolg über Barcelona nannte auch er seine Basketballer „verdammte Giganten“. Sie hatten trotz der Verletzung ihres Besten, Kevin Durant, die wichtige Partie gegen Houston umgebogen. Den Sieg des Liverpool FC sah Kerr als „einen der größten der Fußball-Geschichte“. Liverpools Wahrscheinlichkeit für ein Wunder nach dem Hinspiel bezifferten die britischen Buchmacher mit 1,96 Prozent.

Der größte Sieg ihrer Ära

So gesehen befinden sich die Warriors ja noch in einer glänzenden Lage. 1:3 lagen sie in der Finalserie gegen Toronto zurück. Die Geschichte der NBA lehrt: 33 von 34 Teams verloren tatsächlich das Endspiel. Ergibt noch 2,95 Prozent Sieg-Wahrscheinlichkeit. Doch die Zahlen-Jonglage führt im Fall der Warriors in die Sackgasse. Denn sie bieten Stephen Curry und Klay Thompson auf - zwei Spieler, die die Welt noch nicht erlebt hat, die dafür leben, Quoten wie Gegner zu zermahlen. Das Duo versenkt Bälle aus Distanzen, aus denen Hobbysportler froh sind, den Ring zu berühren. Manchmal schlägt es aus acht oder neun Metern Entfernung ein. 57 Punkte und zwölf Dreier gelangen ihnen in Partie fünf in Toronto. In den letzten drei Minuten bogen sie einen Sechs-Punkte-Rückstand in einen 106:105-Erfolg um und währten den ersten Matchball ab. Teamkollege Draymond Green erklärte den Sieg, den das Drama um Kollege Kevin Durant überschattete, zum wichtigsten ihrer Ära. Große Worte angesichts der drei Meisterschaften und fünf Finalteilnahmen seit 2015.

Curry und Thompson verteidigen als Letzte das bröckelnde Basketball-Imperium, dessen Fundament sie sind. Beide galten in ihrer Zeit am College als große Talente mit kleinen Macken. Curry, dessen Vater Dell schon als NBA-Scharfschütze Geld verdiente, sahen die Sichter als zu schmächtig an. Sie warnten zudem vor seinen instabilen Sprunggelenken. Bei Kollege Thompson bemängelten die Scouts zwei Jahre später seine Athletik, vor allem die Geschwindigkeit. Entsprechend spät ging das Duo bei der großen Talentschau über die Theke. Keiner ahnte, dass sich die Zwei einmal zu den „besten Werfern aller Zeiten“ entwickeln würden, wie sie der damalige Trainer Mark Jackson schon 2013 pries. Damals gewiss eine Hyperbel. Mittlerweile haben Curry und Thompson genügend Beweise geliefert, die diesen Titel rechtfertigen. Voriges Jahr schalteten sie Houston nach 2:3-Rückstand im Halbfinale aus. 2016 kämpften sie sich gar von einem 1:3 gegen Oklahoma zurück. Thompsons hält seitdem den NBA-Rekord mit elf Dreiern in einer Playoff-Partie. Als Referenz an diese magische Nacht nennen die Sport-Junkies den Sieg nur "Klay-Game". US-Podcaster Bill Simmons hat drei Jahre nach Thompsons 41-Punkte-Gala eine eigene Folge zu diesem sechsten Duell gegen OKC aufgenommen. Draymond Green, der spirituelle Anführer des Titelverteidigers, hat Toronto vorsichtshalber schon einmal vorgewarnt, dass sich Geschichte wiederholen könnte: „Wir haben jede Situation schon einmal erlebt.“

Curry und Thompson - die Zwillingssonnen der Warriors

Mit einer Ausnahme: Noch nie mussten Curry und Thompson alleine so viel Arbeit verrichten. Superstar Kevin Durant verletzte sich bei seiner Rückkehr in Spiel fünf schwer an der Achillessehne. Mit Durant war der Meister unschlagbar. Ohne ihn stellen die Warriors zwar noch eine der besten Mannschaften, jedoch eine, die verwundbar geworden ist. Früher nutzten ihre Mitspieler die Panik beim Gegner aus, für die Curry und Thompson mit ihren Wunderwürfen sorgten. Heute schleppt das Duo eine Ansammlung aus verwundeten, weniger talentierten und ungefährlicheren Kämpfern zu zwei Erfolgen im Endspiel. Golden State hat die Breite im Kader für Durant geopfert. Um Toronto zwei weitere Male zu schlagen, braucht es zwei magische Nächte der „Splash Brothers“, wie Amerika sie nennt. Um die zwei Zwillingssonnen dreht sich das komplette Universum des Meisters. Selbst nach fünf Jahren hat die beste Basketballliga der Welt noch kein Gegenmittel für das Pick and Roll zwischen Curry und Draymond Green, dem Mastermind, gefunden. Dank dieser Eröffnung, die den Ball häufig zu Thompson geleitet, haben die Warriors alle Gegner Schachmatt gesetzt. Bis auf einen: die Cleveland Cavaliers um LeBron James schlugen 2016 Golden State trotz 1:3-Rückstands - und drei Prozent Siegchance. 

Die Geister dieser Schmach suchen die Warriors noch immer heim. Doch sie lassen sich vertreiben. Es braucht dafür ein eigenes Wunder und zwei weitere Erfolge über Toronto. In der Nacht auf Freitag steigt Spiel sechs. Das letzte in der legendären Oracle-Arena. Mit einem vierten Titel würden Curry und Thompson ihrer Mannschaft, die so oft in Frage gestellt worden ist, einen Platz im NBA-Olymp sichern. Anfangs hielt man sie für zu jung, dann warf sie zu viele Dreier, zeigte zu viele Emotionen und spielte zuletzt zu gelangweilt und gesättigt nach den vielen Siegen. Der Test, der ihr nun bevorsteht, ist härter, die Ungewissheit, wie es danach weitergeht, größer als je zuvor. Auf dem Spiel steht die größte Basketball-Dynastie des Jahrzehnts, die bei einer zweiten Final-Niederlage enden würde.

Nach dem Ende der NBA-Saison 2018/2019 sorgte ein Star für eine faustdicke Überraschung: Darren Collison gab im Alter von 31 Jahren sein Karriereende bekannt, dabei hätte er im Sommer einen Mega-Vertrag unterschrieben können.

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