Babypause bis Olympia 2016

Issinbajewa: Doch kein Rücktritt

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Jelena Issinbajewa in Moskau

Moskau - Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa hat nach ihrem WM-Sieg in Moskau betont, ihre Karriere im nächsten Jahr nur unterbrechen und nicht beenden zu wollen.

Ihre Weltrekorde hat Jelena Issinbajewa stets generalstabsmäßig geplant. Einen Zentimeter nach dem anderen, die Bühnen waren perfekt gewählt, insgesamt 30 Mal. Genauso ambitioniert verfolgt die erfolgreichste Stabhochspringerin der Geschichte auch ihr nächstes Ziel: „Ich mache jetzt Pause und werde ein Baby bekommen.“ Vor der Familienplanung hatte Issinbajewa noch schnell den Staatsauftrag Gold erfüllt und für den ersten emotionalen Höhepunkt bei der bislang stimmungsarmen WM in Moskau gesorgt.

Als der dritte WM-Titel nach 2005 und 2007 mit 4,89 m unter Dach und Fach war, ließ das Glamour Girl der Leichtathletik die Weltrekord-Höhe 5,07 m auflegen. „Jelena, Jelena“ schallte es ohrenbetäubend durch das monumentale Luschniki-Stadion, Schauplatz der Olympischen Spiele 1980. Issinbajewa scheiterte, versprach aber: „Der Rekord kommt dann halt ein bisschen später.“

Viele Fans hatten Issinbajewas Rücktritt in den vergangenen Jahren befürchtet, immerhin hatte sie seit Olympia 2008 keinen großen Titel unter freiem Himmel mehr gewonnen. Gerüchte kamen auf, sie habe Depressionen, sei ausgebrannt. Issinbajewa gab zu, dass sie vor der WM „große Probleme“ hatte, mental und körperlich nicht auf der Höhe war.

Gemeinsam mit Trainer Jewgeni Trofimow, der sie einst in Wolgograd zur weltbesten Stabhochspringerin geformt hatte, arbeitete sich die 31-Jährige aus dem Tief. Der WM-Auftrag kam ja schließlich von ganz oben. Dem Vernehmen nach soll Staatschef Wladimir Putin, immer schon glühender Verehrer der ehemaligen Kunstturnerin mit den strahlend blauen Augen, persönlich um den Start gebeten haben.

Belohnt wurde Issinbajewa mit der „wertvollsten Goldmedaille“ ihrer Laufbahn. „Nach den Enttäuschungen und Verletzungen vor der WM habe ich nicht mehr an mich geglaubt, ich war verzweifelt. Früher kannte ich Niederlagen ja überhaupt nicht“, sagte Issinbajewa, die nun einen neuen Abschnitt ihres Lebens entdecken möchte. Den Kinderwunsch hat sie schon lange, die Angst vor dem Karriereende ließ sie jedoch immer wieder zögern. Auch nach ihrem WM-Sieg sagte Issinbajewa: „Ich glaube nicht daran, dass mein Leben nach dem Sport so schön sein wird wie mein Leben mit dem Sport.“

Daher lässt sich die Millionen-Dollar-Frau, die mit ihrem chinesischen Ausrüster mehr verdient als Sprint-Superstar Usain Bolt, ein Hintertürchen offen und spricht nur von einer Auszeit. In Rio will sie zurückkommen, und sie rechnete auch gleich mal vor, wie ihr Vorhaben klappen kann: „Neun Monate ein Baby im Bauch, neun Monate stillen. Das macht 18 Monate.“ Es könnte reichen für die Rückkehr auf die olympische Bühne.

Issinbajewas Abwesenheit könnte so ganz nebenbei auch die ewige Vierte Silke Spiegelburg erlösen. Nach der Hallen-WM, der EM und Olympia 2012 setzte sich deren „Blech-Serie“ auch in Moskau fort. Im letzten Versuch über 4,82 m schnappte ihr die Kubanerin Yarisley Silva die Bronzemedaille weg. Silber holte Olympiasiegerin Jennifer Suhr aus den USA (4,82). Spiegelburg kämpfte mit den Tränen: „Ich muss jetzt abschalten und einfach nur raus hier.“

sid

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