Leichtathletik-WM in Moskau

Historisch: Erstes WM-Gold für Kolumbien

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Caterina Ibargüen freut sich über ihren WM-Titel.

Moskau - Schweden, Kolumbien, Tschechien: Am "deutschen Ruhetag" ohne Final-Teilnahme haben bei der WM in Moskau die "kleinen" Leichtathletik-Nationen für die Highlights gesorgt.

Am „deutschen Ruhetag“ ohne Final-Teilnahme haben bei den Weltmeisterschaften in Moskau die „kleinen“ Leichtathletik-Nationen für die Highlights gesorgt und sich mit Titeln eingedeckt. Während der ukrainische Hochspringer Bogdan Bondarenko bei seiner Flugshow erst an der Weltrekordhöhe von 2,46 m scheiterte, siegten über die 400 m Hürden Jehue Gordon aus Trinidad (47,69) und die Tschechin Zuzana Hejnova (52,82) mit hochklassigen Zeiten.

Die weiteren Titel sicherten sich der kenianische Topfavorit Ezekiel Kemboi über 3000 m Hindernis (8:06,01), die Dreispringerin Caterine Ibargüen (14,85) mit dem ersten WM-Gold für Kolumbien überhaupt und die Schwedin Abeba Aregawi über 1500 m (4:02,67). Erfreulich aus deutscher Sicht: Kugelstoß-Weltmeister David Storl zog souverän in den Medaillenkampf am Freitag ein, auch Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch erreichte die Endrunde.

Bondarenko, dessen Leistungen nach Platz sieben bei Olympia (2, 29) förmlich explodiert sind, ließ im wieder einmal nur halbvollen Luschniki-Stadion nach seinem Siegessprung über 2,41 m einen Zentimeter mehr als die 2,45 m des Kubaners Javier Sotomayor aus dem Jahr 1993 auflegen. Zwei seiner drei Versuche riss der 23-Jährige nur um Haaresbreite, beide Mal ging ein Raunen durch das weite Rund. Platz zwei und drei sicherten sich Mataz Essa Barshim aus Katar und der Kanadier Derek Drouin (beide 2,38).

Kurz zuvor hatte sich Außenseiter Gordon über die Hürden-Runde als Sieger ins Ziel gestürzt und in einem Herzschlagfinale den US-Amerikaner Michael Tinsley (47,70) um eine Hunderstel auf Platz zwei verwiesen. Bronze ging an den Serben Emir Bekric, der mit 48, 05 Landesrekord lief.

Erwartet kam indes Hejanovas Sieg. Die Olympiadritte ließ der Konkurrenz über die zehn Hürden nicht den hauch einer Chance und hatte mit Weltjahresbestzeit deutlich mehr als eine Sekunde Vorsprung auf die Amerikanerinnen Dalilah Muhammad (54,09) und Titelverteidigerin Lashinda Demus (54,27).

Im Dreisprung schaffte Ibargüen die fast schon logische Krönung: Nach Bronze in Daegu 2011 und Silber bei den Olympischen Spielen in London reichte es für die 29-Jährige in Moskau nun zum großen Wurf. Zweite wurde mit vier Zentimetern Rückstand Jekaterina Konewa aus Russland (14,81) vor der ukrainischen Titelverteidigerin Olga Saladuha (14,65).

Schwedens erstes Gold in Moskau holte eine gebürtige Äthiopierin. Hallen-Europameisterin Aregawi, mit 3:56,60 auch Weltjahresbeste, entthronte Titelverteidigerin Jennifer Simpson (USA), die nach 4:02,99 Silber holte. Bronze ging an die Kenianerin Hellen Onsando Obiri (4:03,86).

Im Hindernis-Rennen holte Olympiasieger Kemboi seinen dritten Titel in Serie. Zehn von 14 WM-Titeln über diese Distanz haben damit Läufer aus dem ostafrikanischen Land gewonnen. Nur der Fürther Patriz Ilg (1983), der Italiener Francesco Panetta (1987) und Katars Weltrekordler Saif Saaeed Shaheen (2003, 2005) brachen diese Dominanz - Letzterer ist allerdings gebürtiger Kenianer.

Bereits am frühen Donnerstagmorgen reichten Titelverteidiger Storl 20,71 m zu Platz vier in der von Topfavorit Ryan Whiting (USA/21,51 m) gewonnenen Qualifikation. Richtig zufrieden war der 23-Jährige allerdings nicht: „Das war nicht so glorreich. Ich hatte irgendwie Hemmungen, voll draufzugehen“, sagte Storl: „Das war lange nicht das, was ich kann und wollte. Im Finale werden die Karten aber neu gemischt, eine Medaille ist realistisch.“

Die deutsche Hochsprung-Meisterin Jungfleisch stand im Vorkampf bereits dicht vor dem Aus. Die 22-Jährige meisterte 1,92 m erst im dritten Versuch und qualifizierte sich wie alle Favoritinnen für das Finale am Samstag. „Ich war schon ziemlich nervös vor dem dritten Versuch“, sagte Jungfleisch, „ich bin froh, dass es geklappt hat“.

Einen Tag nach dem verkorksten Auftritt von Hammerweltrekordlerin Betty Heidler sorgte das deutsche Speer-Trio für das nächste deutsche Werfer-Desaster. In Abwesenheit des verletzten Titelverteidigers Matthias de Zordo scheiterten Bernhard Seifert (80,02 m/Jena), Lars Hamann (77,10/Dresden) und Thomas Röhler (74,45/Jena) in der Qualifikation - wie auch Sensations-Olympiasiegerh Olympiasieger Keshorn Walcott (Trinidad und Tobago).

Am Finale vorbei lief auch die deutsche 4x400m-Staffel. David Gollnow (München), Eric Krüger, Thomas Schneider (beide Magdeburg) und Jonas Plass (München) kamen im Vorlauf nach 3:02,42 Minuten als Dritte hinter Gastgeber Russland (3:01,81) und Australien (3:02,48) ins Ziel.

SID

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