Becker gegen Politisierung von Sotschi

Hackl: Deutliche Kritik an Olympia-Gastgeber

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Georg Hackl

Passau - Rodel-Ikone Georg Hackl hat sich in die lange Reihe der Kritiker von Olympia-Gastgeber Russland und der dortigen „menschenverachtenden Bedingungen“ eingereiht.

 „Damit, dass sich Putin die Spiele kaufen konnte, hat sich das IOC keinen Gefallen getan“, sagte der dreimalige Olympiasieger in Passau im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Menschen in Europa“.

„Statt freundlichen Volunteers“, so Hackl in der Passauer Neuen Presse weiter weiter, „stehen dort Soldaten mit Gummiknüppeln an jeder Ecke, bestimmen die Wege der Athleten, verhindern Fotos an Sportanlagen, als ob es Spionage wäre.“ Aus eigener Erfahrung berichtete er: „Da steht alle zwanzig Meter wieder einer mit Gummiknüppel und sagt “no foto'. Dann sagst du: Ja leck mich am Arsch, ich mach jetzt trotzdem ein Foto. Und dann gehen die auf dich los.„

Er habe trotzdem die Hoffnung auf freundliche Spiele in Sotschi noch nicht aufgegeben, auch wenn die Arbeitsbedingungen miserabel seien. `Man sieht Arbeiter, die in einem Bus mit vergitterten Fensterstäben hergefahren werden. Daneben stehen zwei Bewacher mit Schnellfeuergewehren. Oder der Bus bleibt an der Ampel stehen und zwanzig Arbeiter rennen raus und füllen ihre Trinkflaschen im Bach auf, wo nur eine braune Brühe runterläuft, weil oben gebaggert wurde“, berichtete Hackl.

Ex-Tennisstar Boris Becker (45) hat sich gegen eine Politisierung der Olympischen Winterspiele in Sotschi ausgesprochen. „Natürlich sind Diskussionen (zum Beispiel über das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz) Teil der Demokratie“, sagte Becker am Donnerstag vor Journalisten in Moskau. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass Sportler nahezu genötigt würden zur politischen Bewertung eines Gastgeberlands. „Die Sportler sind die ärmsten Schweine. Sie sollen nicht nur Medaillen holen, sondern auch noch irgendeine Position beziehen. Lasst sie doch in Ruhe“, sagte Becker.

Wenn ein Präsident wie etwa Wladimir Putin die Bewerbung seines Landes für ein sportliches Großereignis abgebe und später die Veranstaltung politisch nutze, sei das zwar grundsätzlich legitim. „Es sollte aber nie aus dem Blick geraten, dass es vor allem um Sport geht“, sagte Becker. Das gelte auch für die Winterspiele im Februar.

sid/dpa

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