Corona-Saison

Erlebt die Formel 1 den Titel-Vettel?

Sebastian Vettel hat in seiner letzten Ferrari-Saison nicht mehr viel zu verlieren. Foto: Photo4/Lapresse/Lapresse via ZUMA Press/dpa
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Sebastian Vettel hat in seiner letzten Ferrari-Saison nicht mehr viel zu verlieren. Foto: Photo4/Lapresse/Lapresse via ZUMA Press/dpa

Es wäre die Krönung. Buchstäblich. Ein Abgang mit dem Titel nach fünf Fehlversuchen, viel Kritik und einem seit Monaten feststehenden Beziehungsende. Zu verlieren hat Sebastian Vettel nichts mehr. Wie wird er die heikle Saison angehen?

Spielberg (dpa) - Nicht mal zu seinem alten Erfolgsteam wird Sebastian Vettel gehen können an diesem Freitag. In der Heimat von Red Bull, dem Team, mit dem der gebürtige Heppenheimer viermal die Formel-1-WM gewann, wird er nur im Kreis seines aktuellen Rennstalls anstoßen dürfen.

Mit Abstand. So ist das in Corona-Zeiten. Vielleicht kredenzt ihm ja sein derzeitiger Teamkollege Charles Leclerc Pasta in Ferrari-Rot, nachdem er in der langen Zwangspause seine Kochkünste fleißig verbesserte. Aber was auch immer passiert: Vettel läutet beim Großen Preis von Österreich in Spielberg seine Abschiedstour von der Scuderia mit seinem 33. Geburtstag am Freitag ein.

Mit 27 Jahren wechselte Vettel von Red Bull zu Ferrari. Dem Team der Formel 1 schlechthin, heißt es gern und oft. Dem Mythos in rot. Vettel hatte bis dahin 2010, 2011, 2012 und 2013 den Titel geholt und 39 Siege gefeiert, eingerechnet ist der Premierenerfolg fürs Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso (heute Alpha Tauri). 14 Siege feierte Vettel mit Ferrari, WM-Titel Fehlanzeige. Am Ende dieses ohnehin merkwürdigen Jahres mit der Coronavirus-Pandemie und deren weitreichenden Folgen ist Schluss bei Ferrari - und womöglich in der Formel 1. Vettels Zukunftsfrage ist weiter ungeklärt.

Was er in diesem Jahr noch unbedingt erledigen will, dürfte dagegen klar sein. Vettel hat bei Ferrari nichts mehr zu verlieren. Auf die mögliche Pasta von Teamkollege Leclerc wird er auch verzichten können, Vettel wird zum Selbstverpfleger. Es geht auch um seinen Ruf. Als Gescheiterter wird Vettel am Ende nicht dastehen wollen, denn er weiß auch, dass Ruhm und Erfolg vergänglich sind. "In einer Welt, in der alles so schnelllebig ist wie heutzutage, vergeht beides auch sehr schnell", sagte er einmal in einem dpa-Interview.

Nun kann er im Schnelldurchlauf der verspäteten und verkürzten Corona-Saison 2020 einiges wieder geraderücken. So wie die Zweifel an seinen Fahrkünsten nach Fehlern in den vergangenen Jahren, auch wenn die zum Teil dem Wagen geschuldet waren. So wie das Duell mit seinem zehn Jahre jüngeren Teamkollegen Leclerc, der von Beginn als Ferraris Zukunft gepriesen wurde und selbst auch mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein auftritt. So wie die Bilanz von Siegen und Titeln.

Man stelle sich einfach mal folgendes vor: Vettel gewinnt den Saisonauftakt, er gewinnt unter anderem auch das Heimrennen in Monza, er gewinnt den 1000. Grand Prix für Ferrari, der womöglich in Mugello stattfinden könnte. Und Vettel gewinnt die WM - ein buchstäblich krönender Abschluss. Es wäre der erste Fahrertitel der Scuderia seit 2007. Und dann geht Vettel. Vielleicht ja mit seinem vor allem aus besseren Zeiten bekannten spitzbübischem Grinsen. Zur Schau getragene Genugtuung ist allerdings nicht Vettels Sache.

Nachdrücklich demonstrieren, dass er es noch genauso kann wie zu seinen Hochzeiten bei Red Bull schon eher. "Er wird beweisen wollen, dass Ferrari auf den falschen Fahrer setzt", heißt es auf der Formel-1-Homepage, der bevorstehende Vettel-Abschied verleihe der verkürzten Saison eine delikate Note.

2014 bestritt Vettel seine letzte Saison für Red Bull. Gegen Ende der Meisterschaft wurde aber erst bekannt, dass er das österreichische Team verlassen würde. Vettel suchte eine neue Herausforderung. Gegen seinen damaligen neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo sah Vettel einige Male schlecht aus. Sein letztes Red-Bull-Jahr war auch sein einziges dort ohne Grand-Prix-Sieg. Der Wohlfühlfaktor hatte gelitten.

Die Wertschätzung für einen viermaligen Weltmeister schien Vettel danach nicht uneingeschränkt bei Ferrari zu erfahren. Als sein Kumpel Kimi Räikkönen gegen Leclerc ausgetauscht wurde, deutete sich der personelle Richtungswechsel in der Scuderia mehr als nur an. Vettel verpasste es aber womöglich auch, den Anspruch des Champions wie einst Kumpel und Idol Michael Schumacher klar für sich zu reklamieren. Unterm Strich will Vettel nur Rennfahren.

Und genau das kann er nun. Die mediale Präsenz ist durch die Corona-Maßnahmen stark eingeschränkt, was Vettel nicht ungelegen kommen dürfte. Die üblichen Gesprächsrunden auch mit Teamchef Mattia Binotto wird es vorerst in der gewohnten Form nicht geben, eine gewisse Distanz ist auch ohne Corona-Regeln längst spürbar trotz aller Beteuerungen und Bemühungen.

Rücksicht muss Vettel eigentlich keine mehr nehmen auf seiner Abschiedstournee im Ferrari. Und wer könnte es besser wissen als sein altes Team Red Bull, wie kompromisslos Vettel auch sein kann. Von der Multi-21-Affäre über den Crash am Bosporus - Vettel fuhr volle Kampflinie auch gegen seinen damaligen Teamkollegen Mark Webber, um sich den Titel zu holen.

© dpa-infocom, dpa:200630-99-616363/2

Rennkaleder

Fahrerfeld

Bericht auf Formel-1-Homepage

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