Stühlerücken beim DEB

Eishockey-WM: Cortina bastelt am Kader

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Pat Cortina.

München - Am Tag vor der WM-Generalprobe gegen die USA hat der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) seine Zukunftspläne vorgestellt. Franz Reindl und Erich Kühnhackl legen ihre Posten nieder, Uwe Harnos kandidiert für eine weitere Amtszeit.

Bundestrainer Pat Cortina bastelt gerade an seinem Kader für die Weltmeisterschaft, da beginnt beim Deutschen Eishockey-Bund zur Unzeit das große Stühlerücken. Ausgerechnet am Tag vor der WM-Generalprobe gegen die USA in Nürnberg (20.00 Uhr/Sport1) hat der DEB in München strukturelle Veränderungen mitgeteilt. Franz Reindl legt demnach sein Amt als DEB-Generalsekretär nieder, Eishockey-Idol Erich Kühnhackl verlässt seinen Posten als Vizepräsident Sport, und Präsident Uwe Harnos kandidiert im Sommer erneut.

Reindl will sich künftig ausschließlich seinem Job als Geschäftsführer des Organisationskomitees der Eishockey-WM 2017 in Deutschland und Frankreich sowie der Aufgabe in der Vermarktung der Nationalmannschaft widmen. Kühnhackl sucht eine neue Herausforderung, die er nach SID-Informationen in einer Beraterposition beim Brausehersteller Red Bull findet. Nur Harnos plant zu bleiben, wo er ist - wenn er denn Mitte Juli bei der Mitgliederversammlung wiedergewählt wird.

Harnos möchte durch die Bekanntgabe der Personalien mögliche Spekulationen während der bevorstehenden Eishockey-WM in Minsk (9. bis 25. Mai) verhindern. „Die nächsten Wochen sollen dem Sport gehören“, sagte der 53-jährige Jurist, der künftig einen „Weg der Transparenz“ beschreiten und die dauernden Diskussionen im deutschen Eishockey beenden möchte. „Die politischen Themen sind erledigt“, sagte er.

Dies wird aber erst die Zukunft zeigen müssen. Ebenso, ob die in der WM-Vorbereitung bisher vielversprechenden Auftritte der DEB-Auswahl auch zu einem erfolgreichen Turnier führen. „Alles ist möglich, aber wir müssen total auf unsere Leistung konzentriert sein“, sagte Bundestrainer Cortina am Montag. Eine konkrete Zielvorgabe vermied er.

Für Cortina liefert der Härtetest gegen die USA letzte Erkenntnisse für die Zusammenstellung seines Kaders. Noch gehören 28 Spieler zum Team. Nach der Partie gegen die mit 20 NHL-Profis verstärkten Amerikaner wird Cortina zwei Akteure streichen. „Es wird vor allem ein mentaler Test, weil jeder weiß, dass Entscheidungen anstehen“, sagte der Italo-Kanadier.

Eine finale Bewährungschance werden alle Wackelkandidaten erhalten - der DEB-Coach plant, eher einige der Arrivierten pausieren zu lassen. Auflaufen sollen auch die vier Profis von Vizemeister Kölner Haie, die nach Ende der DEL-Finalserie dazugestoßen sind.

Dass nicht ein Spieler des deutschen Meisters ERC Ingolstadt eingeladen wurde, begründete Cortina auch mit dem Spannungsabfall nach der intensiven Play-off-Serie über sieben Duelle. Gerade bei Thomas Greilinger (32) und Patrick Köppchen (33) sei es „sehr schwierig, nach der Pause sofort auf internationales Level zu kommen. Sie sind auch emotional runtergekommen“, sagte der Coach. Die Nichtberücksichtigung sei nichts Persönliches, sondern liege schlicht an den Umständen.

Berücksichtigung für die WM finden dagegen mit ziemlicher Gewissheit eine Reihe von jungen Spielern, insbesondere Leon Draisaitl (18) und Tobias Rieder (21), aber auch Torhüter Philipp Grubauer (22). Damit beginnt Cortina bereits mit der Umsetzung seines Nachwuchskonzeptes, das er in seiner Funktion als Sportdirektor am Montag vorstellte.

Dabei soll das kanadische Ausbildungssystem als Vorbild für die Spielerentwicklung in Deutschland dienen. Als übergeordnete Ziele nimmt der DEB damit die WM 2017 sowie Olympia 2018 in Südkorea ins Visier. Cortina betonte, dass er künftig ehemalige Nationalspieler für die Nachwuchsförderung gewinnen wolle. Als Botschafter eines der geplanten Projekte stehe Ex-Profi Stefan Ustorf bereit.

Basis für den Erfolg dieser Pläne seien aber die Leistungen des Nationalteams, das sich langfristig wieder als Top-8-Nation etablieren soll. Wie schon vor Monaten stellte Cortina heraus: „Die Nationalmannschaft muss die Sonne sein. Wenn sie scheint, scheint das gesamte deutsche Eishockey.“

sid

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