Kult-Skispringer wird 50

"Eddie the Eagle" in Garmisch-Partenkirchen?

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"Eddie the Eagle" im Jahr 1988

Köln - Als schlechtester Skispringer der Geschichte eroberte „Eddie the Eagle“ die Herzen. Am Donnerstag feiert der schräge Brite seinen 50. Geburtstag - und plant sein Comeback in Garmisch-Partenkirchen

Vielleicht lag es an der daumendicken Brille, die „Eddie the Eagle“ vor jedem Sprung putzte. Vielleicht auch an seinem runden Gesicht, den vielen Stürzen oder dem ewigen Grinsen. Ganz sicher aber verdankt der wohl schlechteste Skispringer der Geschichte seine bis heute enorme Popularität seinem grenzenlosen Mut. „Es gab immer das Risiko, dass der nächste Sprung mein letzter sein könnte. Ein großes Risiko sogar“, sagt der Brite, der pünktlich zu seinem 50. Geburtstag am Donnerstag seine Comeback-Pläne öffentlich machte.

„Ich möchte noch einmal springen, bevor ich zu alt bin. Ich bin noch fit und gut in Form“, sagte Eddie dem Gloucestershire Echo. Sein Traum: Als Vorspringer beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen starten. Schon kommende Woche fliegt der Brite nach Deutschland, um erstmals wieder von der Schanze zu gehen. „Ich bin nervös und auch ein bisschen aufgeregt“, sagte der Jubilar.

Eddie heißt eigentlich Michael Edwards, aber wer weiß das schon. Seine Geschichte beginnt im Jahr 1986, als der kauzige Mann aus Cheltenham beschließt, Englands erster Skispringer zu werden. Nur zwei Jahre später darf er zu den Olympischen Spielen in Calgary. „Als ich die Nachricht erhielt, war ich gerade in einer Nervenheilanstalt in Finnland. Ich habe dort während des Trainingslagers vier Wochen gewohnt, weil ich mir kein Hotel leisten konnte“, erinnert sich Edwards in einer BBC-Dokumentation.

In Calgary hüpft Edwards mehr, als dass er springt. In beiden Wettbewerben wird er mit weitem Abstand Letzter, aber die Fans lieben ihn. Kein anderer Sportler verkörpert das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ mehr als er. Schon während der Spiele fliegt er als Stargast der „Tonight Show“ nach Los Angeles. Richtig verrückt wird es nach der Rückkehr nach England. „Als ich am Flughafen auf meine Taschen wartete, kamen 30 Polizisten auf mich zu. Sie sagten: “Wir sind hier, um dir auf dem Weg durch den Flughafen zu helfen.' Ich hatte keine Ahnung, was sie meinten„, erinnert sich Edwards: `Und dann waren da plötzlich 10.000 schreiende Menschen und unzählige TV-Kameras. Verrückt.“

Edwards wird zum Medienstar. Er eröffnet Einkaufszentren, Golfplätze, Hotels. „Zwei Jahre lang bin ich nur gereist“, erinnert er sich. 1989 stürzt der Spaßvogel in Innsbruck und bricht sich das Schlüsselbein. Vielleicht auch wegen seiner Weitsichtigkeit. „Wenn ich auf dem Bakken saß, musste ich als letztes immer die Skibrille über meine normale Brille setzen. Ansonsten wären die Gläser sofort beschlagen.“ Die Fans bejubeln jeden 60-Meter-Sprung wie einen Weltrekord.

Doch Eddie, der Adler, bekommt auch Gegenwind. Einige Springer neiden ihm die Popularität, auch das IOC ist wenig humorvoll und verschärft die Olympia-Normen. „Damals nannte man das die Eddie-Regel. Angeblich habe ich den Sport in Verruf gebracht“, sagt der Ausgebootete. Er versucht es dennoch weiter, findet in der britischen Charterlinie Eagle Airlines einen Sponsor, schafft es aber weder 1992, 1994 noch 1998 zu Olympia. Dann gibt er auf.

Seither hält Edwards sich über Wasser. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern wohnt er im englischen Stroud, sein Geld verdient er mal als Stukkateur, mal als Sänger auf Finnisch („Mun nimeni on Eetu“ - „Mein Name ist Eddie“), mal als gut gebuchter Prominenter. Im Januar 2013 nimmt er an der englischen Version des Promi-Turmspringens teil - und gewinnt. Das alles ohne Brille, die Sehhilfe braucht er nach einer Operation nicht mehr.

Kein Zweifel: Michael Edwards ist zufrieden mit seinem Leben, auch mit 50 Jahren. „Wenn ich auf alles zurückblicke, war es einfach toll. Es hat Spaß gemacht, der erste und vielleicht letzte Skispringer meines Landes bei Olympia zu sein. Ich wusste, dass ich nie einen schlagen würde. Aber ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen.“

Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch ein Morgen, am 1. Januar in Garmisch. Ohne daumendicke Brille. Aber mit grenzenlosem Mut.

sid

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